Montag, 7. November 2016

Das erste Wochenende ohne Countdown

Ihr glaubt gar nicht, wie schön es ist, am Sonntagmorgen neben Rosalie ohne den Gedanken aufzuwachen, in ein paar Stunden schon wieder im Zug sitzen zu müssen! Dieses herrliche Gefühl hatte ich am vergangenen Sonntag nun zum ersten Mal (von den wenigen Ausnahmen abgesehen, als ich mal erst am Montag zurück musste).

Und so war es ein richtig schöner, normaler, lazy Sonntag, wie ihn Tausende andere Paare/Familien auch haben: Spätes Frühstück, ein wenig Haushalt, gemeinsames Kochen, ein bisschen Büroarbeit, Lesen, Musik hören, Wein trinken, Küssen ... Zwischendurch musste ich noch meinem Vater per Remote an seinem Notebook helfen. Das hat zum Glück geklappt und Papa war zufrieden. Trotzdem hörte ich eine gewisse Traurigkeit in seiner Stimme, die mich daran erinnert hat, mich bald nach einem Termin für die nächste Berlin-Reise umzuschauen. Das wird aber auch davon abhängen, ob ich während meiner Probezeit überhaupt Urlaub nehmen darf. Diese Frage konnte mir mein Teamleiter am Freitag leider nicht beantworten.

Nun beginnt schon die zweite Arbeitswoche in der Schweiz, an deren Ende mein erster freier Tag (dank 90%iger Tätigkeit) stehen wird. Da wir sturmfreie Bude haben werden, könnten wir es uns richtig gemütlich machen, wären da nicht die anstehenden Gerichtstermine bei meiner Liebsten, die unbedingt vorbereitet werden müssen. Es ist viel zu tun bis zum Ende des Jahres!

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Das wollte ich eigentlich schreiben, das Post war fast schon fertig. Dann pingte mein Handy am Sonntagnachmittag. Ein WA meines Sohnes: Er wolle mir noch mitteilen, dass er sein duales Studium hingeschmissen habe und ich nun wieder Unterhalt zu zahlen hätte! Nach nur drei Monaten! Nach einem Auswahlverfahren über mehrere Runden als einer von bundesweit 30 Auserlesenen (von mehreren Tausend), mit einem monatlichen Gehalt, von dem Andere in dem Alter nur träumen können!

Auf meine Nachfrage, warum er denn jetzt so plötzlich gekündigt hätte, kam als Antwort nur, er wäre unzufrieden gewesen ... Ich war sprachlos, wütend, enttäuscht. Um so mehr, da er gar keinen Plan hat, wie es nun weiter geht. Ja, er wolle sich vielleicht Arbeit suchen und dann mal schauen, irgendwas Soziales, vielleicht Erzieher oder Pädagogik oder so ...

Ich kann verstehen, dass man sich mal irrt, gerade im Alter von nur 19 Jahren. Aber ohne Alternative mal eben alles hin zu werfen in der (falschen) Gewissheit, die Eltern würden sich schon kümmern, das hat mir die Sprache verschlagen. Und so musste ich ihm unverzüglich mitteilen, dass sehr wohl KEINE Unterhaltspflicht besteht, wenn er seine Ausbildung einfach abbricht, maximal für eine sehr begrenzte Übergangszeit. In dieser Zeit hat er sich um Arbeit zu kümmern - und natürlich um eine neue Ausbildung.

Damit hat er wohl nicht gerechnet und wollte sofort widersprechen. Aber ich hab ihm die entsprechenden Urteile vom OLG geschickt, das hat ihn dann doch überrascht. Er wolle sich noch mal informieren und käme wieder auf mich zu ...

Ich bin immer gern bereit, mein Kind zu unterstützen, aber keinesfalls seine Faulheit. Welche Rolle meine Ex dabei spielt, mit der er angeblich zuvor gesprochen hat, kann ich noch gar nicht einschätzen. Womöglich hat sie ihn auch ermuntert, schließlich verdient der Papa jetzt sicher in der Schweiz ein Vermögen ... Und da sie nur ein paar Stunden pro Woche arbeitet und daher unter der Grenze des Selbstbehaltes bleibt und daher gar nichts zahlen muss, ist ihr das womöglich erst recht nicht schwer gefallen.

Ich hab ihm nun zugesagt, meine Unterhaltsleistungen, die ich bis Juli geleistet habe, wieder aufzunehmen, aber nur für vier Monate. Danach möchte ich wissen, wo er sich um Arbeit bemüht hat und wie es mit einer neuen Ausbilung weiter geht. Ansonsten werde ich die  Zahlungen einstellen.

