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Freitag, 7. September 2018

Zu früh gefreut

Erinnert Ihr Euch? Anfang Juli hatten wir einen Grund zum Feiern. Wir konnten die Spekulanten stoppen, die gegenüber im Hang riesige Wohnhäuser billig bauen und damit den historischen Dorfkern zerstören wollten.

Die Freude ist uns nun vorgestern erst einmal vergangen. Obwohl wir es eigentlich nicht für möglich hielten, hatten wir uns gewundert, dass wir vom Gericht keine Bestätigung über die Rechtskraft des Urteils erhalten hatten. Nun wissen wir auch, warum: Einer der beiden Spekulanten hat beim Bundesgericht Beschwerde gegen das Urteil eingelegt.

Was bedeutet das nun? Der Beschwerdeführer muss einen Gerichtskostenvorschuss leisten (gut und gern im fünfstelligen Bereich - deswegen dachten wir auch, er würde verzichten), dann werden wir zur Stellungnahme aufgefordert. Dann wird das Gericht - irgendwann - entscheiden.

So weit, so gut. Unser Anwalt meinte zwar, in der Mehrheit der Urteile würde das Bundesgericht solche Beschwerden abweisen, aber es könnte eben auch ganz anders laufen. Das würde dann unter Umständen bedeuten, dass wir zur Kasse gebeten werden, um den Bauherren zu entschädigen, und dass das hässliche Gebäude schliesslich doch gebaut würde. Wir wären also doppelt gestraft.

Momentan lässt sich noch nicht sagen, wohin die Reise gehen wird. Die Anwälte müssen jetzt erst einmal den Inhalt der Beschwerde prüfen, um einschätzen zu können, wie gross die Chancen sind, dass das Urteil des Kantonsgerichtes gekippt werden könnte. Und dann müssen wir beratschlagen, wie wir weiter vorgehen.

Auch hier ist also kein Ende absehbar - und was der zweite Spekulant macht, wissen wir auch nicht. Auch dieser hätte ja die Möglichkeit, Beschwerde einzureichen. Das könnte uns im schlimmsten Fall am Ende wirtschaftlich ruinieren.

Mittwoch, 29. August 2018

Der arme Mann

Während bei Rosalie der Scheidungskrieg noch voll im Gange ist, konnte ich mich bereits vor Jahren nach relativ kurzer Zeit von meiner Gattin gerichtlich trennen. Ihren Neuen kenne ich auch, wir waren schon bekannt, als ich noch mit meiner damaligen Frau zusammen war (da lief aber noch nichts zwischen ihnen, soweit ich das beurteilen kann).

Nun haben die Beiden am letzten Wochenende geheiratet. Offiziell wusste ich davon nichts, aber es spricht sich halt rum, und das neue Profilbild meiner Ex auf WA war verräterisch ... Verstehen tue ich das höchstens aus finanziellen Erwägungen heraus - man möchte sich fürs Alter absichern. Aber ob sie wirklich aus Liebe geheiratet haben? Ich kann mich an eine Begegnung erinnern, in der der jetzige Gatte sich in einem Gespräch mit mir über die selben Macken geärgert hat, die mich damals bei ihr zur Weissglut getrieben haben.

Und das möchte er nun ein Leben lang weiterhin ertragen? Ist das Masochismus? Oder irgendeine Torschlusspanik?

Wie auch immer, ich wünsche dem Brautpaar, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben und bis an ihr Lebensende glücklich miteinander sein werden. Ich war nach meinem Auszug damals froh, als recht schnell klar war, dass die Beiden sich näher kommen würden und damit der Groll ihrerseits über unsere Trennung auch verflogen ist. Das Einzige, was mich noch interessieren würde, wäre die Antwort auf die Frage, welchen Namen sie jetzt angenommen hat. Ihr Mädchenname ist furchtbar, und sein Nachname wie Meier und Müller eher Sammelbegriff. Und unseren gemeinsamen Nachnamen wird sie ja wohl weder behalten haben können noch wollen ...

Freitag, 10. August 2018

Spoilerwarnung

Fans der Serie "The Affair", die Folge S04E08 noch nicht gesehen haben, sollten lieber nicht weiterlesen ...

Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass wir die Serie sehr gern sehen, nachdem ich sie vor ein paar Monaten per Zufall entdeckt hatte, da ich ein Fan von Maura Tierney, einer der vier Hauptakteure in dieser Serie, bin. Und wenn man eine Serie mit einigem Tiefgang in kurzer Folge anschaut, wird man vertraut mit den Charakteren, leidet und freut sich mit ihnen.

Und dann passiert es - eine der vier Personen stirbt! Obwohl die Möglichkeit immer mal wieder angedeutet wurde, hätte das wohl kaum jemand erwartet, schliesslich lebt die Serie von den vier Hauptdarstellern, und Ruth Wilson als Alison ist für mich eine der wichtigsten Person der Handlung gewesen.

Und so sassen Rosalie und ich gestern Abend, als wir uns auf die aktuelle Folge freuten und mit einem Glas Wein auf der Couch Platz genommen hatten, ziemlich konsterniert vor dem Bildschirm, als klar wurde, dass es kein Irrtum war und Alison tatsächlich tot ist. Gerade noch waren wir begeistert, als wir erfuhren, dass es eine finale fünfte Staffel geben wird. Doch wie wird das nun weiter gehen, wenn einer der Protagonisten fehlt? Wer wird Alison "ersetzen"? Ist die Serie noch so attraktiv wie bisher?

Ich hab dann mal im Web geschaut, und da heisst es, dass Ruth Wilson schon vor der vierten Staffel darum gebeten habe, aus der Serie heraus geschrieben zu werden. Gründe wurden nicht genannt, aber man kann vermuten, dass andere Projekte daran schuld sind. So wird sie ab September mit Charlotte Rampling in "The Little Stranger" im Kino zu sehen sein. Sie ist nicht die klassische Schönheit, aber durchaus eine attraktive, interessante Frau, auf die wir nun leider für den Rest der Serie verzichten müssen.

