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Freitag, 24. Januar 2020

Kann das weg?

Eigentlich freuen wir uns auf ein besseres Jahr, aber wie es begann, war alles andere als gut. Kann ich den Januar 2020 zurückgeben?

Falls sich jemand über mein Schweigen hier gewundert hat - seit einer Woche bin ich ausser Gefecht gesetzt. Begonnen hat es letzten Freitag mit Halsschmerzen und heftigen Niesattacken. Weil es draussen kalt und nass ist und ich in diesen Monaten gefühlt ständig leicht körperlich verkrampft bin, ist es dann passiert: Bei einem der Niesanfälle hat sich mein Rücken herzlich bedankt.

Über einen Tag lang konnte ich mich so gut wie nicht bewegen, mühsam an zwei Krücken bis zum WC laufen. Zu allem Überfluss setzte zeitgleich ein übler Husten ein, und Husten und Schmerzen in der LWS in Kombination - das geht gar nicht. Nun neigen Männer zwar zum Jammern, aber das war wirklich übel!

Also bin ich die ganze Woche daheim, und bis heute habe ich Mühe mit dem Laufen, Stehen und Sitzen. Es wird zwar langsam besser, aber es ist immer noch belastend. Dazu war Rosalie auch noch zwei Tage ans Bett gefesselt mit üblem Halsweh und starken Kopfschmerzen. Also ein komplettes Lazarett daheim.

Immerhin - es ist ja nicht alles schlecht. ;-) Es gibt nämlich auch drei gute Nachrichten: Die OP bei meinem Papa war erfolgreich! Ist schon toll, was man heute alles machen kann, die Wunde ist nur ein kleines Loch im Bauch, nach zwei Tagen konnte Papa nach Hause. Nun müssen wir abwarten, ob der Krebs wirklich besiegt ist. Bei aller Euphorie ist das bekanntlich immer eine schwierige Frage.

Rosalie hat ihren gehassten Familiennamen des Ex abgelegt und ihren Mädchennamen wieder angenommen. Damit ist dieses Kapitel nun auch nach aussen deutlich sichtbar beendet. Auch wenn das noch einen grossen Aufwand nach sich zieht - es war ihr wichtig, und das kann ich gut verstehen nach dem ganzen Theater.

Und - wir haben unsere nächste USA-Reise gebucht! Wenn man schon den ganzen Tag im Bett verbringen muss, hat man jede Menge Zeit, und etwas Aufmunterung tut gut. Nun ist alles entschieden und zwei Wochen Ferien warten im Oktober auf uns. Wir versuchen ja immer eine Mischung aus Neuem und Bekanntem. Und so wird uns die Reise diesmal zunächst nach Boston führen. Von dort machen wir einen kurzen Abstecher nach Montauk. Dieses "Kaff" kennt hierzulande vor allem, wer die Serie "The Affair" gesehen hat. Wir waren grosse Fans der Serie. Das "Lobster Roll" spielt dort eine entscheidende Rolle, und genau DORT werden wir essen gehen!

Und damit wir auch die Wärme geniessen können, geht es zum Schluss noch gut eine Woche nach Florida in unser Lieblingshotel.

Vorfreude ist ja die schönste Freude, und so können wir uns jetzt 260 Tage lang freuen, bis es endlich los geht. Damit sind die Rückenschmerzen gleich gar nicht mehr so schlimm ...


Donnerstag, 16. Januar 2020

Münchhausen lässt grüssen

Wir hatten es ja seit langem vermutet. Nun haben wir den Beweis.

Im Jahr 2016 hat Rosalies Mann seine Firma aufgelöst. Der angebliche Grund war damals der hohe Arbeitsaufwand und sein gesundheitlich schlechter Zustand. Dass das Unsinn war, wussten wir schon damals. Der eigentliche Grund war, dass er weniger Alimente zahlen und die Gelder seiner Firma verschwinden lassen wollte.

Rosalie hat immer gesagt, dass der Kerl, sobald die Scheidung durch ist, die Firma reaktivieren wird.

Während der letzten Monate faselte er immer etwas von seinem "neuen Leben", das er endlich anfangen wolle. Dann drängelte er nach dem Gerichtstermin, um nochmals 10 Tage zu gewinnen, indem man auf die Einsprachefrist verzichten sollte.

Gestern habe ich den Beweis im Netz gefunden: Am 20. Dezember (also genau dem Tag der Rechtskraft des Urteils!!) hat er seine neue Firma eintragen lassen! Was für ein Mistkerl! Noch in der Verhandlung hat er dem Richter ins Gesicht gelogen, dass er seinen jetzigen Job nicht aufgeben werde. Der Grund ist klar: Alimente sparen. Es geht immer nur ums Geld.

Nun haben wir also erneut die Gewissheit, dass alles, aber auch alles, was er in den letzten Jahren gesagt hat, gelogen war. Sein angeblicher Gesundheitszustand - gelogen. Die Aussage vor Gericht - gelogen. Dass er kein Geld und seine alte Firma Schulden habe - gelogen. Die eigenen Kinder mit falschen Schriftsätzen - belogen. Das Finanzamt - belogen (inkl. Anzeige bei der Staatsanwaltschaft). Und nicht zuletzt belügt er derzeit vermutlich auch seinen Arbeitgeber, denn der verbietet solche Nebentätigkeiten wegen möglicher Interessenkonflikte. Natürlich wird er den Job kündigen oder hat es bereits getan - das war ja von Beginn an das Ziel. Und nur deswegen war er so sauer, dass es so lange dauerte bis zur Scheidung und er in seinem aktuellen Job mit dem "mickrigen" Gehalt ausharren musste.

Rosalie kann wirklich froh sein, wenn sie mit diesem Lügenbaron nichts mehr zu tun hat. Wie man sich so verhalten kann gegenüber der Frau, mit der man zwei Kinder gross gezogen hat, ist unbegreiflich.


Dienstag, 31. Dezember 2019

Best of mit Herrn B.

