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Dienstag, 10. Dezember 2019

Keine besonderen Vorkommnisse

Ist das nicht schön? Es gibt Tage, an denen es nichts zu berichten gibt. Ein Vorgeschmack aufs nächste Jahr, hoffe ich.

Die letzten Monate oder gar Jahre waren sehr bewegt, da wird es nun Zeit für ein wenig "Langeweile", also ganz normalen Alltag ohne tägliche Katastrophenmeldungen. Keine Sorgen um die Katzen, kein Scheidungshorror, und im Büro ist es derzeit auch ruhig.

Nun gut, die Reorg steht immer noch an, und was uns da erwartet, ist völlig offen. Aber es macht keinen Sinn, jetzt in Panik zu verfallen, solange alles möglich ist. Im besten Fall bekommen wir einen neuen Chef und ansonsten ändert sich gar nichts. Ich hätte allerdings auch nichts dagegen, wenn der Chef hier bleibt, denn mit dem habe ich leichtes Spiel. Letzte Woche hatten wir das Mitarbeiter-Jahresgespräch. Eine skurrile Situation, wenn einem ein junger Mann gegenüber sitzt, der nicht mal halb so alt ist und einem erzählen will, was man tun oder nicht tun soll. Immerhin hat er meine Kernkompetenzen richtig eingeschätzt und mir ein perfektes Zeugnis ausgestellt (das allerdings keinen Wert hat, weil es keine Auswirkungen mit sich bringt). So haben wir uns also nett unterhalten und sind nach weniger als dreissig Minuten wieder auseinander gegangen.

Die letzten Wochen im neuen Jahr lasse ich dann auch ruhig angehen. Ich muss noch jede Menge Stunden abbauen und nehme immer mal einen Tag zwischendurch frei. So auch morgen wieder und am Freitag. Daran könnte ich mich glatt gewöhnen.

Lediglich die Bauarbeiten daheim laufen noch etwas unrund, aber auch da zeichnet sich nun für die meisten Probleme eine Lösung ab und ich hoffe, dass das Haus am Schluss noch steht und alle Anschlüsse dort sind, wo sie hingehören. Bis auf die Telefonleitung, da sich der Provider standhaft weigert, die 35 Meter unterirdisch in die gerade installierten Kanäle zu verlegen. Dann bleibt die "Wäscheleine" über der Strasse eben da, hat ja auch was Romantisches ...


Donnerstag, 14. November 2019

Desillusioniert

Vor ein paar Monaten rollte eine Welle von Stellenausschreibungen durchs Haus, und wie viele andere war auch ich ziemlich euphorisch und bewarb mich auf drei Stellen. Leider bin ich nirgends zum Zuge gekommen. Mal warf man mir mangelnde Erfahrung vor, mal zu viel Geduld.

Letztlich war ich schon enttäuscht, immerhin hatten es zwei Kollegen von mir geschafft, eine von 42 Stellen zu ergattern.

Meine bevorzugte Stelle im Support ist bis heute nicht besetzt, und nun ist auch noch die vorgesetzte Position zu dieser Stelle vakant. Seit Tagen bearbeiten mich die Kollegen, ich möge mich doch auf diese Stelle bewerben, aber mir fehlt die Motivation.

Das hat verschiedene Gründe. Ich sehe und höre seit dem Sommer, was für ein chaotischer Laden die zentrale IT ist und was für merkwürdige "Gestalten" zum Teil dort arbeiten. Alle sind mit sich selbst beschäftigt, von "Organisation" kann derzeit keine Rede sein. Dazu kommt, dass die bewusste Stelle eigentlich ein Selbstmordkommando ist. Als Leiter Support für das ganze Haus kann man eigentlich nur verlieren. Im Gegensatz zu der Stelle, auf die ich mich ursprünglich beworben hatte, hängt hier deutlich mehr Verantwortung dran, und ich bin ehrlich - dafür fehlt mir auch die Erfahrung.

Und ich muss mir die Frage stellen: Würde ich das überhaupt wollen? Was mich hier derzeit stört, ist die gewisse Unsicherheit über die Zukunft und die schlechte Bezahlung. Letzteres wäre dort natürlich deutlich besser, aber bei dem herrschenden Chaos und der Unzufriedenheit mit dem Support derzeit im ganzen Haus würde ich wohl Gefahr laufen, früher oder später mit Magengeschwür beim Arzt zu landen, denn ich bin kein Typ, den solche Probleme kalt lassen.

Und ist es mir das in meinem Alter wert? Oder pfeife ich auf die Kohle und freue mich, dass ich hier zum Feierabend den PC ausschalten und die Arbeit auch mental im Büro lassen, eine gewisse Gelassenheit und niedrigen Stresspegel geniessen kann?

Ich hab jetzt gerade einen ergonomischen Stuhl und einen Sitz-Steh-Tisch genehmigt bekommen. Vielleicht sollte ich mich damit begnügen und mein Wohlergehen in den Vordergrund stellen. Mit Geld kann man Gesundheit nicht kaufen.

Mittwoch, 13. November 2019

Moderator gerettet

Was macht ein Radio-Moderator, wenn er die Zuhörer bittet, zu einem Thema anzurufen, und niemand meldet sich?

Er hat entweder einen Plan B und irgendwelche aufgezeichneten Gespräche, oder er muss improvisieren und selbst etwas zum Thema beisteuern. Oder er hat mich. ;-)

Letzte Woche gab es am Abend eine Sendung, bei der es genau zu so einer Situation kam. Es ging ums Küssen, dazu kann ich natürlich viiiiel sagen. Doch offenbar war das Thema für viele zu intim und es rief einfach niemand an. Also schrieb ich kurz ein Mail an den mir bereits bekannten Moderator, dass ich etwas beisteuern könnte.

