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Mittwoch, 14. März 2018

Wo führt das noch hin?

Diese ganze Scheidungsgeschichte steht unter einem denkbar schlechten Stern. Oder ist sie gar verflucht? Nun zieht sich der Prozess schon über Jahre hin, im Laufe der Zeit sind meterweise Ordner angefallen. So ganz zufrieden war Rosalie mit ihrem Anwalt zwar noch nie, aber er ist zumindest ein alter Fuchs, weiss, wie der Hase läuft und kennt auch den gegnerischen Anwalt und dessen Strategien gut.

Und nun ruft die Kanzlei an und teilt mit, dass ihr Anwalt lebensbedrohlich erkrankt sei und auf unbestimmte Zeit ausfalle. Was sich vor Wochen schon mal ankündigte, ist nun bittere Gewissheit.

Was passiert jetzt? Erst einmal wird bei Gericht eine Fristerstreckung beantragt. Die Kanzlei hat nun einen neuen, ganz jungen Anwalt beauftragt, sich nächste Woche "einzulesen". Das wird viele Tage dauern bei den Papierbergen, und als Erstes fragt man sich, wer das bezahlen soll? Allein das Einarbeiten dürfte Tausende von Franken kosten, die wohl kaum die Klientin bezahlen wird - das wäre ein Skandal. Und wenn der junge Mann dann mal soweit sein sollte und zumindest oberflächlich Einblick in das laufende Verfahren hat, habe ich grosse Sorge, wie sich das auf die Qualität der Rechtsvertretung auswirken wird. Mal ganz davon abgesehen, dass sich Klientin und Anwalt erst einmal kennen lernen sollten und müssen. Was, wenn die Chemie so gar nicht stimmt? Was, wenn sich Rosalie nicht gut vertreten fühlt? Ihr Ex benimmt sich gerade wieder, als sei er schon auf der Siegerstrasse, zahlt nicht und ist auch noch dummfrech in seinen Mails. Soll er am Ende damit durchkommen, weil Rosalies Kanzlei aus Personalgründen versagt hat?

Es kann einem angst und bange werden und man möchte wahlweise heulen oder schreien vor Wut. Wir werden jetzt von der Kanzlei verlangen, dass es zunächst ein persönliches Gespräch mit dem nun ausgewählten Anwalt gibt. Schliesslich handelt es sich um ein teures, langwieriges und sehr intensives Verfahren, in das schon eine Menge Geld geflossen ist. Da möchte man als Klient schon wissen, mit wem man es zu tun hat, ob man auf der selben Wellenlänge liegt und die gleichen Ziele verfolgt. Der junge Mann ist gerade mal 32 Jahre alt, hat vor rund fünf Jahren sein Staatsexamen abgelegt und ist seit Anfang des Jahres bei der Kanzlei. Vermutlich hat er in seinem kurzen Anwaltsleben noch nie eine Scheidung durchgeführt, ganz sicher aber keine so komplexe und schwierige.

Rosalie war gestern Abend verständlicherweise mit den Nerven fertig und hätte auch am liebsten den Wien-Ausflug ausfallen lassen. Allerdings würde das nichts am Status quo ändern, und in den nächsten Tagen bis Sonntag können wir auch nichts weiter tun. Also warum nicht mal eine kurze Luftveränderung versuchen und vielleicht auf andere Gedanken kommen?


Mittwoch, 21. Februar 2018

Mucki-Bude

Wer schon mal zur Reha war, kennt den Begriff vermutlich. Eigentlich heisst es richtig Medizinische Trainings-Therapie, aber es ist im Grunde ein kleines Fitness-Center, in dem der Patient möglichst mehrmals wöchentlich sein persönliches Übungsprogramm absolviert.

Mein Vater läuft seit Jahren sehr schlecht, weil der gesamte Bewegungsapparat schmerzt, wodurch er sehr wenig läuft, was wiederum zur Folge hat, dass seine Muskulatur immer mehr verkümmert. Nun hat man ihm nahe gelegt, eine Reha zu beantragen, und das hat auch geklappt. Seit drei Wochen ist er nun stationär untergebracht. Als er mir am ersten Tag seinen Behandlungsplan sendete, musste ich schmunzeln über die MTT-Einträge, und konnte mir kaum vorstellen, wie er sich dort behaupten würde.

Vor ein paar Tagen nun hat er mir ein Foto geschickt, auf dem er schmunzeln auf dem Ergometer sitzt und strampelt. Das hat mich sehr gefreut! Er meinte, dass es zu Beginn sehr anstrengend war, aber inzwischen würde er seine zehn Minuten bei 40 Watt ganz locker nehmen.

Es ist natürlich klar, ich hoffe, auch ihm, dass man mit den paar Wochen Rehabilitation aus ihm keinen jungen Hüpfer mehr machen kann. Aber es wäre wirklich toll, wenn er diesen Schwung und vor allem die wieder gewonnene verbesserte Beweglichkeit mit in den Alltag überführen könnte. Das würde ihm gut tun und meine Stiefmutter ein wenig entlasten, die ihm derzeit bei fast jedem Schritt helfen muss.

Das Schwierige ist, wie überall, der innere Schweinehund. Erst mal zu Hause angekommen, gerät man in Gefahr, die täglichen Übungen sehr schnell zu minimieren ... Aber gerade in seinem Fall wäre es soo wichtig, damit weiter zu machen, damit er sich das Stück mehr Lebensqualität für eine möglichst lange Zeit erhalten kann. Ich werde ihn daran erinnern!

Donnerstag, 28. Dezember 2017

The Affair

Als Fan von Maura Tierney stiess ich vor einiger Zeit auf die Serie "The Affair". Jetzt, da Rosalie endlich mal ein wenig freie Zeit hat, fernab von Stellungnahmen (allerdings wartet schon wieder eine) und Scheidungspapieren, verschlingen wir gerade Folge für Folge, und einmal angefangen, kann man irgendwie nicht mehr aufhören. Die Crux im digitalen Zeitalter. :)

Ich denke, fast jeder in meinem Alter hat ähnliche Erfahrungen wie in der Serie irgendwann schon einmal selbst gemacht. Natürlich wird dort alles dramaturgisch überhöht, um den Spannungsbogen aufrecht erhalten zu können. Aber es stellt sich die Frage, ob der Mensch wirklich dafür geschaffen ist, mit der selben Person bis ans Ende aller Tage zusammen zu bleiben ...