Vor einigen Wochen gab ich im Radio ein kurzes Interview zum 30. Jahrestag des Mauerfalls. Gestern Nachmittag erhielt ich ein Mail von Bekannten mit dem Hinweis, dass dieses Interview gestern erneut gesendet wurde. Anlass war das Thema "Bewegende Radio-Momente 2019".

Ich war etwas überrascht, dass es ausgerechnet mein Beitrag in diese Auswahl geschafft hat, aber offenbar ist das Interesse an dieser bewegenden Zeit damals im Jahr 1989 immer noch gross hier in der Schweiz. Und, ganz ehrlich - solche Augenblicke erlebt man eben auch nicht alle Tage und entsprechend emotional bin ich wohl rüber gekommen in diesen rund vier Minuten. Und es gibt zwar viele Deutsche hier, aber sicherlich nicht sooo viele, die von solchen Erlebnissen berichten könnten.

Daher war es für den Sender wohl ein Glücksfall und für mich schön, meine Erinnerungen mal der ganzen deutschsprachigen Schweiz erzählen zu können. :-)

Nun schauen wir mal, was 2020 bringt. Wir lesen uns im nächsten Jahr. Bis bald!

Donnerstag, 19. Dezember 2019

Das war 2019

Noch ist das Jahr nicht ganz vorbei, aber es ist Zeit für einen kleinen Blick zurück.

Die Jahres-Horoskope waren sich einig, und sie sollten Recht behalten - dieses 2019 war ein schwieriges Jahr: ein Todesfall, unglaublich viel Ärger, verschwendete Zeit und verlorenes Geld auf verschiedenen "Schlachtfeldern", drei tote Katzen, Reorg, ein ausgefallener Urlaub, Sorgen um meinen Vater.

Im Horoskop stand auch, dass es zum Ende des Jahres besser werden würde, und tatsächlich haben sich einige schwierige Probleme gelöst. Allen voran natürlich die Scheidung, das war über Jahre die grösste Last. Wenn alles nach Plan läuft, ist Rosalie in weniger als vier Wochen geschieden und kann ihren alten Namen wieder annehmen. Ein wenig holprig wird es vielleicht noch werden, wenn der Ex sich mit der Zahlung der vereinbarten Summe ziert, aber das ist lächerlich im Vergleich zu dem, was in den letzten Jahren passiert ist.

Zur selben Zeit hat uns auch das Bundesgericht Recht gegeben, sodass auf dem Grundstück gegenüber vorläufig nicht gebaut wird. Statt gruseliger Mehrfamilienhäuser mit einem riesigen Parkplatz für 42 Autos (mitten in einem alten, geschützten Dorfkern) bleibt der Hang mit seiner Wiese und den Bäumen nun erst einmal den Schafen vorbehalten.

Nicht besser geht es meinem Vater. Er laboriert nun bald seit einem Jahr an den akuten Hautproblemen der Füsse. Niemand findet die Ursache, niemand kann ihm helfen. Es ist ein Jammer und er wirkt am Telefon teilweise verzweifelt und mutlos - völlig verständlich nach der langen Zeit. Und ich weiss leider auch nicht, wie ich ihm helfen kann.

Hoffnung gibt es für den ausgefallenen Urlaub. Wir möchten ihn unbedingt im nächsten Jahr nachholen, darauf freue ich mich jetzt schon und habe bereits mal eine grobe Planung inklusive der möglichen Hotels gemacht. Der nächste Herbst kommt bestimmt.

Ich hab nun erst einmal eine Woche frei, muss dann aber an Silvester arbeiten. Man gönnt sich ja sonst nichts. Als kleines Trostpflaster wartet allerdings der neue, höhenverstellbare Tisch im Büro auf mich, sodass ich endlich richtig sitzen (und auch mal stehen) kann. Ein "Geschenk" des Hauses, das möglich wurde, weil unser Team geschrumpft ist und wir noch jede Menge finanzielle Mittel zur Verfügung hatten. Ich hätte mir sogar die Überstunden auszahlen lassen können, aber da war mir die Freizeit dann doch lieber, zumal sich vor allem das Finanzamt gefreut hätte.

Nun freue ich mich auf ruhige, besinnliche Weihnachten ohne Stress, und die wünsche ich allen, die hier ab und zu oder regelmässig vorbeischauen, natürlich auch!

Donnerstag, 21. November 2019

Es ist vorbei!

Ich weiss nicht, was schlimmer ist - im Gerichtssaal zu sitzen und sich die Lügen der Gegenseite anhören zu müssen, oder daheim auf den erlösenden Anruf zu warten. In diesem Fall musste ich mehr als fünf Stunden vor dem Telefon lauern, bis ich die Nachricht erhielt:

Wir haben uns geeinigt!

Zu Beginn der Verhandlung sah es wohl gar nicht gut aus. Die Fronten waren verhärtet wie erwartet und die Forderungen beider Seiten lagen so weit auseinander, dass ein Wunder nötig war, um sich irgendwo zu einigen. Rosalie war natürlich wahnsinnig nervös, als ich sie absetzte, aber ich war mir sicher, dass sie in den passenden Momenten alle Argumente parat haben würde. Schliesslich beschäftigt sie sich seit Jahren mit fast nichts Anderem mehr und kennt jede Zahl auswendig.

Und so konnte sie immer mal wieder einhaken und die Forderungen des Ex zurecht stutzen. Wenn der z. B. behauptete, man hätte damals abgemacht, dass alles, was er seit der Trennung verdient hatte, nur ihm zustehen würde (was an sich schon absurd ist), wie kann es dann sein, dass er gleichzeitig seine Schulden aus eben dieser Zeit zur Hälfte Rosalie anlasten wollte?

Kurz bevor die Verhandlung zu scheitern drohte, öffnete sich doch noch ein Weg für einen Kompromiss. Der bedeutete zwar für Rosalie, auf Einiges zu verzichten, aber gleichwohl verlangte er von ihrem Ex, mehr als doppelt so viel zahlen zu müssen wie er ursprünglich wollte.