Montag, 23. Juli 2018

Die lieben Kollegen (35) - Das Projekt geht weiter

Heute startet das zweite Drittel vom Projektabschluss. Nach den Erfahrungen vom letzten Donnerstag hoffe ich, dass es auch diesmal ohne grössere Schwierigkeiten ablaufen wird. Die Tücken der IT hat man jedoch nie so ganz im Griff und muss mit allem rechnen.

Zumindest ist der dritte Kollege im Team, der jetzt zwei Wochen krank war, seit gestern wieder aufgetaucht. Er wollte nicht so richtig damit rausrücken, was er denn nun hatte. Eigentlich hätte er wohl dann auch direkt nach der Krankheit Urlaub gehabt, den er aber nun noch nicht nimmt, aus "persönlichen Gründen". Keine Ahnung, was sich daheim bei ihm für Dramen abspielen mögen. Mich interessiert nur, dass er wieder im Dienst ist und sich damit heute um die Routine-Aufgaben kümmern und damit den Neuen unterstützen kann. Wenn alles an mir hängen bleibt, wäre das etwas viel für eine Person.

Die dritte und letzte Stufe der Umsetzung des Projektes ist noch völlig offen. Das Problem: Ich hab nur noch eine Woche Zeit. Leider fehlen sämtliche Entscheidungsträger, da im Urlaub, und ich bin im Dilemma: Selber entscheiden auf die Gefahr hin, einen Shitstorm zu ernten? Aussitzen und auf die Anderen schieben mit dem Ergebnis, dass ich dann vier Mal mehr Arbeit mit dem Projektabschluss haben werde und noch Wochen damit beschäftigt bin?

Ich tendiere zur ersten Variante, aber die hat halt auch ihre Tücken: Als Termin käme realistisch gesehen fast nur noch der nächste Dienstag in Frage. Danach folgt dann aber ein Feiertag und ich hab anschliessend zwei freie Tage. Wenn es irgendwelche Probleme nach dem Rollout gäbe und ich bin nicht da, bricht hier eine Sturmflut los. Was dann?

Montag, 16. Juli 2018

Die lieben Kollegen (33) - Chef spielen

Weg ist er, der Chef, für zwei Wochen im Urlaub. Und sein Pseudo-Stellvertreter und Busenfreund genauso. Darum werde nun ich als Ansprechpartner für die IT herhalten müssen.

Das Telefon ist auf mich umgestellt, ein paar Aufgaben an mich delegiert, das geht alles, wenn es um den eigenen Urlaub geht. Aber ansonsten bloss keine Kompetenzen abgeben. Ich verstehe dieses Gehabe immer noch nicht, aber ich habe aufgegeben, darüber nachzudenken.

Stattdessen werde ich sehen, dass der Laden hier läuft und es keine Klagen gibt. Entscheidungskompetenz habe ich ohnehin nicht, wenn es etwas zu entscheiden gibt, muss das liegen bleiben. Ich werde mich bei meinem Gehalt sicherlich nicht aus dem Fenster lehnen.

Der Kollege in meinem Team hat die letzte Woche mal wieder frei gemacht wegen Krankheit gefehlt, wobei niemand weiss, was er hatte, und der Chef am Freitag noch meinte: "Hoffentlich hat er einen Krankenschein, sonst gibt es den nächsten Ärger!" Wundervoll, wenn man solche Kollegen in einem so kleinen Team mit durchfüttern muss. Ob er heute kommt, ist ungewiss, er meldet sich ansonsten irgendwann per Mail. Erstaunlich, dass er das letzte Woche jeden Tag gegen 7:30 Uhr geschafft hat, wo es ihm doch so schlecht ging.

Schauen wir also mal, was die nächsten Wochen bringen. Es sind ja Ferien, daher erwarte ich keinen grossen Stress. Ausserdem bin ich mit meinen Projektaufgaben eigentlich genug ausgelastet und kann auf neue Katastrophen gut und gern verzichten. Es sei denn, Murphy's Law schlägt unbarmherzig zu ...

Montag, 11. Juni 2018

Fremde Muttersprache

Am Donnerstag war ich für eine interne Weiterbildung in einem Hörsaal. Die erste Frage des Dozenten war: "Kann ich Mundart reden oder ist Hochdeutsch notwendig?" Eine Standardfrage bei solchen Veranstaltungen und eigentlich auch immer dann, wenn mein Gegenüber bemerkt, dass ich kein Einheimischer bin. Eine sympathische Geste, obwohl ja im Grunde auch hier Deutsch gesprochen wird - was man hin und wieder allerdings kaum merkt. ;-) Aber es ist schon praktisch, wenn man im Ausland mit der eigenen Sprache kommunizieren kann.

Wenn man allerdings gezwungen ist, sich im Alltag stets in einer Fremdsprache unterhalten zu müssen, stelle ich mir das deutlich komplizierter vor. Und noch einmal schwieriger dürfte es sein, wenn man sich auch noch daheim einer anderen Sprache bedienen muss, um mit seinem Partner sprechen zu können. Kann sich da überhaupt diese normale Vertrautheit einstellen? Wie gut muss man die Sprache beherrschen, um sich so ungezwungen, locker und ohne Hemmungen austauschen zu können wie in seiner Muttersprache?

Ich stelle mir das schwierig vor. Natürlich lernt man jeden Tag und mit der Zeit gewöhnt man sich daran, aber wird das jemals so selbstverständlich wie die Muttersprache? Vor allem, wenn man es erst als Erwachsener lernt?

Da bin ich doch froh, dass ich hierzulande mit meiner Muttersprache zumindest in einem Teil des Landes keine Probleme habe ...