Im Film sind es rund 25 Jahre, bis es zum Riss kommt. Job, Haus und vier Kinder können nicht darüber hinweg täuschen, dass die Beziehung nun einmal nicht mehr die selbe ist wie zu dem Zeitpunkt, als man sich das Ja-Wort gegeben hatte. Und ist das nicht völlig normal? Menschen entwickeln sich weiter, sammeln Erfahrungen, ändern ihre Schwerpunkte, Lebensziele, Wünsche. Kann man es jemandem übel nehmen, wenn der Partner bzw. die Partnerin dabei vielleicht nicht mehr die Rolle spielt wie früher? Begleiten uns Menschen nur so lange, bis wir gelernt haben, was sie uns mitgeben wollten, um dann neue Wege und Herausforderungen zu suchen?

Ich kenne in meinem Umfeld kaum eine Beziehung, in der es nicht zumindest eine grosse Krise gab oder die gänzlich in die Brüche ging. Unsere Gesellschaft sieht das meiner Meinung nach immer noch als Makel an. Aber ist das fair? Ich will hier keine Lanze brechen fürs Fremdgehen oder vorschnelles Aufgeben einer Beziehung. Aber genau so falsch finde ich es, mit aller Macht an einer Partnerschaft zu hängen, in der zumindest ein Teil längst nicht mehr glücklich ist.

Bei mir brauchte es viele Jahre, bis ich reif genug war, mir meine Wünsche, Träume, Ideale und Ziele bewusst zu machen und zu hinterfragen, ob mein derzeitiger Weg der richtige ist, um sie zu erreichen. Und dann war es ein Abend, eine Minute, an dem ich plötzlich an dem Punkt war, der mein Leben komplett veränderte. Bei allem Kummer, der damit verbunden war, bin ich trotzdem bis heute froh und glücklich, dass ich genau diesen Weg gegangen bin, den Weg ins neue Leben, wie auch mein alter Blog hiess.

Auch Rosalie ging es ganz ähnlich. Bei ihr kommt noch hinzu, dass sie sich die Frage schon oft gestellt hat, ob bereits die Heirat ein Fehler war. Eine Frage, die für mich nie relevant war, denn damals und auch bis heute war ich überzeugt davon, das Richtige zu tun. Nur haben sich meine Frau und ich mit der Zeit in ganz verschiedene Richtungen entwickelt, die irgendwann nicht mehr kompatibel waren. Ich wäre jämmerlich eingegangen in dieser Ehe.

Ich hätte mir damals, vor rund zehn Jahren, nicht träumen lassen, mal in der Schweiz zu wohnen, und hätte mir diesen Schritt auch nicht zugetraut. Nun habe ich ihn gewagt, bin glücklich, geniesse mein Leben mit Rosalie und freue mich auf das nächste gemeinsame Jahr (und die dritte und vierte Staffel der TV-Serie ...).

Dienstag, 5. Dezember 2017

Gehetzt

Der gestrige Abend war symptomatisch für die letzten Tage, Wochen ... Um 17:54 Uhr haben wir eine Einsprache zur Post gebracht, deren Frist an diesem Tag ablief (und die Post schloss um 18 Uhr ...).

Wir, und vor allem Rosalie lebt von einem Termin zum nächsten, hetzt von einer Einsprache, Stellungnahme, Klageschrift zur folgenden. Zusammen ins Bett gehen? Das ist schon lange die Ausnahme, denn meist sitzt mein Schatz bis tief in die Nacht vor dem Notebook, liest, sortiert, schreibt. Und immer, wenn ein Vorgang abgeschlossen ist, liegt schon wieder neue Post im Briefkasten mit neuen Fristen, neuen Stellungnahmen. Es ist zum Verzweifeln.

So ist dieses Jahr wie im Fluge vergangen und nun hoffen wir sehnlichst, dass 2018 uns endlich etwas Ruhe und einen halbwegs "normalen Alltag" bringen möge, spätestens im Frühling, wenn dann mal die ganze Scheidungs-Tragödie überstanden ist.

Ich kann meinen Schatz nur bewundern für die Ausdauer und Übersicht, die sie bei all den gleichzeitig laufenden Verfahren noch behält. Jedes davon hat seine ganz speziellen Anforderungen, verlangt viel Aufmerksamkeit, Konzentration und aufwändige Recherchen. Es geht aber um viel, und daher ist Durchhalten die einzige Leitlinie.

Gestern sind wir direkt nach dem Abendessen nur mal kurz die Beine ausstrecken gegangen ... und sofort eingeschlafen. Ich bin dann gar nicht mehr wach geworden, während Rosalie später die Kinder ins Bett brachte und noch ein wenig weiter gearbeitet hat. Alltag sollte das auf keinen Fall werden.

Dienstag, 28. November 2017

Es wird Zeit

Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Rund vier Jahre dauert der Scheidungsstress bei Rosalie nun schon an. Unzählige Tage, Nächte, Wochenenden sind drauf gegangen, um Argumente und Beweise zu sammeln, die dem Richter zeigen können, in welch schäbiger Weise der Noch-Ehemann das gemeinsame Geld vernichtet hat. All das zährt verdammt an den Kräften. Und der vergangene Sommer ist für uns so gut wie ausgefallen: der Garten verwildert, unsere Lieblings-Sitzplätze verwaist, der Grill verstaubt.

Nachdem durch diverse Verzögerungen bei den bilateralen Gesprächen einerseits und Verfahrensfehler vom Gericht andererseits der Termin immer wieder verschoben wurde, deutet sich nun ein Ende der Misere an: Mitte Februar soll es jetzt soweit sein. Bei dieser Hauptverhandlung wird sich der Richter die Argumente beider Parteien anhören und dann - irgendwann danach - ein Urteil fällen.

Doch schon vorher müssen die Unterlagen parat und beim Gericht eingereicht sein. Daher hoffe ich, dass wir die kommenden Feiertage in Ruhe geniessen und uns ein wenig erholen können.

Es wird Zeit.


Donnerstag, 23. November 2017

Die lieben Kollegen (11) - Lessons learned?