Die Alternative wäre eine Fortsetzung des status quo gewesen mit ungewissem Ausgang, weiteren horrenden Ausgaben für die Anwälte und einer Menge verschenkter Lebenszeit. Stattdessen ist nun die Konvention unterschrieben, jeder weiss, woran er ist, und wenn alles normal läuft, sollte die Scheidung bis zum Jahresende amtlich sein.

Das sind doch gute Aussichten für einen Neustart 2020. So richtig fassen können wir es beide noch nicht und das wird auch noch ein paar Tage dauern. Am Freitag wird eine gute Freundin von Rosalie nach einer ähnlichen Schlammschlacht ebenfalls geschieden sein, und am Abend wird dann ein wenig gefeiert. Das haben sie sich sowas von verdient!

Dienstag, 19. November 2019

Es wird ernst

Nach fast sieben Jahren Trennung und drei Jahren Scheidungsklage ist es nun soweit: Morgen ist der Termin für die erst Hauptverhandlung vor Gericht!

Rosalie hat mit ihrem Anwalt ein ganz pragmatisches Papier vorbereitet, in dem alle Scheidungsfolgen geregelt werden könnten - kurz und knackig auf zwei Seiten. Sieht gut aus, hat nur einen Haken: Die Zahlen liegen Lichtjahre von dem entfernt, was der Ex zu zahlen bereit ist. Und das nicht nur, weil er der Meinung ist, es gehöre alles ihm, sondern auch, weil er behauptet, er könne nicht mehr zahlen.

Man stelle sich vor: Die Bank gibt Euch einen Kredit von 1000 Euro. Nun möchte sie ihr Geld gern zurück und ihr sagt der Bank, sie möge sich doch mit 100 Euro gefälligst zufrieden geben, denn mehr sei halt nicht mehr da. Wie wohl die Bank reagieren würde?

Ganz genauso geht es Rosalie. Der Ex gibt während der Trennung das Geld aus, als gäbe es kein Morgen, und wenn es dann ans Aufteilen geht, ist nix mehr übrig - Pech gehabt. Dass man das nicht einfach auf sich beruhen lassen kann, ist sicher verständlich, zumal es nicht nur um 1000 Euro geht.

Ich habe grosse Zweifel, dass es beim Termin morgen auch nur einen Zentimeter vorwärts geht, sofern der Richter nicht einschreitet. Aber der ist leider eine Pfeife und wird sich heraushalten in der Hoffnung, die beiden Parteien kommen zu einer Einigung ohne sein Zutun. Und so braucht es ein kleines Wunder, damit wir morgen Abend aufatmen können.

Ich werde berichten.

Mittwoch, 13. November 2019

Moderator gerettet

Was macht ein Radio-Moderator, wenn er die Zuhörer bittet, zu einem Thema anzurufen, und niemand meldet sich?

Er hat entweder einen Plan B und irgendwelche aufgezeichneten Gespräche, oder er muss improvisieren und selbst etwas zum Thema beisteuern. Oder er hat mich. ;-)

Letzte Woche gab es am Abend eine Sendung, bei der es genau zu so einer Situation kam. Es ging ums Küssen, dazu kann ich natürlich viiiiel sagen. Doch offenbar war das Thema für viele zu intim und es rief einfach niemand an. Also schrieb ich kurz ein Mail an den mir bereits bekannten Moderator, dass ich etwas beisteuern könnte.

Und nur zwei Minuten später erschien schon die Antwort auf meinem Handy: "Rettest Du mich?" Natürlich tat ich das, wir plauderten daraufhin zwei, drei Minuten im Radio, und das animierte dann wohl ein paar andere Nachtschwärmer, die gerade zuhörten, sodass die Sendung noch ein wenig ins Rollen kam.

Das war nun schon mein dritter Live-Beitrag im Radio in diesem Monat. Vielleicht habe ich ja den Beruf verfehlt? Schon zu Schulzeiten war ich immer die "Rampensau" und wurde von den Mitschülern nach vorn geschoben, wenn es darum ging, etwas vor Publikum vorzutragen. Mir hat das immer Spass gemacht, aber inzwischen gibt es kaum noch Gelegenheiten dafür. Und als ITler arbeitet man ja vorzugsweise im stillen Kämmerlein. ;-)

Montag, 11. November 2019

Kinder als Spielball

Rosalie hat in den Jahren der Trennung immer versucht, die Kinder so gut wie möglich aus dem Drama herauszuhalten. Das ist zwar nobel und grundsätzlich wichtig und richtig, erweist sich jetzt allerdings als Nachteil.

Denn der Ex lässt seit Monaten keine Gelegenheit aus, um die Kinder einzuspannen und mit seinem Gejammer vollzulabern. Dabei schreckt er bekanntlich auch nicht vor Straftaten zurück. So wie kürzlich, als er seinen Sohn zu einer Falschaussage vor Gericht anstiftete.

Nun hat er ein weiteres Mal die Kinder benutzt, um gegen Rosalie zu schiessen. Er hat ein Schreiben aufgesetzt mit einem Vorschlag zur Gütertrennung. Den haben beide Kinder und sogar seine Mutter unterschrieben!! Ist das zu fassen? Angeblich wären sich alle einig, dass der Vorschlag eine gute Lösung sei und Rosalie doch bitte zustimmen möge.

Nun kann man den Kindern nur bedingt einen Vorwurf machen, dass sie diesen Unsinn unterschrieben haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Ex ihnen suggeriert hat, was für ein tolles und grosszügiges Angebot er mache und dass die Kinder doch schliesslich auch eine schnelle Scheidung wollen und das der einzig richtige Weg sei. Also mögen sie doch bitte unterschreiben.

Aber mal ehrlich: Wie sollen Halbwüchsige eine hoch komplexe Güterrechtstabelle durchschauen und bewerten, noch dazu, wenn sie die Ansicht der "Gegenseite" gar nicht kennen? Der Ex hat die Kinder nur benutzt, um Druck aufzubauen und sie für sich zu gewinnen. Das ist ekelhaft und widerwärtig.