Mittwoch, 6. Juni 2018

Die lieben Kollegen (30) - Der CIO

Meine Ex-Frau erzählte mal von einer Begegnung, als ein Vorstandsmitglied in einer Sitzung über einen Angestellten sagte: "Wie heisst der Mann? Mit dem wische ich den Fussboden auf!"

An diese Geschichte fühlte ich mich gestern Morgen erinnert, als nach der vierten Terminverschiebung gestern um 8 Uhr endlich die Vorstellung meines Teams beim neuen CIO stattfand. Das ganze Team war versammelt, und Punkt 8 Uhr erschien der Herr. Knapp 20 Minuten stellte mein Chef unseren Bereich vor. Während der Zeit sass der Typ mit verschränkten Armen auf seinem Stuhl und kippelte gelangweilt hin und her.

Da der Vortrag meines Chefs mit drei Fragen schloss, setzte der CIO an der Stelle an. Irgendwas wäre available, sustainable, brauche einen ROI. Und er hätte die vielen scheiss fucking Projekte alle erst mal gestoppt. In diesem Ton ging es weiter, bis er Punkt 8:30 Uhr aufstand und sich verabschiedete. Das Team hatte nur Statistenfunktion, und während seiner scheiss fucking Ausführungen schaute er auch nur starr meinen Chef an. Obwohl ich genau neben ihm sass, würdigte er mich nicht eines Blickes.

Ich bin froh, dass ich mit diesem scheiss arroganten fucking CIO vermutlich nie wieder was zu tun haben werde, denn Menschen interessieren den Mann absolut nicht. Wer im Weg steht, wird beseitigt. Diese scheiss fucking Mitarbeiter stören sowieso nur.

Jetzt habe ich diese Gossen-Wörter bei weitem nicht so oft gebraucht, wie ich sie gestern in den dreissig Minuten gehört habe. Ihr habt jetzt vielleicht eine Vorstellung, wie das dort abgelaufen ist. Und was mich erschreckt hat: Die meisten meiner jungen Kollegen fanden das cool! Für mich war das nur menschenverachtend und unglaublich arrogant, wenn einige der Kernaussagen auch sicherlich richtig waren. Wenn sich so ein Typ dann noch darüber beklagt, dass er am Telefon und in Mails aufgrund seiner Entscheidungen Wörter gehört hat, die er bisher noch gar nicht kannte, dann sollte er sich vielleicht mal an das alte Sprichwort erinnern, dass es so aus dem Wald schallt, wie man hineinruft ...

Montag, 4. Juni 2018

Zwischen Hoffen und Bangen

Gut zehn Tage ist es jetzt her, seit die Frist für die Stellungnahme abgelaufen ist. Nun warten wir gespannt auf eine Reaktion vom Gericht zur Frage, ob der Ex-Gemahl seiner Verpflichtung zur Zahlung von Alimenten nachkommen muss oder nicht. Obwohl so eine Entscheidung eigentlich keinen Aufschub duldet, ist der Richter dafür bekannt, sich Wochen und Monate Zeit zu lassen, bis er mal zu einem Ergebnis kommt.

Das zehrt an den Nerven. Nach menschlichem Ermessen und auch nach Auffassung des Anwalts kann es zwar nur ein Urteil geben, aber man weiss eben nie, wie so ein Richter, und insbesondere der, wirklich tickt, und deshalb müssen wir mit allem rechnen. Dabei ist der Ausgang dieses Verfahrens von essenzieller Bedeutung. Ich befürchte, und auch das sieht Rosalies Anwalt genauso, dass, unabhängig von den direkten finanziellen Auswirkungen, nur ein knackiges Urteil zu Rosalies Gunsten den Ex endlich mal zum Nachdenken bringen kann. Anderenfalls wird sich seine Arroganz und Siegesgewissheit ins Unermessliche steigern, was den weiteren Prozessverlauf noch einmal massiv beeinträchtigen könnte.

Ein Mann, der sich nicht zu fein ist, die Hälfte der von ihm verursachten Müll- und Rundfunkgebühren von seiner Frau zu verlangen, nur weil sie noch im Grundbuch steht, ist so weltfremd, dass man nur den Kopf schütteln kann. Und das ist längst nicht alles, was auf seiner Liste der Forderungen steht. Man hat beim Lesen ständig das Gefühl, den Typen schütteln und aufwecken zu müssen.

Nun warten wir und hoffen, dass Justitia, die ja bekanntlich blind ist, in diesem Fall trotzdem den richtigen Durchblick hat. Alles Andere mag ich mir gar nicht ausmalen.


Montag, 21. Mai 2018

Die Leichtigkeit des Seins

Es geht doch nichts über eine extrem kurze Woche. Dank des heutigen Feiertages und meines 90%-Arbeitspensums muss ich in dieser Woche nur drei Tage arbeiten. Herrlich!

Und ich genieße diese Jahreszeit: das frische Grün, die Luft, die noch nicht zu heiß ist, die vielen Blüten. Und die Ruhe. Wenn man wie ich aus einer riesigen Großstadt kommt, wirkt die Ruhe hier wie aus einer anderen Welt. Es ist aber nicht nur das, was man hört, auch das, was man fühlt.

Rosalie wohnte früher auf der anderen Seite des Sees. Dort spürte ich immer, wenn ich dort war, eine gewisse innere Unruhe, Anspannung, sonderbare Energie. Selbst, wenn wir draußen saßen mit Blick auf den See, hatte ich nie das Gefühl, wirklich abschalten zu können.

Ganz anders hier. Schon, wenn ich abends nach der Arbeit vor dem Haus aus dem Auto steige, spüre ich absolute Entspannung. Am Teich oder auch auf dem Balkon hat man immer das Gefühl, weit weg von allem, quasi im Urlaub zu sein.