Am Dienstag gab es mal wieder ein Donnerwetter meines Chefs gegenüber einem meiner tollen Kollegen. Auslöser war ein ganz einfacher Auftrag, den er mal wieder vergessen hatte zu erledigen. Da er dann auch noch unser wöchentliches Meeting vergasss, war das der perfekte Anlass für eine Standpauke. Ein weiterer Grund war, dass er nicht mal während eines gemeinsamen Termins darauf verzichten kann, aufs Handy zu schauen und WA-Nachrichten zu schreiben. Das ist entweder dumm oder dreist oder überheblich. Oder alles zusammen.

Ich hab mich allerdings mehr darüber geärgert, dass er am Montag mal wieder krank war. Grund: Er habe Kopfschmerzen und die ganze Nacht kaum geschlafen. Am Dienstag kam er dann immerhin ganz normal wieder arbeiten. Gestern war sein freier Tag - heute ist er wieder krank.

Was soll man mit so einem Typen im Team anfangen? Da kann man nur verlieren ...

Während meines gesamten Berufslebens war es stets so, dass ich, wo immer ich neu anfing, ganz unten starten musste. Mein Gehalt hinkte meinen Aufgaben und der verbundenen Verantwortung stets gewaltig hinterher und holte sie teilweise nie ein. Zuletzt in Berlin wäre es gerade soweit gewesen, dass mein Chef eine bessere Stelle für mich organisiert hatte, als ich die Kündigung schrieb.

Auch hier ist es nun nicht anders. In unserem Team bin ich der mit dem niedrigsten Gehalt, allein schon durch die geringe Betriebszugehörigkeit und die Aufgaben lt. Stellenbeschreibung. Gestern hat mein Chef mir nun die Leitung eines Rollout-Projektes übertragen, weil die anderen Pfeifen im Team (siehe oben) damit völlig überfordert wären, wie er meinte. Damit tritt nun die selbe Situation ein wie schon viele Male in meinem Leben: Verantwortung - ja, besondere Aufgaben - ja, besseres Gehalt - nein.

Irgendwie will mir das Leben wohl etwas beibringen ...


Montag, 20. November 2017

Ungebetener Gast

Nachdem wir neulich schon in der Küche Besuch von einem hungrigen Mäuschen hatten, scheint es, als gäbe es schon wieder einen Gast im Haus.

Schon vor einiger Zeit habe ich im Schlafzimmer Laufgeräusche von der Zimmerdecke vernommen, konnte aber gar nicht genau orten, woher sie kamen. Plötzlich war dann Ruhe. Vor ein paar Tagen hörte Rosalie nun Knabbergeräusche in der Küche, ebenfalls von der Decke her, und gestern Abend bemerkte ich die gleichen Geräusche im Flur. Nachdem ich eine Leiter holte und an die Decke klopfte, hörte man einen erschreckten Sprung, danach war Ruhe.

Nun ist die Frage, um was für ein Tier es sich handelt und wie wir es aus der Zwischendecke zum Dach heraus bekommen. Akute Gefahr fürs Haus besteht ja sicher nicht, aber auf Dauer sollte der Nager da oben auch nicht bleiben. Vermutlich ist er durch die Dachflächenfenster hinein gekommen, die wir alle geöffnet haben, damit die Fliegen nicht im Dach überwintern. Dafür nun als offenbar ein grösseres Tier. Eine Maus, eine Ratte? Siebenschläfer schlafen wohl um diese Zeit schon, scheiden also vermutlich aus. Was gibt es sonst noch? Frettchen? Oder gar ein Marder? Aber der ist wohl zu gross, um durch die Ritzen im Boden zu passen.

Wir werden wohl Fallen besorgen müssen und hoffen, dass das Tier sich mal in der Nacht darin verirrt. Unser Kater ist zwar oft oben, aber er kann da sicherlich auch nicht helfen, auch wenn er die Geräusche durchaus auch wahrnimmt. Falls wir Erfolg haben sollten, werde ich das Tierchen natürlich fotografieren. :)

So ist es halt, das Leben auf dem Lande ...

Dienstag, 7. November 2017

Gut oder schlecht?

Ganz aktuell beschäftigt mich einmal mehr ein Thema, das mir schon sein langem Sorgen macht. Es geht um die Entwicklung unserer Kinder. Damit meine ich nicht die körperliche oder seelische Entwicklung, sondern die Vermittlung von Werten.

Mir ist das schon bei meinem Sohn aufgefallen, das war zu seiner Einschulung vor vielen Jahren. Es gab zahlreiche Gäste zur Feier damals, und alle brachten natürlich Geschenke mit, teilweise waren sehr teure dabei. Mein Sohn riss ein Paket nach dem anderen auf, ohne genau zu schauen, was überhaupt darin sei. Freude war kaum zu erkennen. Und dann kam nach dem x-ten Paket, als der Tisch leer war, seine Frage, die für eisiges, peinliches Schweigen im Raum sorgte: "Gibt es noch mehr Geschenke?".

Ich wäre damals am liebsten im Boden versunken. Aber es beschreibt punktgenau meine Sorge: Für viele Kinder haben Dinge, die sie erhalten und benutzen, keinen Wert mehr. Sie lassen sich jederzeit beschaffen und ersetzen, ohne dass es auch nur eines besonderen Anlasses bedarf. Ob es sich um ein neues Handy, ein Notebook oder eine teure Fernreise handelt - alles wird einfach mitgenommen. Freude bemerkt man fast gar nicht mehr. Ich bin früher vor Glück fast ausgeflippt über einen Walkman. Etwas Ähnliches erreicht man heute selbst mit einem neuen Handy bei Kindern kaum noch.

Da stimmt doch etwas nicht, oder? Wie kann man Kindern beibringen, dass Dinge nicht vom Himmel fallen, sondern hart erarbeitet werden müssen? Es ist toll, wenn es unseren Kindern an nichts mangelt. Es ist aber sicherlich nicht gut, seinen Kindern jeden Wunsch von den Lippen abzulesen und sofort nachzugeben. Dahinter steckt natürlich das Bedürfnis, dass es dem Nachwuchs gut gehen und soll. Aber es lässt jegliche Geschenke als beliebig und scheinbar minderwertig erscheinen, wenn sie sofort und überall zu haben sind.