Nun ist es an Rosalie, trotz der angedachten Zurückhaltung Tacheles zu reden und den Kindern zu erklären, dass es wohl kaum fair sein kann, wenn sie für Schulden, die der Ex NACH der Trennung gemacht hat, aufkommen soll, und das bei einem Einkommen, dass in der Summe höher als das von Rosalie UND mir ist. Das ist an Arroganz nicht zu überbieten.

Es wird ein schwieriger Termin werden nächste Woche, diese Hauptverhandlung. Schon jetzt könnt Ihr gern mal anfangen, Daumen zu drücken, dass es zumindest in die richtige Richtung gehen möge, auch wenn ich an dem Tag keine Lösung erwarte. Dafür ist die Situation einfach viel zu kompliziert.

Dienstag, 5. November 2019

Historische Momente

Derzeit ist in den Schweizer Medien viel zu hören und zu lesen über den historischen 9. November des Jahre 1989. Während ich den Eindruck habe, dass die Erinnerungen daran in Deutschland kaum noch jemanden wirklich berühren, ist das Interesse hierzulande gross. Gerade gestern hatte ich ein Gespräch mit einer Kollegin, die mich bat, bei Gelegenheit mehr zu erzählen aus der Zeit mit Mauer und danach.

Und deswegen darf ich morgen auch im Schweizer Radio ein wenig davon berichten. Schliesslich war ich in Berlin mittendrin im Geschehen, und diese Tage damals vor nun schon 30 Jahren werde ich nie vergessen.

Von der Euphorie und Aufbruchstimmung dieser Zeit ist leider nichts mehr übrig. Menschen, die danach geboren wurden, haben keinen Bezug mehr dazu und empfinden es als normal, wie es ist, Ältere sind zum Teil aus den verschiedensten Gründen desillusioniert und enttäuscht.

Ich hab es immer als Chance empfunden und bin noch heute dankbar, dass es so gekommen ist. Wer die Geschichte hinter der Geschichte genauer kennt (ich empfehle den Dok-Film "Schabowskis Zettel"), der weiss, dass damals alles auf Messers Schneide stand und dramatisch hätte ausgehen können.

Und so werde ich am Samstag mit Rosalie auf diesen Tag vor 30 Jahren anstossen. Zum Wohl!

Dienstag, 1. Oktober 2019

Was wissen die Sterne?

Zm Jahresende liest Rosalie regelmässig das Jahreshoroskop für die kommenden 12 Monate. Das letzte für das laufende Jahr sah gar nicht gut aus. Und es scheint sich zu bestätigen, leider.

Rosalie hat bereits einen Menschen verloren, dem sie sehr nahe stand. Wir haben den Tod von drei Katzen zu beklagen. Mein Job sieht unsicheren Zeiten entgegen. Im November findet die erste Hauptverhandlung zum Scheidungsverfahren bei Rosalie statt, auch dort ist alles möglich.

Reicht noch nicht? Seit gestern kann unser Henry nicht mehr laufen, sein linkes hinteres Bein scheint zu schmerzen, er kann es nicht benutzen. Nun schläft er den ganzen Tag auf dem Sofa, frisst und säuft kaum. Wir müssen mit ihm heute Morgen zum Tierarzt. Wer weiss, wie schlimm es ist.

Reicht immer noch nicht? Gestern Abend auf dem Heimweg ist mir ein Obertrottel ins Auto gefahren. Kennt Ihr das, wenn Ihr hilflos eine Katastrophe herannahen seht und nichts mehr tun könnt? Ich stand im Rückstau vor einem Kreisverkehr. Mit einem Auge im Rückspiegel wunderte ich mich noch, dass das Auto hinter mir viel zu schnell war für die Entfernung. Dann sah ich, dass der Fahrer gar nicht nach vorn, sondern zur Seite schaute. Eine halbe Sekunde hatte ich noch, um zu überlegen, ob ich etwas tun könnte, aber vor mir stand ein Auto, das Lösen der Bremse wäre also keine ... Und dann knallte es auch schon.

Natürlich sprach der Portugiese im anderen Wagen kein Wort deutsch und ich kein Wort französisch. Ich meinte nur, ich würde die Polizei anrufen, das wollte er auf keinen Fall. Warum eigentlich? Zum Glück war Rosalie ganz in der Nähe und kam nach meinem Anruf schnell zu mir. Der Typ diskutierte munter weiter, meinte doch tatsächlich, ICH sei unaufmerksam gewesen und deswegen sei ER aufgefahren. Diese Kausalkette ist ja nun völlig lächerlich, aber es gibt keine Zeugen, und so war ich sehr unsicher, wie ich vorgehen sollte, obwohl die Situation ja eindeutig war.

Rosalie rief also den Notruf, doch dort wiegelte man ab. Wenn es keine Verletzten gebe, lohne ein Einsatz nicht. Wir sollten doch den europäischen Unfallbogen ausfüllen und der Versicherung einreichen.

Nach einigem Hin und Her haben wir das dann auch zum Unwillen des Unfallgegners getan. Wir haben noch zahlreiche Fotos, auch von seinen Personendokumenten, gemacht, und nach etwa 45 Minuten ist der Idiot dann mit quietschenden Reifen davon gebraust ...

Sein Schaden sah zumindest deutlich schlimmer aus als meiner. Allerdings ist die ganze Heckschürze bei mir, die ja heutzutage nur noch aus Plastik besteht, hinüber und wird ersetzt werden müssen. Auch die Einparkhilfe funktioniert nicht mehr. Schöner Schei*, und vorbei ist es mit einem unfallfreien Auto, was den Wiederverkaufswert auch massiv reduzieren dürfte.

Ich hätte mich halb so viel geärgert, wenn der Kerl wenigstens einsichtig gewesen und sich entschuldigt hätte. Aber kein Wort davon, er diskutierte und diskutierte mit Rosalie, dabei gab es gar nichts zu diskutieren.

Ich hab den Schaden nun online der Versicherung gemeldet und kann nur beten, dass alles bezahlt wird und nicht noch ein Gericht beteiligt werden muss. Hatte ich alles schon, obwohl auch damals die Situation eindeutig war: Ich hatte grün und der Gegner rot, und trotzdem war er der Meinung, im Recht zu sein ...