Genau DAS ist es allerdings, was Rosalie manchmal etwas stört: Es ist ihr ZU ruhig. Unser Ort ist ein Schlafkaff, mit all den Vor- und nicht zu unterschätzenden Nachteilen, vor allem der fehlenden Infrastruktur. Rosalie hat zuvor lange auf der anderen Seeseite gelebt, kennt dort viele Menschen, die man unterwegs hin und wieder trifft und mit denen man sich austauscht. Dazu das Leben in den Straßen, die Events, Einkaufsmöglichkeiten direkt vor Ort. All das fehlt hier, und das bedauert sie hin und wieder, vor allem, wenn sie direkt von der einen zur anderen Seite fährt und den direkten Vergleich hat.

Leider ist es eben unmöglich, Beides zu haben, schon, weil es derartige Grundstücke dort drüben entweder nicht gibt oder sie nicht bezahlbar sind. Kompromisse sind da unabdingbar, und die Frage ist, was einem wichtiger ist.

Nein, wir werden demnächst nicht umziehen, aber wer weiß, wie es in ein paar Jahren sein wird. Wir werden älter, die Kinder sind aus dem Haus, und irgendwann werden wir die gesamte Situation neu bewerten.

Aber vorerst genießen wir unseren täglichen  Mini-Urlaub daheim, und die Ruhe. :)

Dienstag, 24. April 2018

Die lieben Kollegen (23) - Die Kandidaten

Mein "Chef" hat auf Nachfrage gestern mitgeteilt, dass der Spitzenkandidat für die Nachfolge des scheidenden Kollegen leider ein Reinfall war. Somit bleibt bisher ein einziger Herr übrig, wobei "Herr" schon fast übertrieben ist - er ist erst 24 und damit noch jünger als meine aktuellen Kollegen. Ich weiß gerade nicht - soll ich das gut oder schlecht finden? Auch der könnte immerhin wieder locker mein Sohn sein ...

Vermutlich werde ich ihn am kommenden Montag kennenlernen, denn er wurde zur zweiten Runde eingeladen, bei der er uns und wir ihn kennenlernen können. Es wird also spannend. Bis dahin wird sich wohl noch jemand vorstellen, und dann gibt es noch einen neuen Kandidaten - noch einmal jünger, nämlich erst 22. Irgendwie fast ein Kindergarten, wenn das so weiter geht. Ob mein Chef Angst hat vor gestandenen Männern, oder gibt es etwa niemanden im "hohen" Alter, der ins Schema passt und sich beworben hat? Ich hätte mir schon gewünscht, noch einen Menschen mit etwas Lebenserfahrung im Team zu haben. Aber vielleicht kann man einen jungen Menschen noch ein wenig "formen"? Wenn er nur etwas fleißiger und sorgfältiger als sein Vorgänger wird, wäre das schon eine Wohltat.

Mit anderen Worten: Schlimmer kann es eigentlich kaum werden, und ich gehe mal ganz fest davon aus, dass es in der jungen Generation auch noch Menschen gibt, die bereit sind, etwas fürs Geld zu leisten, anstatt nur die Hand aufzuhalten und Forderungen zu stellen.

Da wir nun schon fast Mai haben, bleibt die Frage, wann der oder die hier anfangen kann. In rund drei Wochen sind wir hier nur noch zu zweit, und der Arbeitsvorrat ist jetzt schon kaum zu überblicken. Bis ein Nachfolger fit genug ist für selbständige Arbeit, dürften nochmals Wochen und Monate vergehen. Wie das alles gehen soll, weiss ich derzeit noch nicht, zumal Einarbeitung auch viel Zeit kostet.

Kommt Zeit, kommt Rat ...


Freitag, 2. März 2018

Kindersicherung

Zu Beginn der letzten Ferien gab es einen grossen Aufschrei um 22.30 Uhr. Grund: Unser Router hat ordnungsemäss die Kinder vom WLAN ausgesperrt. Seit wir teilweise Schwierigkeiten hatten, sie abends weg von den Geräten in Richtung Bett schieben zu können, habe ich für ihre Computer ein Profil erstellt, und damit wird zur Schlafenszeit das WLAN automatisch abgestellt.

Nun sollten die Kids um 22.30 Uhr sowieso im Bett sein, daher gibt es normalerweise unter der Woche keinen Protest, denn das würde ja auffallen ... Aber in den Ferien hocken sie natürlich den ganzen Tag vor den Displays, und wenn sich dann pünktlich der Router meldet, weil ich vergessen habe, den Schutz zu deaktivieren, gibt es sofort lautstarken Protest.

So ganz und gar wirkt die Barriere ohnehin nicht, denn beide Kinder haben auf dem Handy eine Flatrate, sodass alles, was auf diesen Geräten möglich ist, von uns nicht unterbunden werden kann. Aber zumindest liegen sie dann schon mal im Bett und werden vielleicht irgendwann müde. :)

Ein paar gute Seiten hat diese digitale Flut ja durchaus - z. B. sprechen beide Kinder fliessend englisch, was an den vielen Beiträgen und Serien liegt, die sie in dieser Sprache konsumieren. Dass man sie allerdings kaum noch motivieren kann, ihr Zimmer zu verlassen, sofern kein Internet in der Nähe ist, macht einen schon nachdenklich.

Vielleicht sehen wir das aber viel zu kritisch? Schliesslich haben wir damals keine Minute ohne Walkman oder Buch verbracht, also die Möglichkeiten unserer Zeit ausgenutzt. Nichts Anderes machen die Kinder letztlich heute auch. Allerdings lassen sie sich heute viel mehr passiv berieseln, am besten gleich auf zwei oder gar drei Bildschirmen gleichzeitig. Sie können sich auf nichts richtig und mit Haut und Haar einlassen. Ob das gut und gesund ist, mag ich bezweifeln.