Wir haben damals die Notbremse gezogen. Dem Kind kann man natürlich im Alter von 6 Jahren keinen Vorwurf machen. Wir hatten es wohl übertrieben mit dem Verwöhnen. Und so reduzierten wir grössere Geschenke grundsätzlich in der Anzahl und auf die Feiertage und sorgten auch dafür, dass die Grosseltern es genauso taten. Ich hab heute den Eindruck, dass wir gerade noch die Kurve bekommen haben.

Wenn ich heute sehe, wie Jugendliche, zum Beispiel auch Rosalies Sohn, mit ihrem Smartphone umgehen, dann fällt mir diese Episode immer wieder ein. Die Aussage ist die selbe: Was ich habe, ist beliebig und jederzeit ersetzbar. Ausserdem musste ich dafür nichts leisten, und so wird es auch beim nächsten Mal sein. Also - was kostet die Welt?

Mein Telefon sieht nach 1,5 Jahren noch aus wie neu. Seines ist nach nicht mal einem Jahr nun Schrott. Natürlich kann ein Telefon mal herunter fallen, besonders, wenn man es fast 24 Stunden am Stück in der Hand hat. Trotzdem kann man eine gewisse Vorsicht walten lassen, gerade, wenn man weiss, wie empfindlich und teuer diese Dinger sind (eine Rückwand aus Glas bei einem Smartphone ist ja schick und fühlt sich toll an - für den Alltag ist das aber eine zweifelhafte Erfindung). Und ich bin sicherlich extrem sparsam und sehe das recht drastisch (allerdings habe ich bis heute in meinem Leben auch immer wenig Geld in all meinen Jobs verdient und musste gut wirtschaften), aber ein gewisse Lernerfahrung sollte es nun geben, wenn schon wieder ein neues Gerät her muss. Also wird er sich finanziell mit seinem Taschengeld an einem neuen Telefon beteiligen (müssen).

Mein Arbeitskollege (27) ist übrigens genauso und noch besser: Neues Handy (weil altes immer wieder herunter fiel und dank Versicherung ersetzt wurde) nach weniger als einer Woche wieder Schrott: Aus dem Auto gefallen und dann noch drüber gefahren. Tja, nun hat er sich von seiner Mutter das Handy geborgt, und da ist das Display auch schon wieder kaputt. Und wir haben vor knapp zwei Monaten neue Notebooks im Büro erhalten. Während meines noch aussieht, als hätte ich es eben ausgepackt, könnte man bei seinem Gerät vermuten, er würde es täglich über den Fussboden schleifen.

Ohne Worte ...

Mittwoch, 1. November 2017

Das Haus gibt Ruhe

Seit wir das Haus vor ein paar Jahren übernommen hatten, wehrte es sich scheinbar mit allen Mitteln: Ziegel, die vom Dach fallen, Putz, der vom Schornstein bröckelt, ein zu feuchter Keller und eine Fliegenplage auf dem Dachboden.

Dem Putz und den Ziegeln sind wir mit Handwerkern zu Leibe gerückt, bei den anderen beiden Problemen war das nicht möglich. Vor allem der Einfall von Tausenden Fliegen jeden Herbst war ziemlich eklig. Der Fussboden schwarz, alle Kartons, Tüten und Taschen, die wir oben lagerten, waren übersät mit den Biestern.

Doch nun scheint alles anders zu werden ... Die Feuchtigkeit im Keller konnten wir mit ein paar kleinen Veränderungen im normalen Bereich halten, und - oh Wunder - derzeit gibt es nicht eine Fliege unterm Dach. Es heisst ja, dass die Generationen die Info weitergeben, wo man überwintern kann, und es daher von Jahr zu Jahr schlimmer werden kann. In diesem Wissen haben wir im Frühjahr nun die Fenster erst wieder geöffnet, als alle Fliegen, die sich an den Wänden und Fenstern in Haufen gesammelt und gewärmt hatten, tot waren.

Ausserdem brauchen diese Mistviecher Wärme und keine Zugluft. Da wir keine Chance haben, auf dem riesigen Dachboden alle Ritzen und Löcher zu stopfen, um den Fliegen den Einlass zu verwehren, haben wir nun gleich alle Dachfenster offen gelassen, sodass es ziemlich stark zieht und die Insekten keinen Platz finden, wo es so richtig schön kuschelig ist.

Und nun sieht es so aus, als würden wir verschont werden von dieser Plage. Das wäre ein Segen und eine Erleichterung, denn es ist wirklich abscheulich, durch ein Meer von toten oder kältstarren Fliegen laufen und die Viecher in allen Kartons und Taschen finden zu müssen.

Wieder ein Problem weniger ...

Montag, 23. Oktober 2017

Wie ist das mit der Liebe?

Neulich wurde ich gefragt, wie das denn sei mit der Liebe und vor allem, wie man sie frisch halten könne?

Ein Patentrezept gibt es da natürlich nicht. Wenn dem so wäre, würde wohl keine Beziehung mehr auseinander gehen. ;) Ich bin der Meinung, dass es viel Glück braucht, um in jungen Jahren schon einen Menschen zu finden, mit dem man dann wirklich das ganze Leben verbingen kann. Das hat einerseits mit der persönlichen Weiterentwicklung zu tun, andererseits aber auch mit fehlender Erfahrung bei der Partnerwahl und dem Führen einer Beziehung in so junge Jahren.

Wer macht sich schon mit 20 viele Gedanken über seine (vielleicht erste ernsthafte) Beziehung? Man ist voller Begeisterung, geniesst die tollen Gefühle und stürzt sich womöglich (viel zu schnell) in eine Ehe. Dabei dauert es Jahre oder Jahrzehnte, bis man wirklich ein Gespür dafür entwickelt hat, was eine Beziehung ausmacht und wie man sie pflegen kann, ohne dass der Partner oder man selbst in irgend einer Form Schaden nimmt.

Achtsamkeit, Treue, Ehrlichkeit, Kommunikation ... alles schöne Begriffe, die man aber mit Leben füllen muss. Dazu gehört meiner Meinung nach eine gewisse Reife. Und bis man die hat, kann es mit der ersten oder zweiten Beziehung schon zu Ende sein.