Es gibt leider nichts, was es nicht gibt. Und mir reicht es jetzt! Drückt bitte die Daumen, dass Henry keine ernsthaften Verletzungen hat. Rosalie bringt ihn nachher zum Tierarzt und wird ihn dort lassen. Und wenn nötig, werde ich ihn dann abholen, sobald ich das Büro verlassen kann. Momentan bin ich noch allein hier und komme nicht weg ...

Es ist ein verflixtes Jahr.

Mittwoch, 11. September 2019

Hüh und Hott

Kennt Ihr den Spruch "Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand"? Ich hab ihn von Rosalies Anwalt mehrmals gehört, und offenbar ist wirklich etwas dran, denn bei dem Richter weiss man nie, woran man ist.

Vor einigen Wochen hatte er vorgeschlagen, dass man das Scheidungsverfahren sistieren müsse, da aufgrund seiner Anzeige des Ex beim Staatsanwalt wegen Betruges eine Bewertung des Vermögens nicht möglich sei und somit die Scheidung nicht vollzogen werden könne.

Nun kommt gestern ein Schreiben von eben diesem Richter, in dem er die gegenteilige Meinung vertritt und demnächst zur Hauptverhandlung einladen wird. Und man muss sich fragen, woher dieser Sinneswandel kommt? Hat er mit dem gegnerischen Anwalt ein Bier getrunken, sind die Frauen im selben Tennisverein oder was ist da los?

Nun wird es also wohl doch noch etwas mit der Scheidung - zumindest auf dem Papier. Das heisst, vermutlich wird bei der Verhandlung der so genannte Scheidungspunkt definiert, sodass die Ehe geschieden ist, aber die Folgen erst zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt werden können.

Das sollte dem Ex ja gefallen, schliesslich drängt er schon seit Jahren darauf, endlich sein neues Leben beginnen zu können - was immer er darunter versteht, denn Rosalie und ich haben das neue Leben schon längst begonnen. Vielleicht möchte er auch nur das Geld, das verschwunden ist, endlich ausgeben können. Wer weiss.

Es könnte also ein heisser Herbst werden.

Dienstag, 3. September 2019

Betrunkene und Kinder

Es fällt noch schwer, wieder in den Alltag hineinzufinden nach dem Verlust am Sonntag. Auch wenn noch andere Katzen im Haus sind, fehlt die eine momentan ganz besonders. Und man fragt sich, warum das geschehen musste? Meine "alte" Freundin E., die ja einen Draht fürs Spirituelle hat, schrieb Rosalie gestern, dass der Kater seine Aufgabe auf der Erde erfüllt hätte und sich ganz bewusst an diesem Sonntagmorgen das eine Auto direkt vor dem Haus ausgesucht hätte, damit wir wissen, was aus ihm geworden ist und die liebevolle Ausstrahlung noch eine Weile spüren können. Ein schöner Ansatz, wenn man denn daran glauben möchte.

Am Freitag hatte mein Arbeits-Team ein kleines Abschiedsfest organisiert. Das war richtig schön. Ich hatte zwar frei, bin aber trotzdem am Abend in die Stadt gefahren, und es hat sich gelohnt. Es war ein nettes Lokal, wir konnten draussen im Garten sitzen und es gab leckeres Essen. Auch wenn ich nicht so viel Wein trinken konnte, habe ich mich gut unterhalten. Und mein ehemaliger Chef, der ja auch einen neuen Posten übernommen hat, hielt eine recht wehmütige Rede. Ich hab den Eindruck, dass er die alten Zeiten vermisst und in seinem neuen Job momentan aufgrund des Durcheinanders, das dort herrscht, gar nicht zufrieden ist. Es scheint, als könnte ich froh sein, dass meine Bewerbungen da nicht funktioniert haben.

Als ich  mich gegen 22.30 Uhr verabschiedete, war er schon recht alkoholisiert. Man sagt ja, dass Betrunkene und Kinder die Wahrheit sagen. Wenn er mich also zum Abschied umarmt hat, mir sagte, dass ich die beste Neueinstellung in seiner Zeit als Chef gewesen sei und noch ein wenig durchhalten müsse, denn in Kürze würden ein paar Stellen frei werden, und ich solle doch auf  keinen Fall kündigen, dann mag er wohl die Wahrheit gesagt haben. Das hat mich ein wenig überrascht und schmeichelte mir natürlich. Erst recht, als ein weitere Kollege dann auch noch ins selbe Horn stiess und ein paar Mal wiederholte: "Bitte, geh nicht!". So viel Emotion hatte ich an diesem Abend gar nicht erwartet, aber es hat gut getan.

Konkrete Pläne für einen Wechsel habe ich bisher ja nicht, aber bei Rosalie im Amt gäbe es ein paar Stellen, die einen Versuch womöglich wert wären. Ich muss mir nun überlegen, ob ich das will ...


Montag, 29. Juli 2019

Vergangenheit ganz nah

Das war seltsam heute Morgen. Bis zum Abitur musste ich jeden Samstag zur Schule. Also aufstehen kurz nach sechs Uhr, leise sein, um die Eltern nicht zu wecken, müde in eine leere Strassenbahn steigen, endlich zurück gegen halb zwei und ins kurze Wochenende starten. Kennt Ihr das auch noch?

Daran musste ich vorhin denken, denn die Kinder haben Ferien und Rosalie schon Urlaub, sodass ich der Einzige war, der sich "mitten in der Nacht" aus dem Bett quälen und zur Arbeit gehen musste. Zum Glück bleibt das nur bis Mittwoch so. Am Donnerstag ist hier Nationalfeiertag, danach beginnt dann endlich auch mein Urlaub.