Und nur zwei Minuten später erschien schon die Antwort auf meinem Handy: "Rettest Du mich?" Natürlich tat ich das, wir plauderten daraufhin zwei, drei Minuten im Radio, und das animierte dann wohl ein paar andere Nachtschwärmer, die gerade zuhörten, sodass die Sendung noch ein wenig ins Rollen kam.

Das war nun schon mein dritter Live-Beitrag im Radio in diesem Monat. Vielleicht habe ich ja den Beruf verfehlt? Schon zu Schulzeiten war ich immer die "Rampensau" und wurde von den Mitschülern nach vorn geschoben, wenn es darum ging, etwas vor Publikum vorzutragen. Mir hat das immer Spass gemacht, aber inzwischen gibt es kaum noch Gelegenheiten dafür. Und als ITler arbeitet man ja vorzugsweise im stillen Kämmerlein. ;-)

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Wir sind gut

Am Montag wurde unserem IT-Team der Abschlussbericht aus der Due Diligence vorgestellt. Das Ergebnis: Wir machen einen tollen Job und unsere Kunden sind sehr zufrieden mit unserer Dienstleistung.

Nun können wir uns also alle den ganzen Tag lang gegenseitig auf die Schultern klopfen. Aber wie es weitergeht, das kann uns noch immer niemand sagen. Wir warten also weiter, wurschteln vor uns hin und schauen mal, was man mit uns vor hat. Das kann Monate dauern oder auch Jahre. Niemand hat einen Plan.

Und das ist die eigentliche Botschaft dieser Veranstaltung. Erschreckend, dass so eine grosses Unternehmen so viel Zeit damit verbringt, sich mit sich selbst zu beschäftigen, und Projekte, die man im Vorfeld gross angekündigt hat, monatelang auf der Stelle treten.

Das ist schlecht für die Firma, aber wohl gut für uns. Anstehende Änderungen können bei dieser Reorg im besten Fall wirkungslos bleiben, im schlechtesten Fall führen sie dazu, dass man sich im Job nicht mehr wohlfühlt. Daher sind diverse Leute schon gegangen und ich hoffe, dass ich nicht auch in nächster Zeit wieder intensiver mit diesem Gedanken spielen muss.

Heute habe ich immerhin das ganze Büro für mich allein, wo sonst maximal sechs Personen arbeiten. Das ist doch sehr gemütlich - sofern ich nicht für sechs Leute arbeiten muss. ;-)

Montag, 28. Oktober 2019

Fluxkompensator?

Wenn man morgens aufwacht und es plötzlich zwei Wochen später ist, dann muss ja wohl eine Zeitmaschine daran schuld sein, oder?

Nun gut, ganz so dramatisch war es vielleicht nicht, aber die Alltags-Probleme holen einen daheim natürlich schneller ein, als wenn man in Miami am Strand liegt. Dagegen kann man sich kaum wehren. Ausschlafen, ein wenig faulenzen, das geht zu Hause natürlich auch gut. Doch dann sieht man überall, was man tun müsste, dann kommt blöde Post vom Anwalt, dazu ärgerliche Anrufe, teure Rechnungen ... Das kann einem die Erholung schon erschweren.

Nicht zu vergessen der tägliche Lärm direkt vor dem Haus von halb acht bis abends um fünf, da direkt vor dem Haus die Strasse aufgerissen wird für neue Leitungen. Und als krönender Abschluss der Urlaubstage kam, was kommen musste und von Rosalie extra dem Bauunternehmen mit auf den Weg gegeben wurde: Passt auf die Quellleitung auf. Und prompt war sie am Freitag kaputt. Zum Glück nicht so stark, dass kein Wasser mehr bei uns ankommt, aber sie muss repariert werden. Doch wer kommt für den Schaden auf?

Das wird sich hoffentlich heute Morgen klären. Rosalie hat heute noch frei und wird mit den Verantwortlichen reden. Ich hoffe sehr, dass die einsichtig sind und wir nicht am Ende noch die Rechtschutzversicherung bemühen müssen. Es gibt derzeit schon genug Theater mit Anwälten und Gerichten.

Und weil so ein Adrenalinschub zum Einstieg immer gut ist, habe ich heute gleich noch einen Termin, bei dem uns der Abschlussbericht zur Untersuchung des Teams vorgestellt wird. Ich habe keine Ahnung, was wir da zu hören kriegen werden. Von "Abschaffen" bis "Weiter so" ist alles möglich.

Vielleicht sollte ich schauen, ob ich den Fluxkompensator noch einmal starten und zwei Wochen zurück reisen kann. Urlaub wäre jetzt wirklich eine feine Sache ...

Donnerstag, 26. September 2019

Mal was Positives

Ich bin wieder im Büro! Ja, das ist auch gut, und ich hoffe, dass ich den Tag durchhalte und der Rücken still bleibt.

Aber ich meinte eigentlich das Arbeitsklima hier. Vielleicht sollte es ja normal sein, aber wenn man schon auf dem Weg ins Büro und dann auch gleich vom Büro zum Pausenraum auf diverse Menschen trifft und mit freudigem Gesicht, Handschlag und ein paar netten Worten begrüsst wird, egal ob von Kollegen, medizinischem Personal oder Putzleuten, dann hinterlässt das ein gutes Gefühl.

Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass mir der Wechsel recht schwer fallen würde und ich mich noch nicht mit Nachdruck um eine andere Stelle kümmere. Wie ich gerade sehe, wird uns Ende Oktober der Abschlussbericht zur Situation im Team und der Ausblick auf das, was kommen könnte, vorgestellt. Das wird noch einmal ein wichtiger Termin, um zu überlegen, ob ich hier ausharre oder meine Fühler doch stärker ausstrecken sollte, um etwas Anderes zu finden.