So war das jedenfalls bei mir. Meine Ehe ging zu Bruch, weil es an allem fehlte. Dazu kam, dass ich mich erdrückt fühlte und nicht in der Lage war, mich zu wehren und Grenzen aufzuzeigen. Und so war nach zehn Jahren die einzige Konsequenz, die Reissleine zu ziehen.

Seitdem habe ich viel gelernt. Das heisst natürlich nicht, dass ich jetzt keine Fehler mehr mache, aber ich schätze den Wert (m)einer Beziehung viel mehr und die oben genannte Achtsamkeit, sowohl Rosalie als auch mir selbst gegenüber ist mir sehr wichtig. Es ist ein Geben und Nehmen, und die eigene Persönlichkeit kommt dabei nicht zu kurz und muss daher nicht verkümmern. Es bringt auch nichts, mit 50 noch jemanden verändern zu wollen. Also ist es gut, über kleine Ecken und Kanten grosszügig hinweg zu sehen, solange sie das eigene Wohlbefinden nicht massiv stören.

Und es müssen auch nicht immer die grossen Gesten sein - die kleinen Rituale und spontanen Aufmerksamkeiten können mindestens genauso wertvoll sein. Während unserer langen Zeit der Fernbeziehung schrieb ich meiner Liebsten jeden Morgen von Berlin aus eine lange Nachricht, die sie dann als Erstes lesen konnte, wenn sie erwachte. Es war für mich der "Ersatz" für einen Guten-Morgen-Kuss und ein Zeichen, dass ich an sie denke. Und damals begann auch schon unser Ritual, dass ich an den gemeinsamen Tagen jeden Morgen den ersten Kaffee samt Mon Chéri ans Bett brachte. Das hält bis heute an. :)

Männer, so sagt man, reden ja nicht gern und viel, erst recht nicht über Gefühle. Vielleicht bin ich da ein wenig anders gestrickt, oder vielleicht muss man sich auch einfach nur mal überwinden, um festzustellen, wie schön das eigentlich ist. Warum nicht seiner Frau sagen, wie toll sie aussieht, wenn sie aus dem Bad kommt, ihr einen leidenschaftlichen Kuss geben, auch wenn die Nudeln vielleicht gerade überkochen, oder in der Geburtstagskarte etwas mehr als "Herzlichen Glückwunsch" schreiben?

Es gibt leider keine Garantie dafür, ob es der oder die Richtige ist. Und ich würde nie meine Hand für eine Ehe bis ans Ende meiner Tage ins Feuer legen. Aber ich glaube, dass man im Laufe der Zeit schon seine "Antennen" justiert hat und die Chancen auf eine dauerhaft erfüllte Beziehung steigen. Bei Rosalie und mir ist das so. Bei uns ging es ziemlich schnell damals vom ersten Kontakt bis zum ersten Treffen - trotz der grossen Distanz. Und selbst die kleine Unterbrechung, weil mein Schatz selbst überrascht war von der "Wucht" und dachte, dass sie dafür noch gar nicht bereit sei, konnte uns am Ende nicht trennen.

Und nun geniessen wir das Leben zusammen und es scheint, als hätten wir alles richtig gemacht. :)

Freitag, 20. Oktober 2017

Süsch no öppis?

An alle Nicht-Schweizer: Versteht man diese Frage? Nach mittlerweile mehr als vier Jahren intensiven Trainings ist mir der Dialekt jetzt vertraut, aber 2013 sah das ganz anders aus. Wenn ich mit Rosalie unterwegs war und sie sich mit anderen "Eingeborenen" unterhielt, habe ich so gut wie nichts verstanden.

Heute fällt mir so manches Mal gar nicht mehr auf, ob mein Gegenüber Hochdeutsch spricht oder nicht. Im Kollegen- und Bekanntenkreis nehmen die Meisten inzwischen sowieso keine "Rücksicht" mehr, was auch nicht notwendig ist. Und so stolpere ich dann meist nur darüber, wenn fremde Personen fragen, ob sie denn mit mir Mundart sprechen können. Natürlich dürfen sie, denn bis auf den einen oder anderen Ausdruck, den ich noch nie gehört habe, komme ich gut damit klar. Wieder ein Stück Integration geschafft!

Für alle Schweizer: Ich war gestern im Radio! Ich werde hier nicht verraten, wann und wo, denn sonst ist meine Anonymität dahin. Aber nett war er, der erste Auftritt in den Schweizer Medien. :)

Also: Äs schöns Wochenend!


Mittwoch, 20. September 2017

Willkommen in der Schweiz

Letzte Woche gab es im Radio am Abend eine Sendung über Deutsche in der Schweiz. Ich hab leider nicht alles hören können, aber die Erfahrungen, die dort sowohl von Deutschen als auch Schweizern berichtet wurden, waren sehr interessant.

Wie ich auch schon von meinem (deutschen) Chef erzählt bekam, gibt es zahlreiche Menschen, die eine starke Abneigung oder zumindest Skepsis von Einheimischen spürten und zum Teil deswegen sogar in ihre Heimat zurück gekehrt sind. Ich selbst kann mich erinnern, dass es vor ein paar Jahren in den Medien ziemlich unverblümt Kampagnen gegen Deutsche in der Schweiz gab. Allerdings ist davon in letzter Zeit nichts mehr zu sehen.

Eigene Erfahrungen dazu habe ich nicht gemacht. Nun ist das Gesundheitswesen, in dem der Anteil der Deutschen ohnehin sehr hoch ist, vielleicht nicht gerade repräsentativ. Und ich habe den Vorteil, durch eine Einheimische in die Schweiz eingeführt worden zu sein. Doch auch, wenn ich allein unterwegs bin, spüre ich keine übertriebene Zurückhaltung. Der Schweizer an sich ist ja ohnehin nicht gerade aufgeschlossen, daran muss man sich ein wenig gewöhnen. Und er neigt dazu, seine Meinung, wenn überhaupt, nur sehr verblümt darzustellen. Das führt dann schon mal zu leichten Irritationen, ist doch der Deutsche in der Regel sehr direkt. Einfaches, gern gebrauchtes Beispiel dazu: "Ich kriege ein Bier!". So etwas Forsches käme hier niemandem über die Lippen.