Aber das wollte ich eigentlich gar nicht schreiben. Wir haben gestern die letzte Folge der aktuellen Staffel von "This is us" angeschaut (Achtung Spoiler!). Der Titel 'Das sind wir' passt hier wirklich gut, denn u. a. geht es ja um eine Frühgeburt. Und die Daten des kleinen Jack sind fast exakt wie bei meinem Sohn: 12 Wochen zu früh, Gewicht 2,5 Pfund. Meiner war lediglich noch 100 Gramm leichter. Zur Grösse wird da zwar nichts gesagt, aber das sollte auch in etwa hinkommen.

Und wenn ich die Bilder so sehe, erinnere ich mich nur zu gut an die Zeit: Ängste, Sorgen, wenig Schlaf. Tag und Nacht verbrachte man fast ohne Pause am Inkubator. Ganze acht Wochen dauerte es, bis wir unseren Knirps mit nach Hause nehmen durften. Im Film läuft bisher ja alles bestens, bei uns, und das ist typisch für Frühchen, gab es mehrere schwierige Situationen, in denen das Leben des Babys am seidenen Faden hing.

Mein Sohn ist ein Kämpfer und hat diese Phasen ohne bleibende Schäden überstanden. Was für ein Glück! Man darf gespannt sein, ob das in der nächsten Staffel auch für die Filmeltern so gut laufen wird.

Freitag, 26. Juli 2019

Die riesige Spitze des Eisbergs

Am Mittwoch kam der Abschlussbericht des Steuerbüros bei uns an, in dem es darum gehen sollte, die Buchhaltung von Rosalies Ex zu prüfen. Aufgrund der unverschämten und völlig überflüssigen Honorarforderungen des Prüfers hat Rosalie das Manöver ja vorzeitig beendet, aber trotzdem konnte sich der Experte der Firma einen ersten Überblick verschaffen und berichtet, dass er "starke Zweifel" an der Rechtmässigkeit zahlreicher Buchungen hat.

Beispielhaft führt er in einer längst nicht abschliessenden Aufzählung so "lustige Buchungen" wie Ferienreisen (aka "Firmenausflüge"), private Fahrräder, Gartenpflege, Unterwäsche, Schiffsunterhalt auf - natürlich alles Dinge, die zwingend in eine Firmenbuchhaltung gehören. ;-)

Mit dieser Liste sollte es auch dem letzten Laien auffallen, dass der Ex betrügt, wo es nur geht. Nur er selbst (und vermutlich sein schlechter Anwalt auch) hält starrköpfig an seinem Glauben fest, das alles würde ihm so zustehen. Wie er das dann der Staatsanwaltschaft, bei der dieser Fall nun liegt, erklären möchte, darf man gespannt abwarten.

Ärgerlich ist nur, dass damit auch Rosalies Geld dahin geht ...

Eingreifen können wir jetzt nicht mehr, sondern nur warten. Und das kann Monate oder Jahre dauern. Aber bei der momentanen Hitze bewegt man sich sowieso am besten gar nicht mehr und döst lieber vor sich hin.

Donnerstag, 25. Juli 2019

Strange

TV-Serien sind die neuen Hollywood-Filme? Das stimmt zum Teil sicherlich, denn bei der Vielzahl der Formate, die auch dank der Streaming-Anbieter den Markt überschwemmen, sind auch viele gute Produktionen dabei. Man muss sie nur finden.

"This is us" wurde mir bei einem früheren Post zu diesem Thema empfohlen, und wir sind inzwischen auf dem aktuellen Stand. Das war ein guter Tipp!

Es gibt aber auch Serien, die ich mir allein anschaue, weil sie für Rosalie zu düster sind. Dazu gehörte bis vor ein paar Tagen zum Beispiel "Bates Motel", eine Reihe, die ich mal angefangen hatte und nun endlich zu Ende geschaut habe. Hier wird vor der Kulisse des Originals "Psycho" eine sehr ähnliche Geschichte von Norman Bates und seiner Mutter erzählt - allerdings mit anderem Ausgang. Bermerkenswert fand ich, dass Rihanna in zwei Folgen einen Gastauftritt hatte, was durchaus einmal mehr zeigt, welche Beliebtheit Serien heutzutage haben.

Nun habe ich mit der dritten Staffel von "Stranger Things" begonnen. Diese schräge Mischung diverser Genres ist schon etwas Besonderes, wenn man sich denn darauf einlassen möchte. Mir gefällt besonders die Musik der 80er Jahre und natürlich das ganze Look and Feel aus dieser Zeit. Ich war damals etwa genauso alt wie die Kids in der Serie. Und so muss ich immer wieder mal schmunzeln, wenn ein Walkmen zu sehen ist oder die Frauen mit den heissen Dauerwellenfrisuren herum laufen.

Das Horror-Element spielte in den bisherigen Staffeln kaum eine Rolle, dafür geht es jetzt mal ein bisschen "zur Sache". Gefällt vermutlich nicht jedem, aber ich hab Spass beim Anschauen. Leider sind es wieder nur acht Folgen bis zum Staffelfinale. Früher war man da mit wöchtentlichen Folgen zwei Monate beschäftigt, heute kann man das in wenigen Tagen wegschauen. Das ist einerseits cool, andererseits verdirbt es einem auch etwas den Spass, wenn man sich beim Cliffhanger nicht mehr die Haare raufen muss, weil man wieder eine Woche warten muss, sondern einfach mit der Fernbedienung zur nächsten Folge springen kann.

Und so muss man dann schon bald wieder ein Jahr auf die nächste Staffel warten ...

Donnerstag, 18. Juli 2019

Die ganze Welt auf dem Notebook

Was für unsere Kinder ganz normal erscheint, ist für mich immer noch ein kleines Wunder: das Internet! Eine schier unerschöpfliche Quelle des Wissens, Mittel gegen Langeweile, virtueller Treffpunkt.

Ich bin in dem einen oder anderen technischen Forum aktiv, und hier zeigt sich in bester Weise, was Globalisierung bedeuten kann. Es ist schade, dass man oft nicht weiss, wo die Fragesteller herkommen, zumal hauptsächlich englisch geschrieben wird. Ich weiss aber, dass die Produkte, die in einer Community diskutiert werden, fast auf der ganzen Welt vertrieben werden, sodass ganz sicher Menschen von Canada bis Australien ihre Fragen und Probleme posten. Nur aus Neugier würde ich manchmal einfach gern wissen, wo sie zu Hause sind. Gestern habe ich durch Zufall gesehen, dass jemand aus Südafrika im Forum eine Frage gestellt hat. Und ich finde es genial, wenn dann irgend jemand auf der Welt (meist allerdings ich in diesem speziellen Forum) darauf antwortet.