Für den Moment passt es so, wie es ist, zumal kein Chef in der Nähe ist, der einen nervt, und wir eigentlich führerlos sehr zufrieden sind.

Montag, 16. September 2019

Zwei Wochen ohne Chef

Chef, Chef ... da war doch was? Ach ja - wir haben einen neuen Chef. Mit zarten 26 Jahren ein steiler Aufstieg, aber ich bin zufrieden. Er macht, was ich sage und kümmert sich um den ganzen administrativen Schei*. Er stört also nicht und redet nicht dazwischen. So stelle ich mir das vor.

Darum fällt es auch vermutlich nicht auf, wenn er jetzt zwei Wochen Ferien hat. Ich denke, wir werden hier gut klar kommen, und wenn es was zu entscheiden gäbe, können wir jederzeit darauf verweisen, dass dies nicht in unserer Kompetenz liegt und der Chef erst Anfang Oktober wieder unter uns weil.

Blöd ist nur, dass der einzig verbliebene Teamkollege vom Betrieb dann ab nächsten Montag auch Urlaub hat und ich somit ganz allein im Büro bin. Aber dann muss man eben eine Nummer ziehen und sich hinten anstellen. Die Zeiten sind vorbei, in denen ich mich gevierteilt habe, um jedermann gerecht zu werden.

Und ansonsten mache ich es so wie der neue Mitbewohner: Bauch in die Sonne und ausstrecken!


Dienstag, 3. September 2019

Betrunkene und Kinder

Es fällt noch schwer, wieder in den Alltag hineinzufinden nach dem Verlust am Sonntag. Auch wenn noch andere Katzen im Haus sind, fehlt die eine momentan ganz besonders. Und man fragt sich, warum das geschehen musste? Meine "alte" Freundin E., die ja einen Draht fürs Spirituelle hat, schrieb Rosalie gestern, dass der Kater seine Aufgabe auf der Erde erfüllt hätte und sich ganz bewusst an diesem Sonntagmorgen das eine Auto direkt vor dem Haus ausgesucht hätte, damit wir wissen, was aus ihm geworden ist und die liebevolle Ausstrahlung noch eine Weile spüren können. Ein schöner Ansatz, wenn man denn daran glauben möchte.

Am Freitag hatte mein Arbeits-Team ein kleines Abschiedsfest organisiert. Das war richtig schön. Ich hatte zwar frei, bin aber trotzdem am Abend in die Stadt gefahren, und es hat sich gelohnt. Es war ein nettes Lokal, wir konnten draussen im Garten sitzen und es gab leckeres Essen. Auch wenn ich nicht so viel Wein trinken konnte, habe ich mich gut unterhalten. Und mein ehemaliger Chef, der ja auch einen neuen Posten übernommen hat, hielt eine recht wehmütige Rede. Ich hab den Eindruck, dass er die alten Zeiten vermisst und in seinem neuen Job momentan aufgrund des Durcheinanders, das dort herrscht, gar nicht zufrieden ist. Es scheint, als könnte ich froh sein, dass meine Bewerbungen da nicht funktioniert haben.

Als ich  mich gegen 22.30 Uhr verabschiedete, war er schon recht alkoholisiert. Man sagt ja, dass Betrunkene und Kinder die Wahrheit sagen. Wenn er mich also zum Abschied umarmt hat, mir sagte, dass ich die beste Neueinstellung in seiner Zeit als Chef gewesen sei und noch ein wenig durchhalten müsse, denn in Kürze würden ein paar Stellen frei werden, und ich solle doch auf  keinen Fall kündigen, dann mag er wohl die Wahrheit gesagt haben. Das hat mich ein wenig überrascht und schmeichelte mir natürlich. Erst recht, als ein weitere Kollege dann auch noch ins selbe Horn stiess und ein paar Mal wiederholte: "Bitte, geh nicht!". So viel Emotion hatte ich an diesem Abend gar nicht erwartet, aber es hat gut getan.

Konkrete Pläne für einen Wechsel habe ich bisher ja nicht, aber bei Rosalie im Amt gäbe es ein paar Stellen, die einen Versuch womöglich wert wären. Ich muss mir nun überlegen, ob ich das will ...


Mittwoch, 28. August 2019

Wir sind guuut!

Wie schon erwähnt, befindet sich unser IT-Bereich derzeit in der Reorg. Dafür sind vor einiger Zeit Interviews mit uns allen geführt worden. Dabei wurden auch einige Fragen zur Selbsteinschätzung gestellt. So wollte man wissen, wie wir aus unserer Sicht die Zufriedenheit der Kunden beurteilen.

Als ich vor fast drei Jahren hier anfing, waren sowohl das Klima im Team als auch die Aussenwirkung eine Katastrophe. Da die zwei Querulanten inzwischen weg sind, hat sich das dramatisch verbessert. Ich weiss aus diversen Rückmeldungen und Gesprächen, dass man unsere Arbeit und auch uns als Personen sehr schätzt. Nun möchte man aber bei einer Selbsteinschätzung nicht prahlen. Ausserdem war ich mir nicht sicher, ob unsere Kunden die Abgrenzung zwischen dem, was wir für sie leisten können, und dem, was der externe Dienstleister tut, klar treffen können. Und so habe ich ein wenig tief gestapelt. Mein neuer Chef hat nun die Rückmeldung bekommen, dass man unsere Arbeit sehr positiv bewertet hat.

