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Mittwoch, 17. Juli 2019

Schwer zu erklären

Am Wochenende habe ich mit meinem Vater telefoniert. Einmal mehr fragte er mich, ob es denn Neuigkeiten oder noch besser Fortschritte bei Rosalies Scheidung gebe, was ich verneinen musste. Er konnte das gar nicht fassen und ich tue mich schwer, ihm das überhaupt noch mit einfachen Worten zu erklären.

Das Ganze ist irgendwie völlig aus der Spur geraten und dümpelt jetzt vor sich hin. Und das, obwohl keine Woche vergeht, in der nicht Post von Rosalies Anwalt eintrudelt. In dieser Woche war es das Fortsetzungsbegehren an das Betreibungsamt. Der Ex weigert sich ja zum wiederholten Mal, die vom Gericht festgesetzten Alimente zu zahlen. Bereits im letzten Jahr musste Rosalie daher das Gericht anrufen, um ihre Forderungen durchzusetzen.

Nun war es wieder soweit. Und erneut hat er, trotz seines Jammerbriefes an den Richter, wie böse und schlimm seine Ehefrau doch sei, kein Recht bekommen, und muss die ausstehenden Zahlungen plus  "Bonus" für Auslagen und Entschädigung von über 1000 Franken (!) an Rosalie überweisen. Was für ein Irrsinn - und völlig überflüssig. Wir fragen uns, was der Ex damit bezweckt, denn so langsam müsste er doch mal verstanden haben, dass er bei aller Jammerei gegen den Beschluss des Gerichts nichts unternehmen kann, da seine finanziellen Verhältnisse nun mal so sind, wie sie sind (nach Abzug der Alimente verbleibt ihm monatlich rund doppelt so viel Geld wie mir).

Doch das, so ärgerlich es scheint, ist eigentlich ja nur ein Nebenschauplatz. Das Scheidungsverfahren liegt auch brach aufgrund der Strafanzeige des Richters gegen den Ex. Hier warten wir derzeit auf eine Entscheidung, ob die Scheidung trotz dieser Anzeige weitergeführt werden kann oder nicht. Falls nicht, wovon wir ausgehen, könnte es Jahre dauern, bis es ein Scheidungsurteil gibt.

Das alles kann ich meinem alten Herren gar nicht begreiflich machen und versuche es auch gar nicht erst. Er ärgert sich halt einfach, aber das tun wir ja auch - vor allem über die Sturheit und Arroganz des Ex. Es hätte nie so weit kommen müssen, wenn er nicht standhaft der Meinung wäre, das ganze Geld gehöre ihm und er müsse nichts abgeben. Von seinem Anwalt lässt er sich offenbar nichts sagen, und nun sieht es so aus, als würde sich das bitter rächen. Helfen tut das niemandem, aber er ist leider nicht in der Lage, von seinem hohen Ross herunter zu kommen. Nun muss er das selbst ausbaden.

Mittwoch, 10. Juli 2019

Was nun?

Auf Arbeit weiss niemand, wie es weiter geht. Das Einzige, was deutlich zu erkennen ist: Chaos. Am Montag hatten wir unseren Team-Abschiedsabend. Wir haben quasi die Klassenkasse geplündert und waren nett essen. Das war gut. Auf Grund der Reorg wird es uns in Kürze in dieser Form nicht mehr geben. Einige sind schon weg, weitere werden folgen. Diejenigen, die im neuen Kader Jobs bekommen haben, stöhnen, weil es derzeit noch nicht einmal ein Büro für sie gibt! Was für eine peinliche Vorstellung. Darüber hinaus war man wohl der Meinung, erst mal Kaderstellen zu schaffen und sich erst danach zu überlegen, wie die Verantwortlichkeiten aussehen werden. So nervt sich mein ehemaliger Chef, dass er mit Dingen bombardiert wird, für die er seiner Meinung nach gar nicht zuständig wäre ...

Das Gute ist: Das bleibt mir erspart. Aber es ist völlig offen, was aus mir hier werden wird. Die Zwischenzeugnisse sind wohl so gut wie fertig. Wenn ich meines in der Hand habe, werde ich mich mal "draussen" umsehen. Vielleicht bietet sich irgendwo eine neue Chance, bevor ich hier verheizt werde.

Stillstand auch bei Rosalies Scheidung. Der Richter muss aktuell entscheiden, ob das ganze Verfahren bis zur Klärung durch die Staatsanwaltschaft ausgesetzt wird oder nicht. Ihr Ex ist natürlich dagegen, wir dafür - denn ohne den Vermögenswert von ihm zu kennen, macht eine Scheidungsverhandlung wenig Sinn. Ob es dazu vor den Gerichtsferien noch etwas zu lesen geben wird, muss man abwarten.

Gestern Abend haben wir unter Tränen unser Weisspfötchen beerdigt. Abgesehen von der traurigen Situation war es ziemlich unangenehm, denn der Geruch des Kadavers war schon ziemlich stark, selbst durch die Masken, die wir dabei trugen. Nun hat der arme kleine Kobold seine letzte Ruhe dort gefunden, wo er in den letzten Monaten so gern gewesen ist - bei uns im Garten. Es fehlt nur noch ein schöner Stein mit seinem Namen. Die Stimmung und das Verhalten der Katzen sind immer noch spürbar verändert. Ich bin gespannt, ob das so bleiben wird oder sich wieder "normalisiert". Jedenfalls wird der Futterverbrauch nun deutlich zurück gehen ohne den süssen Racker ...