Ganz ähnlich ist es ja auch mit der Blogwelt. Man "trifft" Menschen, lernt sie ein wenig kennen, begleitet sie über eine gewisse Zeit, verliert sich aus den Augen, trifft sich vielleicht wieder. Diese Blogwelt hat mir schliesslich Rosalie geschenkt. Und es ist auch schön, wenn man nach Jahren wieder von Menschen liest, die (zumindest im Netz) verschwunden waren, wie es gestern bei der Hoffenden der Fall war.

Es ist toll, dass es das Internet gibt, nicht nur zum schnellen Einkaufen oder zum Lesen der News. Und ich hoffe, dass es ein freies Medium bleibt, und political correctness und Kontrollwahn es nicht irgendwann kaputt machen.

Mittwoch, 10. Juli 2019

Was nun?

Auf Arbeit weiss niemand, wie es weiter geht. Das Einzige, was deutlich zu erkennen ist: Chaos. Am Montag hatten wir unseren Team-Abschiedsabend. Wir haben quasi die Klassenkasse geplündert und waren nett essen. Das war gut. Auf Grund der Reorg wird es uns in Kürze in dieser Form nicht mehr geben. Einige sind schon weg, weitere werden folgen. Diejenigen, die im neuen Kader Jobs bekommen haben, stöhnen, weil es derzeit noch nicht einmal ein Büro für sie gibt! Was für eine peinliche Vorstellung. Darüber hinaus war man wohl der Meinung, erst mal Kaderstellen zu schaffen und sich erst danach zu überlegen, wie die Verantwortlichkeiten aussehen werden. So nervt sich mein ehemaliger Chef, dass er mit Dingen bombardiert wird, für die er seiner Meinung nach gar nicht zuständig wäre ...

Das Gute ist: Das bleibt mir erspart. Aber es ist völlig offen, was aus mir hier werden wird. Die Zwischenzeugnisse sind wohl so gut wie fertig. Wenn ich meines in der Hand habe, werde ich mich mal "draussen" umsehen. Vielleicht bietet sich irgendwo eine neue Chance, bevor ich hier verheizt werde.

Stillstand auch bei Rosalies Scheidung. Der Richter muss aktuell entscheiden, ob das ganze Verfahren bis zur Klärung durch die Staatsanwaltschaft ausgesetzt wird oder nicht. Ihr Ex ist natürlich dagegen, wir dafür - denn ohne den Vermögenswert von ihm zu kennen, macht eine Scheidungsverhandlung wenig Sinn. Ob es dazu vor den Gerichtsferien noch etwas zu lesen geben wird, muss man abwarten.

Gestern Abend haben wir unter Tränen unser Weisspfötchen beerdigt. Abgesehen von der traurigen Situation war es ziemlich unangenehm, denn der Geruch des Kadavers war schon ziemlich stark, selbst durch die Masken, die wir dabei trugen. Nun hat der arme kleine Kobold seine letzte Ruhe dort gefunden, wo er in den letzten Monaten so gern gewesen ist - bei uns im Garten. Es fehlt nur noch ein schöner Stein mit seinem Namen. Die Stimmung und das Verhalten der Katzen sind immer noch spürbar verändert. Ich bin gespannt, ob das so bleiben wird oder sich wieder "normalisiert". Jedenfalls wird der Futterverbrauch nun deutlich zurück gehen ohne den süssen Racker ...

Noch gut ein Monat, dann wird mein Papa uns besuchen. Der Gedanke, dass dies mit ziemlicher Sicherheit das letzte Mal sein wird, macht mich auch nachdenklich. Auf der anderen Seite bin ich froh, dass es ihn noch gibt. Schliesslich wird er schon 79, ein Alter, das Rosalies Vater längst nicht erreicht hat. Wir werden ihm hier in der Schweiz noch drei schöne Tage bereiten, an die er sich dann noch lange erinnern kann.

Donnerstag, 4. Juli 2019

Schaulaufen

Heute ist es wieder soweit: Nachdem vor zwei Jahren Rosalies Sohn an der Reihe war, ist heute für ihre Tochter der grosse Tag. Das Ende der regulären Schulzeit wird mit einem grossen Schaulaufen beendet.

Auf diesem Tag warten auch die Autovermietungen, denn sämtliche Stretch-Limousinen der Umgebung sind im Einsatz, um die jungen Erwachsenen zu ihrer feierlichen Zeugnis-Übergabe zu chauffieren. Aus Mädchen werden junge Frauen, die in den letzten Monaten schwer damit beschäftigt waren, das richtige Outfit für diesen Tag zu beschaffen, und Jungs stehen als Männer mit Anzügen herum, in denen sie zum Teil noch etwas verloren wirken.

Das Kleid für Rosalies Tochter haben wir in Berlin gekauft. Rot, lang, sehr fraulich. Dazu schicke Schuhe und die passende Handtasche. Es dürfte ein gelungener Auftritt werden. Das einzige Ärgernis ist die Anwesenheit von Rosalies Ex, der wir natürlich nicht aus dem Weg gehen können. Aber der Saal ist gross genug, sodass wir zumindest einen gewissen Sicherheitsabstand halten werden.

Mein Sohn wird heute schon 22 Jahre alt. Gerade gestern bin ich auf Arbeit an einem Frühchen im Inkubator vorbei gelaufen. Es dürfte in etwa so klein gewesen sein wie mein Sohn damals im Juli 1997. Zum Glück ist alles gut gegangen, er ist gesund und geht seinen Weg. Happy Birthday!

Dienstag, 2. Juli 2019

Schreibt doch ein Buch!