Das freut mich natürlich ungemein. Es hat auch Zeit und Energie gekostet, um das schlechte Bild von uns wieder aufzuhübschen. Den vollständigen Bericht sollen wir in der nächsten Zeit vorgestellt bekommen. Danach wird man sich dann überlegen, wie es mit uns weiter geht. Da eines der hohen Ziele darin besteht, dass sich für den Kunden keinesfalls etwas verschlechtern soll, haben wir womöglich durch diese Umfrage ganz gute Karten und können zumindest hoffen, dass sich an den Aufgaben und Zuständigkeiten nicht all zu viel ändern wird. Wie mein Chef nach der Reorg heisst, ist mir eigentlich egal, solange ich nicht plötzlich Aufgaben zugewiesen bekomme, mit denen ich absolut nichts anfangen kann. Dieses Damokles-Schwert schwebt ja noch über uns allen.

Aber mit diesem Bericht könnte es vielleicht ein gutes Ende der Reorg geben. Die nächsten Wochen und Monate werden es zeigen.

Donnerstag, 22. August 2019

Führungslos

Am Dienstag um 16 Uhr platzte die Bombe: Der bisherige Chef der IT im Haus hat die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung beendet!

Bums, das hat gesessen. Nach nicht einmal zwei Jahren hat er genug (oder das Spital von ihm?) und nun sind wir erst einmal führungslos. Natürlich beeilt man sich zu betonen, dass sich an der Strategie und den Zielen der Reorg in der IT nichts ändern wird. Glaubt das jemand? Denn was, wenn der Neue, den es irgendwann geben wird, ganz andere Ideen hat?

Mir fehlt dieser arrogante Typ jedenfalls absolut nicht. Die herablassende Art, mit dem dieser deutsche Manager versucht hat, das Haus it-mässig auf den Kopf zu stellen, kam hier an vielen Stellen nicht gut an. Ich war immer froh, mit dem Kerl nichts zu tun haben zu müssen, denn der geht über Leichen, ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken. Etwas Menschliches habe ich bei dem nie gesehen, schon nach der Vorstellungsrunde war er mir dermassen unsympathisch, dass ich nicht mal zum Sommerfest gegangen bin, zu dem er alle eingeladen hatte.

Nun ist er also Geschichte und wir werden sehen, ob in den nächsten Wochen überhaupt noch etwas geht oder alles gestoppt wird, bis das Machtvakuum gefüllt ist. Irgendwie wird es von Tag zu Tag lächerlicher, und wenn mich Leute aus den Kliniken fragen, wie es voran geht, weiss ich schon gar nicht mehr, was ich sagen soll. Und das in einem Unternehmen, dass sie auf die Fahne geschrieben hat, das führende Spital in der Schweiz zu werden.

Auch in der Schweiz wird eben nur mit Wasser gekocht.

Dienstag, 23. Juli 2019

Der neue Chef

Heute kommt der Kollege aus dem Urlaub zurück und tritt seinen ersten Arbeitstag als neuer Chef an. Traue ich ihm das zu? Soweit das ein gerade 26jähriger Bub überhaupt schon kann - ja. Im Gegensatz zu manch anderem Mitarbeiter seines Alters ist er schon recht erwachsen und seriös.

Der Posten ist ja dem Tode geweiht und wird nach Abschluss der Reorg nicht mehr existieren. Insofern ist die Bedeutung schon jetzt eher untergeordnet. Ärgern tut mich nur, wie das Pöstchen vergeben wurde. Es gab keine Ausschreibung, keine Gespräche - ein Freund hat dem anderen einfach per Ansage den Job übergeben. So einfach kann das sein ...

Der Kollege ist ja noch jung, und so ein Leitungs-Job macht sich natürlich gut im CV, auch wenn er nur von kurzer Dauer ist. Sei es ihm gegönnt. Viel zu tun wird er damit nicht haben - sein Telefon klingelte gestern nicht ein einziges Mal. Jahresgespräche wird er wohl auch nicht führen müssen, weil bis zur nächsten Fälligkeit das Team wohl nicht mehr existieren wird. Leicht verdientes Geld also.

Dienstag, 16. Juli 2019

Berufliche Zukunft

Gestern habe ich mein erstes schweizerisches Arbeitszeugnis bekommen. Und es ist wirklich gut geworden - damit kann man sich durchaus bewerben.

Und es gäbe im Umfeld von Rosalie auch eine Stelle, die interessant wäre. Knackpunkt ist die geforderte Mehrsprachigkeit. Aber davon abgesehen, sollte ich es sicherlich mal versuchen, vielleicht als "Testballon".

Dabei muss ich mir jedoch die Frage stellen, ob ich wirklich wieder von vorn anfangen will. Nach zweieinhalb Jahren kenne ich inzwischen die Leute hier, die Abläufe, das IT-Umfeld, habe ein gutes Netzwerk von Menschen, die für die Erledigung meiner Aufgaben "nützlich" sind. Das alles dauert immer seine Zeit und in einem neuen Job steht man stets erst einmal hilflos und orientierungslos herum. Will ich das noch einmal?

Allerdings ist völlig offen, wie es hier weitergeht und ob ich womöglich in ein paar Wochen bzw. Monaten auch eine ganze andere Aufgabe haben werde und mein Netzwerk damit "wertlos" würde. Auch die Bezahlung hier ist kein Argument, um zu bleiben, und die Karrierechancen sind nach den gescheiterten Bewerbungen b. a. w. auch gering. Es gibt also nicht viel, was mich hier hält.

Wenn ich mich wirklich noch verbessern möchte, bleibt mir wahrscheinlich mittelfristig keine andere Wahl.

Mittwoch, 10. Juli 2019

Was nun?