Donnerstag, 22. Februar 2018

Mein NATEL

Zunächst die Übersetzung für die Nichtschweizer: Gemeint ist mein Handy. Hier in der Schweiz benutzt man historisch bedingt eher das Wort Natel. Übrigens bedankt man sich auch fürs Telefon anstatt für den Anruf, wenn einen jemand angerufen hat. Aber das nur nebenbei. :)

Gestern während der Frühstückspause ging es mal wieder um Smartphones. Einige in der Runde meiner Kollegen prahlten mit den neuesten, schönsten, teuersten Geräten in ihrem Besitz. Wie üblich in der Schweiz, überwogen im Pausenraum ebenfalls die Apfel-Benutzer. Auch Rosalie gehört dazu, während ich mit dem angebissenen Obst noch nie etwas anfangen konnte.

Besitzt man einen Vertrag, ist die Subventionierung eines neuen Telefon bei den grossen Providern noch ziemlich hoch, wodurch man oft und recht günstig zu einem neuen Handy kommt. So habe ich mich 2016 vor meinem Umzug ebenfalls für ein neues Gerät entschieden, das ich mir eigentlich nie zugelegt hätte - ein Samsung Galaxy S7 Edge. Die um die Ecken gezogenen Ränder sind vielleicht nett anzusehen, bieten aber kaum Mehrwert. Dafür kann man damit schnell und unabsichtlich irgend welche Funktionen aufrufen, die man eigentlich gar nicht starten wollte, oder man hält das Natel wie ein rohes Ei und läuft Gefahr, dass es hinunter fällt und dank gläserner Rückseite auch gleich kaputt geht.

Ab Mai "darf" ich mir wieder ein neues Natel aussuchen. Vermutlich bleibe ich bei Samsung, schon weil es dann sehr einfach ist, das Gerät samt Daten zu wechseln. Was mir nicht gefällt beim zu erwartenden S9, ist der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite. Wer denkt sich so etwas aus? Sollte das Teil keine Gesichtserkennung haben, muss ich es im Geschäft erst mal gründlich testen. Ich mag nicht jedes Mal erst mit dem Finger den Sensor auf der Rückseite suchen, um das Gerät entsperren zu können.

Nun ja, ein Luxusproblem, ich weiss. Und wenn das Handy mir nicht zusagt, halte ich es auch noch ein Jahr mit meinem aktuellen Modell aus, schliesslich läuft es einwandfrei, und im Grunde ist es ohnehin völliger Unfug, ständig neuen Elektronikschrott zu produzieren, oder? Die Änderungen von Generation zu Generation sind ja marginal: Noch etwas schneller, noch mehr Speicher, eine angeblich noch bessere Kamera. Braucht man das alles? Der einzige Ärger bei Android ist, dass die "älteren" Geräte keine Updates mehr bekommen. Aber auch das liesse sich für ein Jahr sicherlich verschmerzen ...

Montag, 12. Februar 2018

Nicht schon wieder!

Wir erleben derzeit in den ersten Wochen des neuen Jahres, dass es von überall Hiobsbotschaften über schwere und z. T. unerwartete Erkrankungen gibt. Geht Euch das auch so?

Nun hat uns vor ein paar Tagen eine weitere dieser Nachrichten erreicht, und diesmal ist es nicht nur menschlich berührend, sondern auch in der Sache ein Drama. Es geht um den Scheidungsanwalt von Rosalie. Er teilte mit, dass er eine schwere OP hinter sich habe und es völlig unklar sei, wann er wieder arbeiten könne.

In neun Tagen sollte die Scheidungsverhandlung endlich stattfinden, nachdem diverse Termine immer wieder verschoben wurden und sich das ganze Verfahren schon sooo lange hinzieht. Nun sieht es so aus, als müsste der Gerichtstermin ein weiteres Mal auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Das wäre ein Desaster.

Auch wenn es eine grössere Kanzlei ist, wird sich kein anderer Anwalt in so kurzer Zeit in den schwierigen Fall einarbeiten können, und ich hätte auch kein gutes Gefühl dabei. Da es Rosalies Ex aber nicht schnell genug gehen kann (er hofft natürlich, so bald als möglich nichts oder nur noch wenig zahlen zu müssen), wird er vermutlich vor Wut an die Decke gehen, wenn es tatsächlich zu einer weiteren Aufschiebung kommt. Er unterstellt Rosalie sowieso schon laufend absichtliche Verzögerungen.

Das Jahr fängt also nicht gut an, dabei hatten wir so gehofft, dass es jetzt aufwärts geht. Immerhin: Wir hatten jetzt ein freies Wochenende und konnten mal so richtig faul sein, auf dem Sofa lümmeln und fernsehen. Das gab es im letzten Jahr so gut wie nie. Es wäre schön, wenn dies wieder ganz normal werden und nicht die Ausnahme sein würde.

Freitag, 26. Januar 2018

Platonische Liebe

Ich war mal wieder im Radio zu hören. Zum Thema dieses Posts hatte ich schliesslich auch Einiges aus eigener Erfahrung zu erzählen ...

Wer schon mal in meinem alten Blog gelesen hat, wird sich an E. erinnern. Knapp vier Jahre lang hatten wir eine feste und sehr enge Beziehung. Dann gab es einen anderen Mann in ihrem Leben, ich brach den Kontakt ziemlich spontan ab und zog mich zurück. Das war eine schmerzhafte, aber auch lehrreiche Zeit, ich hatte viel Gelegenheit zum Nachdenken.

Diese neue Beziehung hielt jedoch nur ein paar Wochen, und schon bald danach, ich weiss nicht mehr, wer den ersten Schritt machte, näherten wir uns wieder an, sahen uns an den Wochenenden, machten gemeinsame Ausflüge. Alles war wie zuvor - fast. Wir schliefen wieder im selben Bett, aber es gab keinen Sex mehr. Nie mehr. Nach wie vor waren wir uns sehr nah, umarmten uns, hielten sogar Händchen, hatten keine Geheimnisse voreinander. Für Aussenstehende schien es unfassbar, dass wir zwar zusammen, aber "körperlich" doch getrennt waren. Wie sollte das gehen?