Es ist schade, dass es sich so entwickelt. Aber ich bin nicht bereit, ihn aus der Verantwortung zu nehmen und einfach sinnlos weiter zu zahlen, während er in den Tag hinein lebt und "mal schaut" ... Ich war stolz darauf, was er geschafft hat und ja, ich hab mich auch gefreut, dass ich nun finanziell auch mal etwas für MICH tun kann, zumal ich in den vergangenen Jahren jeden Monat auch noch mehr gezahlt habe, als ich gemusst hätte. Daraus wird nun für die nächsten Jahre wieder nichts.

Ich will gar nicht leugnen, dass sicherlich in der Vergangenheit, seit der Scheidung, nicht immer alles gut war. Die Gründe dafür sind vielfältig und ganz sicher habe auch ich meinen Teil dazu beigetragen. Das rechtfertigt aber nicht, dass er jetzt seinen Lebensweg so achtlos verlässt, ohne zu wissen, was kommen wird und ob er etwas Vergleichbares finden kann. Da er zum Zeitpunkt des Abis den Studienplatz schon sicher hatte, gab er sich auch keine Mühe mehr - entsprechend bescheiden ist das Abi ausgefallen. Auch das wird sicherlich nicht zu einem Top-Studienplatz beitragen. Ich frage mich, was ihm seine Mutter da geraten haben mag? Die Antwort spielt allerdings keine Rolle mehr, es ist jetzt sowieso zu spät.

Kommentare:

  1. Wahnsinn... Der erste Satz las sich auch für uns so gut, ich hatte schon wieder ein Lächeln im Gesicht, bei Deinem Beitrag und dann kam plötzlich die Ernüchterung.

    Ich kann Dich grad sowas von gut verstehen, weil bei meinem Bruder genau das Gleiche abläuft. Der Arme zahlt seit langen Jahren viel mehr als er muss, für seine zwei (mittleweile großen) Söhne. Der Einer studiert noch, aber der andere hat zuende studiert (Ingenieur, 25) , hat zum 1.1. auch einen Job gefunden und mein Bruder hat sich so gefreut, endlich auch mal für sich was leisten zu können , aber nein... Jetzt fragte ihn der Große doch tatsächlich, vor 2 Monaten (der Ingenieur, der 25 jährige! ob er ihn denn bitte noch unterstützen würde bis dahin, also bis zum 1.1.
    Also, ein 25 jähriger Kerl kann doch bitteschön auch mal ALLEINE sein Geld verdienen , oder? Auch wenn es "nur" mal übergangsweise kellnern ist, oder Pizza rausfahren. Mein Bruder war auch "not amused", mit Recht. Irgednwann ist echt mal gut mit "Bank Papa", oder?

    Ich drücke Dir die Daumen, dass er ganz bald wieder was findet.

    Übrigens: Mein Sohn möchte auch unbedingt ein duales Studium anfangen dafür muss er jetzt auch nochmal zu den Auswahlverfahren-Tests (letztes Mal war er mit nur einem Punkt durchgefallen) und betet, dass er es diesmal schafft. Denn das Gehalt während des Studiums ist wirklich ein Traum für Personen in seinem Alter. Ich hoffe ja nicht, dass er unglücklich dabei wird, falls er es denn diesmal schaffen sollte:)

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    1. Gott, was hab ich denn da alles für Rechtschreibfehler gemacht?? Schrecklich! Sorry, hab gar nicht nochmal kontrolliert, bevor ich losgeschickt habe. Aber die darfst Du alle behalten, schenk ich Dir:)

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    2. Ich weiss auch nicht - ist das diese Nehmermentalität der Jugend heute? Machen wir als Eltern etwas falsch, wenn wir jedes Problem vom Kind fern halten und dafür sorgen, dass bloss ja keine Steine im Weg liegen, über die man stolpern könnte?
      Ich bin jedenfalls sehr enttäuscht, und das hab ich ihm auch klar gemacht. Das ist er sicherlich nicht gewohnt, weil Kritik von mir bisher fast nie kam. Aber das jetzt kann ich in dieser Form wirklich nicht unterstützen. Etwas mehr Weitsicht oder zumindest mal eine Rücksprache vorher wäre sicherlich nicht zu viel verlangt gewesen.
      Danke für die Fehler übrigens! ;)

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  2. Hallo Herr B. :-)
    Gerade lese ich mich durch deinen Blog, hab ja einiges verpasst. ;-)
    Du wirst dich wundern, aber die Eltern sind verpflichtet, ihren Kindern eine Ausbildung komplett zu finanzieren.
    Und sollte "das Kind" es vorziehen, gar nichts zu lernen, kann es sich vom Staat unterstützen lassen (oder bei den Eltern auf der faulen Haut liegen). Und der Staat holt sich das Geld (zumindestens einen Teil) - bis das Kind 25 Jahre alt ist - von den Eltern wieder.
    So ist die Rechtslage.
    Ich weiß nicht genau, welche Urteile du gelesen hast, vermutlich waren jedoch die Vorgeschichten anders.