Auf Arbeit weiss niemand, wie es weiter geht. Das Einzige, was deutlich zu erkennen ist: Chaos. Am Montag hatten wir unseren Team-Abschiedsabend. Wir haben quasi die Klassenkasse geplündert und waren nett essen. Das war gut. Auf Grund der Reorg wird es uns in Kürze in dieser Form nicht mehr geben. Einige sind schon weg, weitere werden folgen. Diejenigen, die im neuen Kader Jobs bekommen haben, stöhnen, weil es derzeit noch nicht einmal ein Büro für sie gibt! Was für eine peinliche Vorstellung. Darüber hinaus war man wohl der Meinung, erst mal Kaderstellen zu schaffen und sich erst danach zu überlegen, wie die Verantwortlichkeiten aussehen werden. So nervt sich mein ehemaliger Chef, dass er mit Dingen bombardiert wird, für die er seiner Meinung nach gar nicht zuständig wäre ...

Das Gute ist: Das bleibt mir erspart. Aber es ist völlig offen, was aus mir hier werden wird. Die Zwischenzeugnisse sind wohl so gut wie fertig. Wenn ich meines in der Hand habe, werde ich mich mal "draussen" umsehen. Vielleicht bietet sich irgendwo eine neue Chance, bevor ich hier verheizt werde.

Stillstand auch bei Rosalies Scheidung. Der Richter muss aktuell entscheiden, ob das ganze Verfahren bis zur Klärung durch die Staatsanwaltschaft ausgesetzt wird oder nicht. Ihr Ex ist natürlich dagegen, wir dafür - denn ohne den Vermögenswert von ihm zu kennen, macht eine Scheidungsverhandlung wenig Sinn. Ob es dazu vor den Gerichtsferien noch etwas zu lesen geben wird, muss man abwarten.

Gestern Abend haben wir unter Tränen unser Weisspfötchen beerdigt. Abgesehen von der traurigen Situation war es ziemlich unangenehm, denn der Geruch des Kadavers war schon ziemlich stark, selbst durch die Masken, die wir dabei trugen. Nun hat der arme kleine Kobold seine letzte Ruhe dort gefunden, wo er in den letzten Monaten so gern gewesen ist - bei uns im Garten. Es fehlt nur noch ein schöner Stein mit seinem Namen. Die Stimmung und das Verhalten der Katzen sind immer noch spürbar verändert. Ich bin gespannt, ob das so bleiben wird oder sich wieder "normalisiert". Jedenfalls wird der Futterverbrauch nun deutlich zurück gehen ohne den süssen Racker ...

Noch gut ein Monat, dann wird mein Papa uns besuchen. Der Gedanke, dass dies mit ziemlicher Sicherheit das letzte Mal sein wird, macht mich auch nachdenklich. Auf der anderen Seite bin ich froh, dass es ihn noch gibt. Schliesslich wird er schon 79, ein Alter, das Rosalies Vater längst nicht erreicht hat. Wir werden ihm hier in der Schweiz noch drei schöne Tage bereiten, an die er sich dann noch lange erinnern kann.

Donnerstag, 20. Juni 2019

Eine Farce?

Ich muss nochmals auf das Interview - in gut einer Stunde beginnt es - zu sprechen kommen. Beim Kick-off hiess es grossspurig, dass man offen, ehrlich und konstruktiv seine Meinung sagen solle, schliesslich würden alle Daten anonymisiert, sodass ausser dem Interviewer und der jeweiligen Person niemand wüsste, wer was gesagt hat. Und es wäre DIE Chance, um etwas zu bewegen.

Nun sah ich gestern zufällig in der elektronischen Einladung, dass noch zwei weitere Personen teilnehmen sollten, und zwar aus dem Bereich, mit dem wir später zusammengeführt werden sollen. Einer davon sogar Qualitäts-Manager. Angeblich würde es darum gehen, dass die Beiden Erfahrungen sammeln sollen, um später diese Interviews selbst führen zu können.

Ja, wie? Der Fragenkatalog steht fest, die Antworten sind immer individuell - und ein Qualitäts-Manager ist nicht in der Lage, so ein Gespräch ohne vorherige Anleitung zu führen? Und überhaupt: Wo bleibt denn die Anonymität, wenn mir drei Personen gegenübersitzen, von denen zwei auch noch da arbeiten, wo wir später auch tätig sein werden??

Ich hab sofort bei meinem Chef interveniert, und der war auch ganz auf meiner Seite. Obwohl der Chef-Chef das erwartungsgemäss anders sah, hatte der externe Interviewer Verständnis für meine Bedenken, und so soll unser Gespräch heute nun doch unter vier Augen stattfinden.

Einmal mehr stelle ich leider fest, dass dieser ganze Prozess hier mehr als laienhaft organisiert und durchgeführt wird. Und vielleicht sollte ich froh sein, nicht in diesen "Kader" aufgenommen worden zu sein ...

Mittwoch, 19. Juni 2019

Interview (with a vampire?)

Due Diligence - was für ein wunderbarer Begriff. Bei den Stellen, für die ich mich erfolglos beworben habe, herrscht noch (oder schon) Chaos, weil die Strukturen völlig unklar sind und Aufgaben nicht feststehen. Und da will man mit uns Verbliebenen nun also in die vertiefte Untersuchung gehen. Und am Ende gibt es eine Empfehlung - ja, wofür eigentlich? Nichts ist klar, keiner weiss, wohin, aber alle machen mit.

Der Typ, mit dem ich morgen das Interview habe, ist ein Bayer und macht einen auf betont kumpelhaft. Als Externer, dem die Zukunft der Angestellten egal sein kann, ist das vermutlich auch nicht schwer. Es wird darum gehen, eine SWOT-Analyse zu erstellen. Dafür werden unsere Kompetenzen, Aufgaben, Vorlieben und Wünsche aufgenommen, alles am Schluss zusammen gefasst und an den neuen zentralen IT-Bereich weiter gegeben. Der wird dann (irgendwann) auf uns zukommen und uns etwas anbieten. Das können wir nehmen - oder gehen.

Schöne Aussichten ...