Auch im beruflichen Umfeld wird das weich gespülte Diskutieren von meinen Landsleuten, so auch in der Sendung, als irritierend empfunden. Ja, manchmal denke ich auch 'Komm doch endlich mal zum Punkt!'. Aber in der Regel mag ich diesen respektvollen, teilweise fast übertrieben freundlichen Umgang miteinander. Vielleicht komme ich deswegen so gut mit den Leuten klar. :) Man weiss nur manchmal nicht genau, was sie wirklich über einen denken. Aber muss ich das wissen?

Ich fühle mich wohl hier, und das mit allem drum und dran!

Dienstag, 12. September 2017

Es herbstelt

Stockfinstere Nacht, wenn der Wecker klingelt (bei mir klingelt er allerdings nicht, sondern meldet sich mit "Guten Morgen Herr B."), die Überlegung, vielleicht doch schon die wärmere Jacke anzulegen, der Schirm als Begleiter durch den Tag, die Heizung im Haus, die ich heute Nachmittag wieder in Betrieb nehmen werde - alles Anzeichen dafür, dass der Herbst tatsächlich kommt!

Ja, natürlich, schöne Seiten hat er auch. Ein Spaziergang durch den bunten Laubwald bei herrlichem Sonnenschein ist toll. Und die beginnenden Kaminabende mit leckerem Rotwein sind auch nicht zu verachten. Aber ... Die Region versinkt oft im Nebel, nasskalte und ungemütliche Tage vermiesen einem die Laune. Da braucht es viele Glückshormone aus anderen Quellen zum Ausgleich.

Besonders Rosalie macht mir da Sorgen. Seit Wochen ist sie abends völlig erschöpft, schläft schon um 20 Uhr auf dem Sofa ein, wirkt blass und kann sich nur mit Mühe aufraffen, den nicht abnehmenden Papierkram zu attackieren. Auch im Büro bleibt das nicht unbemerkt ...

Eine Auszeit wäre jetzt gut. Doch auch dann würde "nur" der Bürostress wegfallen, die anderen Sorgen lassen sich leider nicht ausblenden oder verschieben. Wir müssen da durch, und so, wie der nächste Frühling ganz bestimmt kommt, können wir nur darauf hoffen, dass das neue Jahr endlich wieder ruhiger wird. Bis dahin werden wir versuchen, zumindest den einen oder anderen schönen Herbst- und Wintertag ein wenig zu geniessen.


Montag, 28. August 2017

Sommer adé?

Ein Blick auf die Vorhersage lässt ahnen, dass es mit dem Sommer bald schon vorbei sein könnte: Innerhalb von zwei Tagen werden die Höchstwerte ab Mittwoch um 12 Grad fallen. Freitag wird es dann mit Starkregen und nur noch 19 Grad sehr herbstlich.

In diesem Jahr ging der Sommer quasi fast unbemerkt an uns vorüber. Der Garten - ungepflegt. Die Terrasse - verwildert. Der Grill - eingestaubt. Und das alles wegen des ganzen Ärgers rund um Bauspekulanten in unserem Dorf und natürlich wegen Rosalies Scheidung. Auch das vergangene Wochenende war jeweils von morgens 7 Uhr bis zum Schlafengehen gegen Mitternacht geprägt von Tabellen, Ordnern, Zahlen. Gegessen wurde direkt neben dem Notebook, Pausen gab es nur auf der Toilette. Zweisamkeit, also zumindest mal ein gemütliches Glas Wein, vermissen wir schon seit Wochen.

Eines steht fest: Das muss anders werden, ich weiss nicht, wie lange Rosalie das noch aushält. Die Hoffnung ist da, dass es nach dem Gerichtstermin am Freitagnachmittag endlich ein wenig Ruhe gibt. Ob damit eine grosse Enttäuschung verbunden sein wird oder Erleichterung, dass der Aufwand sich am Ende gelohnt hat und die Gerechtigkeit siegt, ist nicht vorhersehbar. Eigentlich sprechen die Zahlen, welche die Geldverschwendung des Ehemanns offenbaren, für sich, aber entscheiden muss der Richter, und da weiss man nie, was dabei heraus kommt ...

Vielleicht kommen noch ein paar schöne Spätsommertage, ansonsten müssen wir dann wohl auf den nächsten Sommer warten. Der wird hoffentlich deutlich entspannter als der letzte! Und bis dahin kuscheln wir halt vor dem Kamin. :)


Donnerstag, 29. Juni 2017

Haar-"Pracht"

Es heisst ja immer, Männer würden mit dem Alter schöner, während Frauen zunehmend mit Ihrer Schönheit zu kämpfen hätten. Das liegt sicherlich im Auge des Betrachters.

Ich stelle jedenfalls fest, dass sich bei mir vor allem auf dem Kopf so Einiges tut, das mir nicht gefällt. Dabei spreche ich nicht von den grauen Schläfen, die sich so ganz langsam zeigen. Nein, ich meine vor allem die Haarfülle. Nun hatte ich schon immer recht dünnes Haar und hab die Männer mit den dicken, kräftigen Mähnen beneidet. Daran lässt sich aber nun mal nichts ändern, genauso wie an den Geheimratsecken, die sich seit langem schon ausbreiten.

In den letzten Jahren wurde nun aber das Haar auf dem Kopf immer lichter, was mir im Spiegel kaum auffällt, aber beim Betrachten von Fotos aus "ungünstigen" Perspektiven extrem ins Auge springt. Nicht nur, dass es hinten bereits eine kleine, fast kahle Stelle gibt, auch ansonsten kann man die Kopfhaut schon recht gut erkennen.

Ich hab mir immer geschworen, dass ich mir niemals die letzten drei verbliebenen Haare quer über den Kopf kleben werde, nur um bloss keine Glatze zu haben. Besonders hübsch sieht diese "Frisur" dann immer nach einem Windstoss aus ... Rosalie hab ich daher gebeten, mich unbedingt zu warnen, sollte es irgendwann in diese Richtung gehen. Momentan macht mir auch meine Friseurin noch Mut und meint, es wäre noch nicht so weit.