    Grundsätzlich denke ich jedoch, ihr habt ein anderes Problem.
    Du bist enttäuscht. Dein Sohn vielleicht auch. Weil er nicht den Eindruck hat, dass du seinen Vorstellungen überhaupt ein Interesse entgegen bringst, das über Unterhalt zahlen hinaus geht.
    Er muß sich ja überlegt haben, warum er das Studium aufgibt. Erzieher werden ... Pädagogik studieren ... scheint mir etwas ganz anderes zu sein, als seine bisherige Berufswahl (was hat er denn bisher studiert?).
    Kinder müssen übrigens nicht die Vorstellungen der Eltern erfüllen (Junge, geh man zur Post, da kriegste später 'ne gute Pension, hieß es früher :-) ).
    Es ist sein Leben, aus dem er etwas machen sollte, was ihn mit Befriedigung erfüllt, nicht seine Eltern.
    Und mit 19 Jahren, wer weiß denn da schon, was er sein Leben lang machen will?
    Gib ihm eine Chance. Und wenn du wirklich ein ehrliches Interesse an seinem (!) Werdegang hast, dann zeige ihm das.

    Wir sind anders aufgewachsen und es stimmt:" Fleißige Eltern erzeugen faulen Nachwuchs." Weil wir den Kindern immer den "Hintern pudern". Sie in ihrer Bequemlichkeit unterstützen und alle Steine aus den Weg rollen. Ein schwerer Fehler. Und nicht Aufgabe der Eltern. Aber zu spät ... die Selbsterkenntnis.
    Was mir auffällt, indirekt machst du ein ganz klein bisschen seine Mutter dafür verantwortlich. Mach das nicht. Da liegst du mit ziemlicher Sicherheit falsch. Es macht Bauchgrimmen und ändert nichts. Vergiss diese Gedanken einfach.

    Also mein erster Kommentar im neuen Blog.
    Nur Gemecker und das auch noch an Weihnachten. :-/
    Ich werde mich bessern. Ääährlich!
    Einen lieben Gruß aus Norddeutschland - City :-) ...

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    1. Ich hab nichts gegen Gemecker, wenn es Hand und Fuss hat. Und ausserdem ist Weihnachten ja vorbei. :)

      Du hast Recht, die Eltern sind verpflichtet, die erste Ausbildung zu finanzieren. Sie sind aber nicht verpflichtet, die Arbeitslosigkeit des Kinder zu unterstützen, wenn das Kind selbst verschuldet abegbrochen hat. Hier gilt lediglich eine Übergangsfrist. Hierfür gibt es zahlreiche Rechtsprechungen und das hat mir auch ein Anwalt und selbst meine Ex genau so bestätigt.

      Das ist aber gar nicht der wesentliche Punkt. Du schreibst oben so richtig: "Er muss sich ja überlegt haben, warum er das Studium aufgibt." Und genau DAS vermisse ich. Er hat ein langwieriges Aufnahmeverfahren hinter sich, wurde aus 4000 Bewerbern ausgewählt, hat schon ein Praktikum dort absolviert, erzählt mir noch vier Wochen vor dem Abbruch, es würde ihm Freude machen, und dann ist er plötzlich "unzufrieden" und schmeisst einfach hin ...

      Ich hätte mir einfach gewünscht, mich nicht nur anschliessend mit einer kurzen SMS zu informieren, dass ich jetzt wieder zahlungspflichtig sei. Und das ärgert mich auch bei meiner Ex. Ich weiß nicht, was zu Hause erzählt wird, da halte ich mich mit Spekulationen zurück. Sie ist aber ansonsten immer ganz schnell, mich zu informieren, wenn es um Finanzielles oder wichtige Entscheidungen geht. Aber hier, in diesem wichtigen Moment, passiert nichts. Das fand ich sehr schade.

      Natürlich kann man sich irren, das will ich gar nicht in Frage stellen. Mir geht es nur um die Art und Weise.

      Ich hab mein Interesse zigfach bekundet, gebeten, dass wir uns zum Essen und Reden treffen, immer wieder gefragt, wie es ihm geht und ob ich etwas tun kann. Wenn dann stets nur ein "Gut" kommt, ist man irgendwann resigniert. Interesse muss halt von beiden Seiten kommen. Ich kann an seinem Leben nicht teilhaben, wenn er mich nicht lässt.

      Die Wahrheit liegt, wie so oft, sicher irgendwo in der Mitte, Fehler macht halt jeder. Doch es muss die Bereitschaft da sein, darüber zu reden. Da reichen Vorwürfe allein nicht aus. Meine Hand war und ist immer ausgestreckt. Ich hoffe, dass er das irgendwann erkennt.