Mir fehlt bei all dem gerade etwas die Motivation und ich merke, dass ich mich schwer tue, am Ball zu bleiben. Das ist schade, denn zuletzt, nach dem Weggang der beiden Fehlbesetzungen, war die Stimmung hier gut und alles lief bestens. Nun könnte alles den Bach runtergehen.

Der Chef wird in den nächsten Tagen mein Zwischenzeugnis erstellen, dann werde ich mich umschauen, ob es für mich noch andere spannendere Aufgaben geben könnte.

Mittwoch, 12. Juni 2019

Kick off oder out?

Gestern fand sie nun also "endlich" statt, die Auftakt-Veranstaltung zur Reorg in unserem Team. Zusammen gepfercht im Mini-Büro vom Chef sassen wir, zum Teil auf dem Tisch, (wie peinlich), um dem externen Berater zu lauschen.

Viel schlauer bin ich trotz mehrmaliger Nachfrage nicht. In den nächsten vier bis fünf Wochen (sehr sportlich) soll mit allen im Team ein Interview geführt werden. Am Ende erstellt der Berater daraus eine Empfehlung.

Und dann? Genau diese Frage blieb offen. Weder ist klar, wer dann was damit macht, noch gibt es überhaupt irgendwelche Strukturen, die uns als Personen dann fachlich oder personell aufnehmen könnten. Ich hab dann noch mal explizit gefragt, was mit uns dann passiert. Darauf kam eine sehr zweifelhafte Antwort, die entweder "nur" extrem ungeschickt war oder aber durchblicken liess, dass der eine oder andere Kollege überflüssig werden könnte: "Also wenn man dann anhand Eurer Skills sagt, dass man Euch das Team X anbietet und das dann absolut nicht das ist, was ihr machen wollt, ja dann müsste man sehen ...". Aha - heisst das, dass es egal ist, was man bisher gemacht hat und man einfach irgendwo etwas nehmen muss, wo gerade niemand hin will? Also genau das, was ich befürchtet habe?

Mein Chef wird sich heute um mein Zwischenzeugnis kümmern, und dann muss ich sehen, ob ich mein Schicksal vielleicht trotz des hohen Alters noch selbst in die Hand nehmen oder mich hier verheizen lassen muss. Klar ist, dass die Aufgaben hier nicht komplett wegfallen, sondern weiterhin von jemandem erledigt werden müssen. Aber wer, wie, wo, das weiss niemand. Und da man auf die Kliniken Druck ausüben wird und sie für mehr Service auch künftig mehr zahlen lassen möchte, werden die sich gut überlegen, ob sie unsere Dienste noch im bisherigen Umfang nutzen oder lieber sparen möchten. Also eine Unbekannte mehr in der Gleichung.

Und wenn ich sehe, dass sich mein Chef schon nervt, mein Kollege, der einen neuen Job antreten wird, ebenfalls, dann lässt das erahnen, dass hier niemand einen Plan hat. Und immer mehr kann ich nachvollziehen, warum in den letzten Monaten so viele gute Leute aus der zentralen IT gegangen sind.

Dienstag, 4. Juni 2019

Kick-off

Nun kommt offenbar die Reorg-Lawine langsam ins Rollen. Mein Chef teilte am vergangenen Mittwoch mit, dass er einer der Auserwählten ist (was für ein Wunder - sein Vorgesetzter, also mein Chef-Chef, der selbst den Posten wechselt und nach oben fällt, hat ihn selbst ausgewählt), und auch ein Mitarbeiter aus meinem erweiterten IT-Team hat einen Posten als Teamleiter bekommen.

Das heisst in der Folge auch, dass der Busenfreund vom Chef nun innerhalb eines Jahres zum dritten Mal (!) befördert und ab Juli automatisch als bisheriger Stellvertreter mein neuer Chef sein wird (im zarten Alter von 25 und damit weniger als halb so alt wie ich). Ein Schelm, wer Absicht dabei vermutet, dass ausgerechnet dieser Kollege sich im Rahmen der nun abgelaufenen Ausschreibungen nirgends beworben hat ...

Einen Stellvertreter haben wir dann also ab nächsten Monat wieder nicht mehr, was nichts Anderes heisst, als dass ich, wie jetzt auch gerade, wo Chef und Stv. gleichzeitig nicht da sind, als Vertretung herhalten muss, nur ohne Bezahlung. Also alles wie immer.

Das wird aber voraussichtlich nicht ewig so weiter gehen. Zumindest soll morgen das "Kick-off für die Due Diligence-Phase" stattfinden, so die Einladung, die ich gestern bekam. Klingt das nicht toll? :-/ Sieht allerdings in der Eile momentan eher nach Aktionismus aus, da von den neun Personen, um deren Arbeit es geht, nur sechs anwesend sein werden, der Rest (u. a. eben Chef und Stv.) ist abwesend. Was soll dieser Unsinn also? Kommt es auf die eine Woche plötzlich so sehr an?

Der Schritt ist sicher gut und richtig, die Frage wird sein, wie lange es dauert und was am Ende für uns verbleibende Mitarbeiter stehen wird. Klar ist, dass wir aufgelöst werden, doch unsere Aufgaben existieren natürlich weiterhin. Also müssen sie in irgend eine andere Form gegossen und strukturiert werden. Ob davon schon irgend jemand auch nur die leiseste Idee hat, darf bezweifelt werden. Jetzt, da noch nicht einmal feststeht, in welchem Büro mein Kollege, dessen Bewerbung zum Zuge kam, arbeiten und wofür genau er zuständig sein wird (Beginn ist ja auch "erst" am 1. Juli), hat man wohl andere Sorgen, als bestehende Prozesse anzupassen.