Wenn wir jemandem von den Ereignissen der letzten sechs Jahre erzählen, hören wir immer wieder, dass wir gut und gern ein Buch schreiben könnten und sollten. In der Tat hätten wir jede Menge Stoff dafür und müssten uns gar nichts ausdenken: Unser Kennenlernen im Blog, die erste Begegnung in der Schweiz, unsere Krise ein paar Wochen später, das Wiedersehen, meine leidige Jobsuche und die Pendelei, der Hauskauf, die Mängel und die Klage gegen die Verkäufer, die Mietnomadin, die Klage gegen die Spekulanten auf der anderen Strassenseite, und  nicht zu vergessen die unendliche Geschichte der Scheidung bei Rosalie.

Aber so ein Buch ist eben etwas Anderes als ein paar Posts im Internet. Es braucht Struktur, einen erkennbaren Faden, einen Spannungsbogen. Bücher gibt es viele, gut sind aber längst nicht alle. Und ein Buch, das niemand liest, muss man eigentlich auch nicht schreiben.

Ausserdem braucht es viel Zeit, und die ist derzeit auch noch Mangelware. In den letzten Wochen ist es zwar ein wenig ruhiger geworden, doch die Baustellen haben wohl nur Sommerpause und es ist längst nicht ausgestanden. Früher oder später werden wir uns damit wieder beschäftigen müssen.

Aber wer weiss - wenn das alles überstanden ist, können wir ja mal über das Projekt nachdenken. Mit der guten Mischung von Rosalies Perfektion und meinem pragmatischen Ansatz ist alles möglich.

Mittwoch, 5. Juni 2019

Kein Monopoly

Wer das Spiel kennnt, hat sich bestimmt auch schon über die Karte "Du kommst aus dem Gefängnis frei" gefreut. Womöglich würde die Rosalies Ex auch bald von Nutzen sein ...

Nachdem Rosalie dem Gericht schon im vorletzten Jahr eine lange Liste mit Beweisen zur Verfügung gestellt hat, in denen die Mauscheleien des Ex offenkundig wurden, hat der Richter sich bekanntlich bisher beharrlich geweigert, diese Beweise zur Kenntnis zu nehmen. Nun, nachdem Rosalie nicht mehr bereit ist, weitere Summen an einen vom Gericht beauftragten Gutachter zu zahlen, damit der sich mit den Zahlen beschäftigt, ist dem Richter, wohl gemerkt 1,5 Jahre nach Erhalt der Unterlagen, aufgefallen, dass diese Beweise ein deutliches Indiz für Steuerhinterziehung seien könnten, und er hat Anzeige beim Staatsanwalt erstattet. Ein "kluger" Schachzug vom Richter, denn damit muss er sich wieder nicht selbst mit den Unterlagen auseinander setzen, sondern verschiebt diese Aufgabe erneut, und ausserdem wird das Scheidungsverfahren damit nochmals für Monate oder Jahre blockiert.

Rosalie hat ihrem Ex schon damals gesagt, dass er froh sein kann, wenn der Richter die vorliegenden Zahlen nicht an die Steuerbehörde leitet. Nun ist es aber doch passiert, wenn auch nur wegen Unfähigkeit des Richters! Doch der Ex, offenbar völlig von der Realität abgekoppelt, lacht nur und meint, er werde jetzt mal in Ruhe abwarten und sich "der Herausforderung stellen". Wie bitte? Es geht um Geld-Beträge, für die ich 20 Jahre lang arbeiten muss. Wenn die Staatsanwaltschaft sich Mühe gibt und zudem noch wiederholte und vorsätzliche Betrügereien beweisen kann, landet der Mann im schlimmsten Fall hinter Gittern, im besten Fall ist er Haus, Hof und Auto los und kann sein restliches Leben in einer Zwei-Zimmer-Wohnung fristen. Wer absolut jedes familiäre Mittagessen am Sonntag (!) auf der Ski-Piste als Geschäftsessen abbucht, Urlaub in Amerika mit neuer Partnerin und drei Kindern als Firmenausflug angibt und sogar Geburtstagsgeschenke oder neue Fahrräder über die Firma abrechnet (und damit einerseits sein eigentliches Einkommen verschleiert und andererseits das Firmenkapital vernichtet, um Rosalie nichts abgeben zu müssen), der sollte über jeden Tag froh sein, an dem man ihm nicht auf die Schliche kommt.

Und er lacht nur darüber?

Rosalie wird einen allerletzten Versuch starten, ihn zur Vernunft zu bringen, indem man die möglichen Szenarien aufzeigt und die Strafen, die nun drohen. Es ist die vermutlich letzte Gelegenheit, um noch etwas vom Vermögen für die Kinder zu retten, bevor alles den Bach hinunter geht. Gestern haben auf Rosalies Drängen auch die Anwälte mal telefoniert. Man ist sich einig, dass ein Strafverfahren schnell mal fünf Jahre dauern kann. In dieser Zeit wäre die Scheidung ausgesetzt und würde damit am Sankt-Nimmerleins-Tag durchgeführt. Der gegnerische Anwalt erwähnte auch, dass er seinem Mandanten angeblich schon mehrfach geraten habe, sich doch finanziell etwas zu mässigen, um seinen Verpflichtungen nachkommen zu können. Aber er ignoriert das, denn ihm ist offenbar persönlicher Luxus viel wichtiger als die (richterlich angeordnete) Unterstützung seiner Familie.

Es hätte nie soweit kommen müssen, wenn der Ex damals, als die Zahlen auf dem Tisch lagen, vernünftig gewesen wäre, seine Verfehlung eingestanden und ein faires Angebot gemacht hätte. Stattdessen streitet er bis heute, obwohl alle Beweise vorhanden sind, sämtliche Zahlen ab und behauptet stets, es wäre alles in Ordnung, man könne ihm nichts anhaben und ausserdem würde Rosalie nichts davon zustehen.

Wenn er, wovon ich leider ausgehe, auch auf den neuerlichen Vorschlag von Rosalie nicht eingeht, liegt sein Schicksal allein in den Händen des Staatsanwaltes. Dann gnade ihm Gott ...