Aber ich fürchte, der Tag wird kommen, an dem ich statt Shampoo das Staubtuch benutzen werde. Dann hat Procter & Gamble einen Kunden weniger. :)

Mittwoch, 21. Juni 2017

Sonnenwende

Nun werden die Tage also schon wieder kürzer! Wo ist das halbe Jahr nur geblieben? Sicher, laut Kalender beginnt jetzt erst der Sommer. Aber die Vorstellung, dass an jedem folgenden Tag die Sonne wieder früher untergeht, weckt das Gefühl in mir, dass die Zeit wahnsinnig schnell vergeht.

War es  nicht gerade erst kürzlich, dass wir beim Fondue auf das neue Jahr gewartet haben?

Ausserdem habe ich hier in der Schweiz sowieso das Gefühl, dass die Tage kürzer sind, vor allem später beginnen. Und tatsächlich - hättet Ihr gedacht, dass die Sonne in Bern rund 45 Minuten später aufgeht als in Berlin?

Der täglichen Erwärmung ist das derzeit "egal" - für die nächsten Tage sind jeweils 34°C vorhergesagt worden. Da mag man sich eigentlich gar nicht mehr bewegen. Zum Glück habe ich ab morgen frei bis zum kommenden Montag und kann mich dann entsprechend kleiden. Ins Büro in kurzen Hosen? Das überlasse ich den Kollegen, die halb so alt sind wie ich. In diesem Punkt bin ich dann doch eher konservativ und bevorzuge halbwegs seriöse Kleidung auf Arbeit - ohne Shorts und Flipflops. Und da es im ganzen Haus klimatisiert ist, schwitze ich nur auf dem Weg bis zum Auto ...

Starten wir also in den längsten Tag!

Freitag, 16. Juni 2017

David und Goliath

Ich bin nicht so genau informiert, welche Vorschriften es in Deutschland gibt, wenn irgendwo neue Bauprojekte geplant werden. In der Schweiz läuft es so ab, dass mit der Einreichung eines Baugesuchs bei der Gemeinde dort, wo das neue Gebäude erbaut werden soll, Profile aufgestellt werden müssen, die den genauen Massen des künftigen Objektes entsprechen. Somit kann man sich auch optisch vor Ort ein gewisses Bild dessen machen, was einen erwartet.

Als Einwohner hat man nach Veröffentlichung im Amtsblatt dann in der Regel zwei Wochen Zeit, um die Pläne einzusehen und Einsprache zu erheben. Werden solche Anträge fristgerecht abgegeben, ist das Verfahren dann erst einmal gestoppt. Die Argumente werden den Behörden vorgelegt, die dann ihrerseits Gutachten erstellen, die positiv oder negativ sein können. Bei negativen Gutachten erhält der Bauher die Gelegenheit, die Mängel nachzubessern, bei positiven Gutachten wird der Einsprechende informiert und kann dann entscheiden, seine Einsprache weiter zu ziehen oder zurück zu nehmen.

Nun haben wir (leider) gegenüber unseres "Häuschens" gleich vier solcher Bau- oder besser Spekulations-Projekte, die darauf warten, das gesamte Dorf zu verschandeln. Gegen alle vier haben wir Einsprache erhoben und damit das Verfahren schon mal um viele Monate verzögern können. Allerdings haben wir auch viele Stunden investiert, um diese Schreiben mit Fakten, sachlichen Fragen und Argumenten zu untermauern. Das Verrückte dabei ist, dass uns während der Recherchen Dinge aufgefallen sind, die eine Fach-Behörde eigentlich innerhalb von Sekunden hätte erkennen müssen. Und trotzdem sind alle Projekte gut geheissen worden.

Da stellt man sich irgendwann die Frage, woran das liegen mag? Kein Interesse, keine Ahnung oder ist gar Geld geflossen? Ich weiss nicht, was schlimmer ist, aber es macht uns fassungslos. Gerade kam wieder ein Dossier mit diversen positiven Gutachten, obwohl weiterhin in den Plänen grundlegende Verstösse gegen Vorschriften zu erkennen sind. Und wieder haben wir sämtliche Gutachten auseinander genommen und die Argumente darin widerlegt.

Nun soll auch noch still und heimlich ein riesiger alter, geschützter Baum einfach so gefällt werden dürfen, ohne dass es eine Begründung dazu vom Bauherrn geben würde. Was ist da nur los in den Amtsstuben ...

Zum Glück stehen wir nicht allein da mit unserem Bemühen. Wenigstens zwei weitere Familien kämpfen gegen die Behörden und versuchen, das fast Unvermeidbare doch noch zu verhindern. Ein paar Monate dürften wir nun wieder gewonnen haben, aber ausgestanden ist es noch lange nicht. Die nächste Runde kommt bestimmt ...

Freitag, 2. Juni 2017

Zangengeburt

Es wäre irgendwie zu einfach, wenn mal etwas ohne Widerstände und Pannen funktionieren würde.

Gestern sollte unser neuer Kühlschrank geliefert werden. Mit dem Händler war vereinbart, dass der Lieferant am Nachmittag erscheinen sollte. Dafür kamen am Vortag gleich 2 SMS mit unterschiedlichen Zeiten: 12-15 Uhr 13-15 Uhr. Nun gut, beides nicht gerade "Nachmittag", aber Rosalie wollte sich entsprechend einrichten und früh Feierabend machen.

Um 11:01 klingelte zu Hause das Festnetz (ich werde per Mail informiert). Ich vermutete, dass die Lieferfirma sich anmelden wollte. Dann schrieb mir Rosalie, dass sie eine SMS erhalten hätte mit der Ankunftszeit des Monteurs zwischen 11:10 und 11:40 Uhr - da war sie natürlich noch im Büro. Sie rief daraufhin die Hotline an und konnte den Monteur erreichen. Der meinte, das würde alles gar nicht gehen, sie seien nur zu zweit und würden das schwere Ding nicht nach oben tragen, ausserdem sei ja niemand vor Ort gewesen.

Meine Liebste wies darauf hin, dass das alles nicht ihr Problem sei, schliesslich war alles richtig im Auftrag vermerkt, auch die Lieferzeit! Dann brach das Gespräch ab.

Kurz danach rief wieder die Firma an und entschuldigte sich mit der Frage, wann denn nun geliefert werden könne. Rosalie bestätigte, dass sie, wie vereinbart, ab 13 Uhr anwesend sein werde. Es verging aber eine halbe Stunde, und es kam - niemand. Meine Liebste musste wieder die kostenpflichtige Nummer anrufen. Die Dame von der Hotline versuchte, den Fahrer zu erreichen, aber vergeblich. Sie hinterliess eine Nachricht und meinte, man würde wieder anrufen.