Es geht sicherlich nicht überall und in jeder Beziehung. Ich denke dabei auch nicht an die langjährigen Partnerschaften, bei denen der Sex irgendwann komplett eingeschlafen ist. Diese nichtkörperliche Liebe ist schon etwas Aussergewöhnliches. Die Frage, ob es sich dabei vielleicht dann doch "nur" um eine enge Freundschaft gepaart mit der Gewöhnung langjähriger Beziehungen handelt, konnte ich auch im Gespräch nicht abschliessend beantworten. Aber diese besondere, auch emotionale Nähe zweier Seelenverwandten ist eben etwas nicht Alltägliches.

Als Rosalie in mein Leben trat, kam das Körperliche, das mir mit E. nicht fehlte, wieder hinzu. Machte das die Liebe nun "komplett" oder ist sie einfach ganz anders? In meiner Wahrnehmung kann man sie tatsächlich nicht vergleichen. Ich denke eher, dass Sex bei E. eigentlich nie wirklich dazu gehörte und wir eine Beziehung auf einer anderen Ebene hatten und haben. Auch jetzt, wo wir uns nur noch ganz selten sehen und kaum Kontakt haben, ist diese Verbindung trotzdem da. Wenn wir uns treffen, gibt es keine Distanz, kein Fremdeln. Es gibt auch keinen Neid, sondern nur Freude, wenn es dem Anderen gut geht mit neuem Partner (wobei E. nach wie vor allein und glücklich damit ist).

Ist das eine platonische Liebe?

Freitag, 19. Januar 2018

Recht haben und Recht bekommen

Das Scheidungsverfahren bei Rosalie zieht sich nun schon über mehrere Jahre hin. Das ist nicht nur emotional belastend, sondern und vor allem auch finanziell. Es heisst, dass so manche Frau sich nicht scheiden lässt, weil sie es sich nicht leisten kann, und auch der Anwalt erwähnte schon, dass am Schluss die Partei "gewinnen" würde, also ihre Forderungen durchsetzt, die das meiste Geld hat. Was dabei heraus kommt, kann man sich leicht vorstellen, denn oftmals verfügt der Mann durch seine Arbeit über Geld, Konten, Anlagen. Und man glaubt kaum, wie teuer so eine Scheidung ist ...

Das ist extrem unfair und lässt einen manchmal am Rechtsstaat zweifeln. Leider gilt das auch für andere Verfahren. Gestern erhielten wir Post vom Gericht. Momentan prozessieren wir gegen Bauunternehmer, die mit Spekulationsbauten das Dorfbild verschandeln und uns einen hässlichen Klotz vors Haus setzen wollen. In der Schweiz ist es so, dass die ersten Einsprachen noch kostenlos sind, geht es dann aber vor Gericht, weil man sich nicht einigen konnte, trennt sich die Spreu vom Weizen - denn nun wird Geld fällig. Das heisst, nur Bürger, die es sich leisten können, haben die Möglichkeit, städtebaulichen Wahnsinn zu verhindern. Für die Bauherren heisst das, erst mal alles abzustreiten und auszusitzen und zu hoffen, dass die Einsprechenden nicht genügend finanzielle Mittel haben, um den Prozess zu führen. Dann wäre der Fall schon erledigt.

Bei uns zum Beispiel fällt nun nicht bloss ein Gerichtskostenvorschuss an, sondern die Gegenseite fordert auch Entschädigungs-Sicherheiten für den Fall, dass sie gewinnt. Man muss - als Privatperson im Kampf gegen ein Bauunternehmen - enorme Summen hinterlegen, damit der Prozess überhaupt geführt wird.

Recht haben ist also das Eine, Recht bekommt aber nur der, der es sich auch leisten kann. Ansonsten muss man irgendwann aufgeben. Irgendwie scheint mir das nicht gerecht zu sein ...

Donnerstag, 28. Dezember 2017

The Affair

Als Fan von Maura Tierney stiess ich vor einiger Zeit auf die Serie "The Affair". Jetzt, da Rosalie endlich mal ein wenig freie Zeit hat, fernab von Stellungnahmen (allerdings wartet schon wieder eine) und Scheidungspapieren, verschlingen wir gerade Folge für Folge, und einmal angefangen, kann man irgendwie nicht mehr aufhören. Die Crux im digitalen Zeitalter. :)

Ich denke, fast jeder in meinem Alter hat ähnliche Erfahrungen wie in der Serie irgendwann schon einmal selbst gemacht. Natürlich wird dort alles dramaturgisch überhöht, um den Spannungsbogen aufrecht erhalten zu können. Aber es stellt sich die Frage, ob der Mensch wirklich dafür geschaffen ist, mit der selben Person bis ans Ende aller Tage zusammen zu bleiben ...

Im Film sind es rund 25 Jahre, bis es zum Riss kommt. Job, Haus und vier Kinder können nicht darüber hinweg täuschen, dass die Beziehung nun einmal nicht mehr die selbe ist wie zu dem Zeitpunkt, als man sich das Ja-Wort gegeben hatte. Und ist das nicht völlig normal? Menschen entwickeln sich weiter, sammeln Erfahrungen, ändern ihre Schwerpunkte, Lebensziele, Wünsche. Kann man es jemandem übel nehmen, wenn der Partner bzw. die Partnerin dabei vielleicht nicht mehr die Rolle spielt wie früher? Begleiten uns Menschen nur so lange, bis wir gelernt haben, was sie uns mitgeben wollten, um dann neue Wege und Herausforderungen zu suchen?