      Liebe Grüße aus der vernebelten Schweiz!

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  3. Hallo Herr B. :-)
    Was für ein Wesen hat denn dein Sohn? Schüchtern? Zurückhaltend? Selbstbewußt? Sprunghaft?
    Möglicherweise traute er sich nicht, dir die Wahrheit zu sagen, weil er wußte, dass du enttäuscht sein wirst? Gerade weil du so stolz auf ihn warst. Vielleicht wußte seine Mutter auch nicht eher etwas von seinen Plänen.
    Vielleicht fürchtete er, dass du versuchen würdest, ihn (mit guten Argumenten) zum Weitermachen zu überreden?
    Es gibt elendig viele Fragen und Antworten dazu. Ihr müßt reden. Und Zuhören. In Ruhe, ohne Vorwurf.

    Ich habe einen Sohn ohne Ausbildung :-( . Trotz Realschulabschluß. ER wohnt nicht bei mir, weil ich damals vermeiden wollte, dass er sich bei Mama ins warme Nest setzt. Zum Glück hatte er damals eine Arbeitsstelle, als ich zum Schätzelchen gezogen bin und so war eine eigene kl. Wohnung für ihn kein Problem. Er arbeitet sporadisch überall mal bei Zeitarbeitsfirmen.
    Das Arbeitsamt ist sehr wohl an mich herangetreten und hat von mir eine Zahlung anteilig zu seiner Miete verlangt, nachdem er eine Zeit lang arbeitslos war. Bis zum 25. vollendeten Lebensjahr meines Herrn Sohnes. Da ich nachweisen konnte, welche Leistungen ich immer mal wieder für ihn bezahlt hatte (Überweisungsbelege) in der Zeit seiner Arbeitslosigkeit, wurde der Betrag dann verrechnet und es blieb zum Glück nur eine kl. Summe über.

    Schätzelchens Sohni (jetzt 27) hat nach der ersten Ausbildung und ein Jahr im Beruf Abi nachgemacht, dann ein Studium angefangen (letztes Jahr) und dafür Bafög beantragt. Da war erst nach etlicher Zeit klar, das der Vater keinen Unterhalt zahlen muß.

    Grüßli .. :-)
    Ich muß mal sehen, ob ich das hinbekomme, eine Nachricht über deine Beiträge zu bekommen ... :-)

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    1. Es geht mir wirklich nicht darum, meinen Sohn nicht unterstützen zu wollen, es geht mir in erster Linie um die Art und Weise. Zum Reden gehören immer zwei, wenn er sich verweigert, aus welchen Gründen auch immer, ist es eine sehr einseitige Geschichte. ich kann nur immer wieder anbieten, zuzuhören, aber er muss dannauch reden, und nicht nur übers Wetter und den letzten Urlaub mit der Freundin. Mit seiner Mutter hat er sich wohl vor der Entscheidung immerhin ausgetauscht. Ich hätte mir nur gewünscht, dass es vorher einen Plan B gegeben hätte, und nicht erst nach der Kündigung. Vier Wochen mehr hätten ihn sicherlich nicht umgebracht.

      Er ist ein selbstbewusster junger Mann, nur leider, wie vermutlich viele Jungs in seinem Alter, ziemlich faul. Ob es nun um Arbeitseinsätze in den Ferien ging, mit denen er seinen Lebensstil in Bars und Clubs finanzieren wollte, dann aber keine Lust hatte, das Abitur, das viel besser hätte ausfallen können, wäre er sich nicht so sicher gewesen mit dem Studienplatz und hätte alles schleifen lassen, oder die Fahrschule, die er schon seit 1,5 Jahren machen will, aber zu faul ist, auch mal zu lernen.

      Wie dem auch sei - ich hoffe, dass er den neuen Weg nun zielstrebig bestreitet und auch mal dran bleibt. Einfacher wird es sicher nicht, denn das Geld, das bisher im dualen Studium "nebenbei" kam, muss er sich nun hart und zusätzlich erarbeiten. Einfach wird das nicht, doch wenn die Ausbildung dafür mehr Freude macht, fällt es vielleicht leichter, im Supermarkt Regale aufzufüllen. Von meinem Unterhalt allein kann er sich ein Leben in einer WG und künftig mit eigenem Auto nicht leisten. Und seine Mutter verdient zu wenig, um sich finanziell zu beteiligen.

      Er ist kein Dummer und kann gut mit Menschen umgehen. Nur muss er lernen, dass das Leben auch hin und wieder etwas Einsatz erfordert und einem selten etwas geschenkt wird. Nun hat er im Frühling die nächste Chance, sich zu verwirklichen.

      Liebe Grüße!

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