Alles, was da momentan läuft, wirkt leider mehr als dilettantisch. Die Kommunikation ist eine Katastrophe (trotz Ankündigung wird über die besetzten Stellen nicht kommuniziert), Aufgaben, die seit Monaten vakant sind, werden niemandem zugeordnet, das Pilotprojekt geht nicht voran, neben der Reorg will man parallel noch das gesamte Kernsystem erneuern ...

Ich brauche dringend mein Zwischenzeugnis!


Donnerstag, 23. Mai 2019

Schwein sein gewünscht

Es geht mir heute Morgen ein wenig besser. Immerhin also eine positive Nachricht in dem ansonsten derzeit eher negativen Umfeld zwischen Scheidung bei Rosalie und meiner Arbeit. Ich bin noch guter Dinge, dass ich bis Sonntag fit genug bin, um in den Flieger zu steigen.

Die schlechte Nachricht des Tages ließ aber auch nicht lange auf sich warten. Vor ein paar Minuten klingelte mein Telefon und der Herr, bei dem ich mein Bewerbungsgespräch hatte, war dran. Es kam, was kommen musste: Meine Absage. Die Begründung diesmal ließ tief blicken. Er hätte das Gefühl, ich sei sehr geduldig. Er brauche aber eine Person, die schnell viel Druck aufbauen könne, um den Support voran zu bringen. Mit anderen Worten, Fachkenntnis und Erfahrungen im Thema zählen nicht, jetzt ist Schwein sein angesagt. Das entspricht genau der Linie des IT-Chefs, den es seit letztem Jahr gibt und dessen Auftreten dermaßen abstoßend und arrogant ist, dass es vielleicht gut ist, nicht in diesem Dunstkreis tätig sein zu müssen. Wer in jedem zweiten Satz fucking oder scheiß ... sagt, ist für mich ein rotes Tuch.

Ich hab soeben meinen Chef informiert und nun endgültig um Erstellung eines Zeugnisses gebeten. So schön, wie die Zusammenarbeit im Team und mit den direkten Kunden ist, aber bei der ungewissen Zukunft und dem Stil, der da derzeit von oben an den Tag gelegt wird, muss ich genau schauen, ob das noch meine Welt ist.

Mittwoch, 15. Mai 2019

Dies und das

Gestern Abend erhielt ich auf meinem privaten Handy einen Anruf und die Absage auf die zweite Stelle, für die ich mich beworben hatte. Es gäbe Leute, die mehr Background zu dem Thema hätten. Glaube ich gern, ärgert mich auch nicht. Es wäre eher eine ungeliebte Notlösung geworden.

Ärgerliche Post vom Scheidungsanwalt: Der Richter beharrt darauf, dass der Gutachter die Beweise nicht sehen darf und verteidigt seine Entscheidung, dass der Gutachter einseitige Gespräche mit Rosalies Ex und dessen Anwalt führen darf, ohne die andere Seite zu hören. Das ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten.

Stellt Euch dazu Folgendes vor: Ihr wollt dem Finanzamt und natürlich auch und vor allem dem Ex vorenthalten, wie viel Geld Ihr Euch monatlich von der eigenen Firma als Einkommen auszahlt. Also zahlt Ihr Euch ein Gehalt in halbwegs plausibler Höhe vorschriftsmässig aufs eigene Privatkonto aus, und den "Rest" verschleiert Ihr in der Buchhaltung. Mit "Rest" meine ich Möbel, Unterhaltungselektronik, Reisen, Freizeitaktivitäten, Restaurantbesuche usw. So wird aus dem sonntägliche Picknick auf der Piste ein Geschäftsessen, aus dem Schuppen für die e-Bikes und Gartengeräte ein Lagerhaus, aus der Ferienreise nach Übersee mit den eigenen Kindern, der neuen Partnerin und deren Tochter ein "Firmenausflug" ... Über die Jahre kommen so Hunderte von Buchungen zusammen, die zu beanstanden wären - wenn man sie denn erst mal findet und auch eine Idee hat, was tatsächlich dahinter steckt.

Das kann ein neutraler Gutachter logischerweise nicht - wie sollte er. Allein schon die Aufgabe, vier Jahre Buchhaltung in wenigen Tagen zu prüfen, dann noch relevante Buchungen zu finden und zu analysieren - das kann nicht gehen. Müsste es auch nicht, wenn er die Beweise von Rosalie einsehen dürfte. Da steht alles schon drin, er bräuchte nur noch DAS zu prüfen.

Doch was meint jetzt der Richter? Der Gutachter müsste zweifelhafte Buchungen ja nur mit dem Ex besprechen und dann wäre es klar. Aber sicher! Und der Ex wird sich hinstellen und sagen: Ja, genau, da und da und da habe ich beschi**en? Wenn er dem Gutachter sagt, dieser Betrag war für mein "Lagerhaus" - wie soll der wissen, dass es kein Lagerhaus gibt und die Ein-Mann-Beratungsfirma auch gar keins brauchte? Der Ex kann ihm das Blaue vom Himmel lügen, so wie er es auch Rosalie und dem Finanzamt gegenüber immer wieder getan hat.

Würde er nur die Steuern betrügen, wäre es seine Sache, aber all das Geld, was er auf diese Weise aus der Firma gezogen hat, stünde eigentlich zur Hälfte Rosalie zu. Und das ist das Perfide. Und deshalb können wir das nicht einfach auf sich beruhen lassen. Allerdings klang ihr Anwalt gestern im Mail recht resigniert. Man könnte wirklich den Eindruck bekommen, Richter und Anwalt vom Ex haben eine gemeinsame Leiche im Keller ...

Und sonst noch? Wir hatten wieder Besuch im Bett. Das riesige Katertier von der Nachbarin hat zwei Stunden mit uns gepennt. Man braucht übrigens gute Bauchmuskeln, wenn ein geschätzter 7kg-Kater über einen rüber steigt. :-)



Mit meiner dritten und letzten Bewerbung muss ich noch wenigstens bis Freitag auf ein Zwischenergebnis warten. Auch mein Chef soll bis zu diesem Tag eine Rückmeldung auf seine eigene Bewerbung bekommen. Am Wochenende können wir uns dann wohl im Alkohol ertränken, aus Freude oder Frust.