Ich kenne in meinem Umfeld kaum eine Beziehung, in der es nicht zumindest eine grosse Krise gab oder die gänzlich in die Brüche ging. Unsere Gesellschaft sieht das meiner Meinung nach immer noch als Makel an. Aber ist das fair? Ich will hier keine Lanze brechen fürs Fremdgehen oder vorschnelles Aufgeben einer Beziehung. Aber genau so falsch finde ich es, mit aller Macht an einer Partnerschaft zu hängen, in der zumindest ein Teil längst nicht mehr glücklich ist.

Bei mir brauchte es viele Jahre, bis ich reif genug war, mir meine Wünsche, Träume, Ideale und Ziele bewusst zu machen und zu hinterfragen, ob mein derzeitiger Weg der richtige ist, um sie zu erreichen. Und dann war es ein Abend, eine Minute, an dem ich plötzlich an dem Punkt war, der mein Leben komplett veränderte. Bei allem Kummer, der damit verbunden war, bin ich trotzdem bis heute froh und glücklich, dass ich genau diesen Weg gegangen bin, den Weg ins neue Leben, wie auch mein alter Blog hiess.

Auch Rosalie ging es ganz ähnlich. Bei ihr kommt noch hinzu, dass sie sich die Frage schon oft gestellt hat, ob bereits die Heirat ein Fehler war. Eine Frage, die für mich nie relevant war, denn damals und auch bis heute war ich überzeugt davon, das Richtige zu tun. Nur haben sich meine Frau und ich mit der Zeit in ganz verschiedene Richtungen entwickelt, die irgendwann nicht mehr kompatibel waren. Ich wäre jämmerlich eingegangen in dieser Ehe.

Ich hätte mir damals, vor rund zehn Jahren, nicht träumen lassen, mal in der Schweiz zu wohnen, und hätte mir diesen Schritt auch nicht zugetraut. Nun habe ich ihn gewagt, bin glücklich, geniesse mein Leben mit Rosalie und freue mich auf das nächste gemeinsame Jahr (und die dritte und vierte Staffel der TV-Serie ...).

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Warum?

Das ist vermutlich eine der meist gestellten Fragen auf Trauerfeiern. Auch am Dienstag war sie oft zu hören, nicht zuletzt von der Rednerin. Ich selbst hab mich dann auch noch gefragt, warum eigentlich zu solchen Anlässen auch das Wetter immer extrem ungemütlich sein muss?

Dabei war ich schon vom Vortag noch ziemlich geschafft, schliesslich hatte mein Flug fast 3,5 Stunden Verspätung. Der Abend in Berlin war dann sehr kurz und hektisch, vor allem bei meinem Papa. Aber zum Glück hatte ich noch den Nachmittag nach der Feier komplett für ihn eingeplant, und er war sichtbar glücklich, dass wir wieder ein paar gemeinsame Stunden hatten.

Die Trauerfeier war beeindruckend, weil ich bisher nie so viele Menschen bei einer Beerdigung gesehen habe. Es waren sicher mehr als 80 Personen anwesend. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass der Verstorbene erst 64 Jahre alt war und damit der Freundes- und Familienkreis noch nicht so stark "ausgedünnt" war. Aber er war auch ein sehr geselliger Mensch und hatte gern Leute um sich herum, die wiederum auch seine Gesellschaft schätzten.

So war es beeindruckend, wie lang der Trauerzug zur Urnenstelle wurde. Als ich dann an der Reihe war, um mich von ihm zu verabschieden, und etwas Sand in die Hand nahm, musste ich doch schon etwas schlucken. So plötzlich, so unvorhersehbar. Und so jung. Nun ist es also soweit, dass Beerdigungen nicht mehr nur die vorherige, sondern auch schon (mehr oder weniger) meine Generation betreffen ...

Ansonsten waren die drei Tage auch nicht gerade von guten Nachrichten geprägt. Die Katzenklappe, die wir bestellt haben, ist bei DPD verschollen und niemand weiss, ob und wann sie zugestellt werden kann. Unser armer Kater hat nach der Hoden-OP offenbar einen Infekt erlitten und muss nun erneut Antibiotika einnehmen. Eine Freundin von mir, die ich eventuell noch spontan in Berlin getroffen hätte, hat sich mit Noro angesteckt und darf niemanden sehen.

Gestern Abend bin ich - pünktlich - zurückgekehrt. Der Kater hat erst ungläubig an mir geschnuppert, bevor er sich freuen konnte, mich wieder zu sehen. Das traf auf Rosalie glücklicherweise nicht zu. :-)))

Nun hat mich nach dem kleinen Abstecher (schon cool, wenn man so schnell und unkompliziert mal eben nach Berlin jetten kann) die neue Heimat und die Arbeit wieder. Die Motivation dafür hält sich sehr in Grenzen, aber hey - es ist schon Donnerstag!

Montag, 11. Dezember 2017

Zum letzten Mal

Wir waren nie besonders "dicke", auch wenn wir uns mehr als zwanzig Jahre kannten. Er war der Mann einer guten Freundin meiner Ex und wir trafen uns immer zu viert. Nach der Trennung waren sie sehr loyal, und aus dem Vierertreffen wurde dann 2x2. Und so sahen wir uns fortan etwa alle acht Wochen, gingen gemeinsam essen, bastelten an seiner IT-Hardware daheim oder grillten in seinem Garten.

Er öffnete sich dann ein wenig, als seine Frau ihn vor etwa einem halben Jahr verliess. So erfuhr ich auch, dass sie vor drei Jahren schon mal eine grosse Krise hatten, aber sich wohl mehr oder weniger wieder zusammen gerauft hatten. Diesmal schien es endgültig zu sein, und so langsam begann er, sich an den Gedanken zu gewöhnen, nach vorn zu schauen und neue Pläne zu schmieden.

Worüber ich nichts wusste, war sein Gesundheitszustand. Ja, er trank sehr gern Bier, aber dass die Leber schon gelitten hatte, war mit nicht bekannt.