Ich hatte mir eine Frist bis 15 Uhr gesetzt, dann wollte ich persönlich in den Laden fahren und den Filialleiter verlangen. Dazu kam es aber zum Glück nicht. Um 14:46 kam die nächste SMS, dass das Gerät in der nächsten halben Stunde ankommen würde. So war es dann auch. Diesmal kamen gleich drei Leute mit drei Autos, in einem davon war das neue Kühlgerät.

Also das alte die Treppe hinunter und das neue hinauf ... Leider nicht, denn trotz Demontage der Lampe im Flur steckte der Karton des neuen Kühlschranks auf der Treppe fest. Oh man. Mit Schieben, Drücken und viel Kraft brachten es die drei dann schliesslich doch noch in den ersten Stock.

Und nun steht es da, das neue Schmuckstück, vor der Wand, die mein Schatz aus diesem Anlass auch gleich noch neu gestrichen hat. Schick sieht es aus, und wir hoffen, dass es uns nun lange Freude macht, anstatt nur zu brummen und Energie zu verschwenden.

Dienstag, 30. Mai 2017

Wasser ist zum Waschen da

... wenn man denn welches hat ...

Unser Haus wird einzig durch eine sehr ergiebige Quelle mit Wasser gespeist. Klingt toll, und das ist es im ersten Moment auch. Aber mit so einer Quelle geht man auch Risiken ein: Was, wenn die Leitung kaputt geht? Was, wenn das Wasser verunreinigt wird? Was, wenn der zweite Rechte-Inhaber plötzlich etwas "mauschelt" und man selbst nicht mehr genug Wasser bekommt? Was, wenn die Quelle sich plötzlich andere Wege sucht?

Mit all diesen Fragen müssen wir uns nun, genauer gesagt heute mal wieder beschäftigen. Der zweite Rechteinhaber, der über all das Wasser verfügen kann, was wir nicht brauchen, möchte gern einen Brunnen für Tiere installieren. Abgesehen davon, dass wir davon nur zufällig erfahren haben und unsere Bedenken äusserten, hat man sich nun zumindest darauf geeinigt, dass der neue, zusätzliche Abzweig der Leitung mit einem Schieber versehen wird, damit im Falle, dass wir danach zu wenig Wasser im Haus haben, diese neue Leitung gleich wieder stillgelegt werden kann.

Aber so eine Quelle mit Brunnenstube und langer Wasserleitung ist ein sensibles Gebilde. Da für die Zeit der Bauarbeiten die Hauptleitung zugedreht werden muss, besteht immer ein Risiko, dass das Wasser danach nicht mehr so fliesst wie bisher. Für uns wäre das fatal, denn wir sind nicht an die Wasserversorgung des Ortes angeschlossen, hätten damit im schlimmsten Fall ab heute keinen Tropfen Wasser mehr und auch der Teich wird dann nicht mehr versorgt.

Meine Liebste wird, soweit zeitlich möglich, die Arbeiten ein wenig beaufsichtigen, aber im Grunde können wir nicht viel mehr tun als zu hoffen, dass alles gut geht und das Quellwasser nach Abschluss der Bauarbeiten so ergiebig sprudelt wie zuvor. Ansonsten haben wir ab heute Abend ein riesiges Problem ...

Mittwoch, 24. Mai 2017

Neuer "Mitbewohner" kündigt sich an


Es ist lange her, seit wir uns auf die Suche begeben haben nach einem neuen Kühlschrank. Nun hat der Countdown begonnen, alea iacta est!

Das bisherige Modell haben wir von den Vorbesitzern übernommen. So ein Food-Center ist an sich eine feine Sache - man hat wahnsinnig viel Platz. Aber wenn man sich oft in der Küche aufhält, dann sollte das Gerät nicht jegliche Konversation verhindern, indem der Motor fast ohne Pause läuft und noch dazu ein Brummen von sich gibt, das einem den letzten Nerv raubt.

Alle Tipps im Netz halfen nichts, das Geräusch blieb. Also musste endlich ein neues Modell her. Leider ist die Auswahl in der Schweiz deutlich geringer als z. B. in Deutschland (warum eigentlich, wo sich doch nur der Stromstecker von Deutschland unterscheidet?). Nach einiger Überlegung sollte es wieder so ein schickes Food-Center werden. Das schränkte die Auswahl nochmals ein.

Nachdem wir uns erst auf ein Gerät von LG fixiert hatten, fiel die Wahl nach eingehender Fach-Beratung nun doch auf Samsung. Vor allem leise sollte das neue Teil sein und möglichst wenig Strom verbrauchen. Und da die Kinder die Angewohnheit haben, den Kühlschrank alle paar Minuten nach etwas Essbarem oder Süssgetränken zu checken, ist eine Door-in-Door-Variante durchaus auch ein cooles Feature! Und ein Wasser- und Eisspender! :)

Auf die von mir gewünschte Anzeige der Ist-Temperatur musste ich leider verzichten, denn die ist nach wie vor, so bestätigte auch der Fach-Berater, offenbar ein technisches NoGo. Wir werden also weiterhin Plastik-Thermometer für 3 Euro nutzen, um zu sehen, ob das, was wir draussen eingstellt haben, auch tatsächlich drinnen passiert.

Nächsten Donnerstag werden wir den neuen Mitbewohner zu Hause begrüssen dürfen. Die Lieferfirma ist nicht zu beneiden - 160 kg ins OG zu wuchten, macht sicher keinen Spass. Aber dafür werden sie immerhin gut bezahlt. Und wir haben dann eeeendlich Ruhe in der Küche.Gut, im Sommer halten wir uns häufig draussen auf und weniger in der Küche, aber der nächste Winter kommt bestimmt.

Allen, die wie wir dank Brückentag vier freie Tage am Stück geniessen können, wünsche ich ein tolles langes Wochenende! Den morgigen Feiertag, der in der Schweiz Auffahrt heisst, kennt man hier nicht so wie in Deutschland als inoffiziellen Vatertag. Macht nüscht - Hauptsache frei! :)