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Mittwoch, 22. November 2017

Betroffen

Gestern Abend erhielt ich per WA von meiner Ex eine Nachricht mit der Frage, ob ich fünf Minuten für ein Telefonat hätte. In der Regel geht es bei solchen Gesprächen um Geld, daher hatte ich eigentlich wenig Lust, meine Zeit zu opfern, sagte aber trotzdem zu.

Als sie mich dann am Telefon fragte, ob ich sitzen würde, beschleunigte sich mein Puls. Und die Nachricht war in der Tat erschreckend: Am letzten Wochenende ist ein guter Bekannter von mir verstorben. Bei meinem letzten Berlin-Besuch vor knapp vier Wochen waren wir noch gemeinsam essen. Vier Tage später wurde er ins Krankenhaus gebracht, ins künstliche Koma versetzt, und zweieinhalb Wochen später starb er: Multiples Organ-Versagen ...

Er wurde nur 64 Jahre alt, in einem halben Jahr wollte er in Pension gehen. Bei unserem Treffen erzählte er mir noch, was er nach dem Auszug seiner langjährigen Ehefrau nun für Weihnachten geplant hätte und dass er mich im nächsten Jahr besuchen wolle. Nun is er von einem Moment zum anderen nicht mehr da.

Wir standen uns nicht wahnsinnig nah, aber ich kannte ihn immerhin schon mehr als zwanzig Jahre. Und daher hinterlässt sein Tod schon ein eigenartige Gefühl bei mir. Plötzlich fehlt da jemand, mit dem man sich regelmässig traf und der auf seine Art Teil meines Lebens war.

Dieses traurige Ereignis bestätigt Rosalie und mich erneut darin, alles daran zu setzen, das Leben jetzt zu geniessen und sich nicht zu sehr auf das Alter und die Rente zu freuen. Es kann so schnell vorbei sein ...

Freitag, 24. März 2017

Freundschaften

Gestern Abend beim Essen sprach ich mit meiner Liebsten über Freundschaften. Rosalie hatte sich gerade einer Schein-Freundschaft "entledigt" und war verärgert ...

Was aber zeichnet denn eine "richtige" Freundschaft aus, und hab ich eigentlich welche?

Mein ganzes Leben lang hatte ich schon immer mehr Kontakt zu Frauen als zu Männern. Das schliesst den Bereich Freundschaften ein. Eine klassische Männerfreundschaft gab es in meinem Leben nie. Ob ich damit etwas verpasse? Ich weiss es nicht, und ich weiss auch nicht, ob mir mit den wenigen Personen, die ich als Freunde bezeichnen würde, etwas fehlt.

Natürlich macht es ohnehin nicht die Masse, sondern wirklich die Klasse, aber wenn man die Personen, die man als wahre Freunde ansieht, zum Teil nur alle paar Monate oder gar Jahre sieht - ist das dann tatsächlich eine Freundschaft?

Ich denke schon, denn wenn wir uns dann wirklich mal sehen oder zumindest sprechen, ist es immer so, als wäre der letzte Kontakt gestern gewesen. Alles ist vertraut, es gibt keine Hemmungen, etwas zu erzählen und es tut auch gut. Und auch wenn man so selten Kontakt hat, weiss ich doch, dass ich im "Ernstfall" auf sie zählen kann. Das gilt umgekehrt natürlich genauso.

Wenn man Freunde vom anderen Geschlecht hat, kommt meist auch das Thema Se* irgendwann einmal ins Spiel. Wenn es dann brenzlig wird, muss man sich entscheiden. Bei einer der Freundinnen, die ich seit der Schulzeit kenne, haben wir das sehr schnell getan. Ob es uns vor etwas bewahrt oder etwas verwehrt hat, lässt sich nicht sagen. Es spielt aber für mich auch keine Rolle. Viel spannender ist, dass wir uns schon mehrfach über Jahre durch verschiedene Umstände aus den Augen verloren hatten und uns doch immer wieder fanden. Dass oft so viel Zeit dazwischen lag, merkte man nur daran, dass es so viel zu erzählen gab. Die Vertrautheit aber war jedes Mal sofort wieder da.

Bei E. war es bekanntermassen anders (diese lange Geschichte steht in meinem alten Blog). Wir hatten zuerst eine Beziehung, und nach einem kurzen, heftigen Ende wurde daraus eine Freundschaft. Auch das kann also funktionieren, obwohl es wohl eher selten ist.

Die Chance auf eine Männerfreundschaft hatte ich nie. Es ist mir niemand über den Weg gelaufen, der dafür in Frage gekommen wäre. Man kann ja nicht danach suchen, aber ich hab auch nie jemanden kennen gelernt, dem ich gern mein Innerstes offenbart hätte. In der Schule sass ich neben einem Jungen. Wir waren ein super gutes Team, aber ein Freund war er nie. Seit der Trennung von meiner Frau treffe ich mich regelmässig mit dem Man der besten Freundin meiner Ex. Aber ich würde nie auf die Idee kommen, mit ihm über meine Probleme zu sprechen. Unsere Unterhaltungen bleiben immer nur an der Oberfläche, und nach einem guten Essen und zwei, drei Gläsern Bier geht uns dann meist auch der Gesprächsstoff aus.

Es wäre wohl fast ein Wunder, wenn sich jetzt in meiner neuen Heimat in der Richtung noch etwas entwickeln würde. Aber ich vermisse auch nichts. Alles ist gut so, wie es ist, und ich hatte in meinem Leben fast nie das Gefühl, allein zu sein. Das ist doch schon eine Menge wert.