Noch Ende Oktober trafen wir uns bei meinem letzten Berlin-Besuch und gingen wir gewöhnlich zusammen essen. Er wirkte ganz normal, optimistisch und nicht krank. Dann fuhr er mich zum Bus, und dort sassen wir noch einmal eine Viertelstunde und redeten, so als ob er mich nicht gehen lassen wollte. Als ich schliesslich ausstieg, wendete er mit dem Auto, winkte kurz und weg war er. Wer hätte geahnt, dass er drei Tage später ins Krankenhaus eingeliefert werden und dort sterben würde ...

Nun fliege ich also nachher nach Berlin, um mich morgen von ihm zu verabschieden. Blöderweise hat mein Flieger auch noch zwei Stunden Verspätung, sodass mein ganzer Plan durcheinander kommt. Aber was soll's. Es ist mir wichtig, persönlich dabei zu sein, auch wenn wir nie besonders dicke waren.

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Gute Besserung

Gestern erhielt ich per WA vier sehr hoffnungsvolle Fotos. Auf den Bildern strahlte mein Papa übers ganze Gesicht, während er vor seinem Auto bzw. im Supermarkt stand. Nach mehr als sechs Wochen, die seit seinem letzten Sturz vergangen sind, war er endlich mal wieder auf eigenen Beinen vor der Tür, konnte frische Luft atmen, andere Menschen sehen und auf andere Gedanken kommen.

Diese Erleichterung sah man ihm förmlich an und er brachte sie auch danach am Telefon zum Ausdruck. Es muss extrem frustrierend sein, wenn man sich über so lange Zeit nur mit Rollator und viel Mühe in seiner winzigen 55 m2-Wohnung aufhalten kann.

Das grösste Hindernis auf dem Weg nach draussen war und ist die Treppe. Seine Frau redet schon seit rund zehn Jahren auf ihn ein, dass es an der Zeit wäre für einen Umzug, aber ich glaube, mein Papa lässt sich nach fast 50 Jahren in dieser Wohnung höchstens heraus tragen. Umziehen wird er freiwillig wohl nicht mehr.

Ich hoffe sehr, dass dieser Ausflug nicht nur ein kurzes Aufbäumen war. Der nächste Sturz ist vermutlich nur eine Frage der Zeit. Und obwohl er bisher grosses Glück hatte, bleibt meine Sorge, dass es doch mal schlimmer ausgehen könnte.

Immerhin brauche ich dann nächste Woche, wenn ich dort bin, keinen Grosseinkauf zu machen und wir haben etwas mehr Zeit zum Quatschen. Ich bin froh, dass die Frequenz meiner Besuche derzeit recht hoch ist (auch wenn der Anlass diesmal traurig ist), denn man kann halt nie wissen, wie lange das noch möglich ist. Solange er noch einigermassen mobil ist, wünsche ich ihm noch viele schöne Jahre, doch sollte er irgendwann einmal gar nicht mehr laufen und sein geliebtes Auto nicht mehr für einen Ausflug nutzen können, dann wird sein Lebenswille vermutlich versiegen und dann wird es für ihn eine Qual. Davor graut es mir.


Montag, 4. Dezember 2017

Reifeprozess

Als ich neulich zu einem dienstlichen Termin das Gebäude verlassen und durch schneebedeckte Strassen laufen musste, hatte ich kurz das Gefühl, ich wäre im Urlaub. Bilder aus alten Zeiten im Harz tauchten vor meinen Augen auf und ich genoss den kurzen Weg ins andere Haus.

Ja, die Zeiten ändern sich und ich nehme alles anders wahr als noch vor ein paar Jahren. Eine Entwicklung über die Lebens-Jahrzehnte, die wohl jeder Mensch durchmacht, ob er sich dessen bewusst ist oder nicht.

Als Teenie wartete man sehnsüchtig darauf, dass die blöde Schule endlich vorbei ist, man volljährig ist und endlich tun und lassen kann, was man will. Mit 20 konnte man das dann endlich alles ausprobieren, Fehler machen, hinfallen und aufstehen, Studium oder Lehre abschliessen und in Ruhe erwachsen werden.

Mit 30 begann dann bei mir die Phase der Konsolidierung. Familienplanung stand auf dem "Programm", Frau, Kind und Haus, ein  vernünftiger Job waren das Ziel. Ich wurde ruhiger, richtete mich ein und das Leben wurde mehr und mehr "normaler Alltag".

Mit etwa 40 begann ich zu zweifeln. Die Ehe wurde für mich mehr und mehr zum Käfig, ich hatte das Bedürfnis auszubrechen. Irgendwann wagte ich den für mich sehr wichtigen Schritt, fühlte ich mich endlich befreit und machte (mit vielen Höhen und Tiefen) danach eine Entwicklung durch, die ich aus heutiger Sicht als Quantensprung bezeichnen würde.

Nun, mit 51, bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich das Gefühl habe, in mir zu ruhen, eine neue Stufe erreicht zu haben, auf der ich das Leben geniessen und mich auf die schönen Dinge des Leben konzentrieren kann. Ich muss mir nichts mehr beweisen, Ziele gibt es zwar noch, aber es drängt nicht so wie früher. Ich lebe intensiver, aber ruhiger.

Was wird wohl mit 60 sein? Wartet man auf die Rente und bangt man, sie noch zu erreichen? Mein Bekannter zählte die Monate bis dahin, geschafft hat er es nicht. Es ist nicht klug, auf die Zeit nach dem Arbeitsleben zu hoffen.

Und deswegen möchte ich in den nächsten Jahren noch Einiges von der Welt sehen! Mein erster Wunsch ist es, mit Rosalie noch einmal nach Florida zu fliegen, wie schon 2015. Es war einfach traumhaft, da muss ich nochmals hin!