Bis dahin werfe ich mich am besten in die Schlacht von Game of Thrones und schwärme ein bisschen für die hübsche Emilia Clarke. :-)


Dienstag, 14. Mai 2019

Schatten der Vergangenheit

Gestern wurde ich - oh Wunder - tatsächlich noch zu einem Vorstellungsgespräch für den Job, der meinen beruflichen Erfahrungen am meisten entspricht, eingeladen. Eigentlich wollte nur der Chef des Bereichs anwesend sein, aber er brachte dann doch noch eine weitere Person, die sich als externer Coach vorstellte, mit.

Die Beiden spielten dann so etwas wie good cop, bad cop. Während der Chef mich ständig anlächelte und die "netten" Fragen stellte, stocherte der Externe in meinem Lebenslauf und in den Zeugnissen herum und versuchte, Ungereimtheiten aufzudecken. So meinte er, dass das Zeugnis der Behörde ja sehr passiv sei und gar nicht viel drin stehen würde.

Ja, es ist halt Behördeneutsch, und ich musste das Werk damals auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin zwei Mal ändern lassen, weil es davor noch schlimmer war. Nicht nur, dass Begriffe und Abkürzungen verwendet wurden, die man ausserhalb der Behörde und erst recht in der Schweiz gar nicht kennt: Es wurde z. B. auch eine Form des "Codes" benutzt, die unterstellt, ich würde im Büro ständig nach sexuellen Kontakten zu Kolleginnen suchen. So ein Fauxpas sollte natürlich einem HR-Bereich nicht passieren, ist aber vielleicht kein Wunder, denn Zeugnisse schreibt man in der Behörde eher selten. Wer einmal da ist, geht in der Regel nicht mehr. Ganz viele machen ihre Ausbildung dort und bleiben bis zur Rente.

Das macht den Laden zu einem trägen, verstaubten Haufen. Und die strengen Hierarchien führen ebenfalls dazu, dass nur ganz wenige die Chance erhalten, überhaupt irgendeine Karriere zu machen. Es ist nämlich zum Beispiel so, dass sich ein "Zuarbeiter" nicht auf eine Dezernentenstelle bewerben kann, selbst wenn er die fachlichen Voraussetzungen mitbringen würde. Neben der fachlichen Qualifikation wird immer auch die zumindest zweijährige Tätigkeit in der unmittelbar darunter liegenden Hierarchie-Stufe verlangt. Man muss also die lange Kette durchlaufen, um irgendwann mal in eine Stelle wechseln zu können, die vielleicht auch Personalführung beinhaltet.

Genau das war gestern auch eine Frage vom bad cop. Die ausgeschriebene Stelle beinhaltet nämlich Personalführung, und der Vorwurf war, dass ich das ja bisher noch nie gemacht hätte. Die Frage, warum nicht und warum jetzt war dann halt nicht so leicht zu beantworten und für einen Schweizer offenbar kaum nachvollziehbar. Dabei habe ich für Behördenverhältnisse schon eine steile Karriere hinter mir von der "Registraturkraft" zum "Hauptsachbearbeiter". Das schafft fast niemand, und ohne Unterstützung durch Führungskräfte und ein wenig Vitamin B ist es auch kaum möglich.

Das alles interessierte aber nicht, stattdessen kam mehrfach die Frage nach dem "warum nicht früher".

Ich kann verstehen, dass man in der Position natürlich möglichst die perfekte Person mit Führungserfahrung und super fachlicher Qualifikation sucht. Es ist aber wie schon bei der anderen Stelle die Crux, dass man Menschen auch die Chance geben sollte, Erfahrungen zu machen - wie will man sich sonst weiter entwickeln? Jede Führungskraft hat mal angefangen, und nur weil ich schon die Fünf im Alter habe, geht das nicht mehr? Keine Erfahrung, also auch keine Entwicklung?

Es könnte gut sein, dass mir mein Behördendasein nun den nächsten Schritt verbaut, da es für Aussenstehende so aussieht, als hätte ich in den 13 Jahren nicht genug getan. Da reicht es vielleicht auch nicht, dass mein Chef-Chef sich letzte Woche persönlich dafür eingesetzt hat, dass ich eine Perspektive bekomme, nachdem er hörte, dass ich ein Zwischenzeugnis angefordert habe: "So einen guten Mann könne man doch nicht gehen lassen." Tja, vielleicht hätte er sich das früher mal überlegen sollen ...

Der "bad cop" bescheinigte mir abschliessend gestern immerhin, dass ich ein "Machertyp" sei. Ob das Argument genug ist, um mir eine Chance zu geben, werde ich vielleicht am Freitag wissen. Dann soll ich eine erste Rückmeldung bekommen.

Momentan bin ich eher skeptisch, was meine Zukunft und vor allem meine berufliche Karriere hier betrifft. Dabei ist das eigentlich ein Irrsinn. Ich habe einen tollen Stand in den Kliniken und im Team, meine Arbeit wird sehr geschätzt, mein Chef hat mir eine super gute Beurteilung im letzten MAG vorgelegt, und gestern hat mir eine Mitarbeiterin sogar spontan eine Flasche Wein geschenkt, weil sie so zufrieden war mit meiner professionellen Unterstützung. Wenn das alles nicht genug ist, zählen hier wohl andere Werte, und dann muss ich mir überlegen, ob ich hier auf Dauer wirklich am richtigen Platz bin, zumal auch das Gehalt nicht sonderlich entschädigt.

Wir werden sehen.