Noch gut ein Monat, dann wird mein Papa uns besuchen. Der Gedanke, dass dies mit ziemlicher Sicherheit das letzte Mal sein wird, macht mich auch nachdenklich. Auf der anderen Seite bin ich froh, dass es ihn noch gibt. Schliesslich wird er schon 79, ein Alter, das Rosalies Vater längst nicht erreicht hat. Wir werden ihm hier in der Schweiz noch drei schöne Tage bereiten, an die er sich dann noch lange erinnern kann.

Mittwoch, 26. Juni 2019

Stop or go

Gestern lief einmal mehr eine Frist ab. Zur Erinnerung: Der Ex von Rosalie ist bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden. Für den Richter im Scheidungsverfahren ist das ein berechtigter Grund, um dies Scheidung auszusetzen, bis der Ex entweder verurteilt oder frei gesprochen wurde.

Der Ex und sein Anwalt sind nach wie vor - zumindest öffentlich - der Meinung, man müsse sich ja überhaupt keine Gedanken machen, alles würde gut und deshalb könne man doch jetzt schnell mal scheiden und das Finanzielle auslagern und später regeln.

Das sehen Rosalie und ihr Anwalt ganz anders, denn gerade das Finanzielle ist substanziell im Scheidungskrieg und entscheidend dafür, dass bisher keine Einigung zustande kam. Schliesslich geht es um die Vermögensaufteilung, nachehelichen Unterhalt usw. Wie will man darüber befinden, wenn nicht klar ist, wie gross das Vermögen überhaupt ist und wie viel davon der Ex hat verschwinden lassen?

Gestern lief die Frist zur Stellungnahme ab. Den bisherigen Äusserungen des Richters zufolge würde ich mal davon ausgehen, dass der in diesem Fall gern Rosalies Argumentation folgt und das Verfahren sistiert, da er keine Lust auf den ganzen "Mist" hat. Wenn es dazu nun kommt, wird der Ex einmal mehr im Dreieck springen und vor Wut toben, aber das hat er umsonst. Aussergerichtliche Einigungen sind ja trotzdem zu jedem Zeitpunkt möglich, und wenn ihm wirklich daran liegt, geschieden zu werden, müsste er nur mal ein vernünftiges Angebot machen. Ich gehe aber nicht davon aus, dass das passieren wird. Und so könnte nun für Monate oder gar Jahre Stillstand eintreten. So lange, bis die Staatsanwaltschaft die Anzeige geprüft hat und entweder ein Verfahren anstrengt oder die Angelegenheit zu den Akten legt.

Dienstag, 14. Mai 2019

Schatten der Vergangenheit

Gestern wurde ich - oh Wunder - tatsächlich noch zu einem Vorstellungsgespräch für den Job, der meinen beruflichen Erfahrungen am meisten entspricht, eingeladen. Eigentlich wollte nur der Chef des Bereichs anwesend sein, aber er brachte dann doch noch eine weitere Person, die sich als externer Coach vorstellte, mit.

Die Beiden spielten dann so etwas wie good cop, bad cop. Während der Chef mich ständig anlächelte und die "netten" Fragen stellte, stocherte der Externe in meinem Lebenslauf und in den Zeugnissen herum und versuchte, Ungereimtheiten aufzudecken. So meinte er, dass das Zeugnis der Behörde ja sehr passiv sei und gar nicht viel drin stehen würde.

Ja, es ist halt Behördeneutsch, und ich musste das Werk damals auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin zwei Mal ändern lassen, weil es davor noch schlimmer war. Nicht nur, dass Begriffe und Abkürzungen verwendet wurden, die man ausserhalb der Behörde und erst recht in der Schweiz gar nicht kennt: Es wurde z. B. auch eine Form des "Codes" benutzt, die unterstellt, ich würde im Büro ständig nach sexuellen Kontakten zu Kolleginnen suchen. So ein Fauxpas sollte natürlich einem HR-Bereich nicht passieren, ist aber vielleicht kein Wunder, denn Zeugnisse schreibt man in der Behörde eher selten. Wer einmal da ist, geht in der Regel nicht mehr. Ganz viele machen ihre Ausbildung dort und bleiben bis zur Rente.

Das macht den Laden zu einem trägen, verstaubten Haufen. Und die strengen Hierarchien führen ebenfalls dazu, dass nur ganz wenige die Chance erhalten, überhaupt irgendeine Karriere zu machen. Es ist nämlich zum Beispiel so, dass sich ein "Zuarbeiter" nicht auf eine Dezernentenstelle bewerben kann, selbst wenn er die fachlichen Voraussetzungen mitbringen würde. Neben der fachlichen Qualifikation wird immer auch die zumindest zweijährige Tätigkeit in der unmittelbar darunter liegenden Hierarchie-Stufe verlangt. Man muss also die lange Kette durchlaufen, um irgendwann mal in eine Stelle wechseln zu können, die vielleicht auch Personalführung beinhaltet.

Genau das war gestern auch eine Frage vom bad cop. Die ausgeschriebene Stelle beinhaltet nämlich Personalführung, und der Vorwurf war, dass ich das ja bisher noch nie gemacht hätte. Die Frage, warum nicht und warum jetzt war dann halt nicht so leicht zu beantworten und für einen Schweizer offenbar kaum nachvollziehbar. Dabei habe ich für Behördenverhältnisse schon eine steile Karriere hinter mir von der "Registraturkraft" zum "Hauptsachbearbeiter". Das schafft fast niemand, und ohne Unterstützung durch Führungskräfte und ein wenig Vitamin B ist es auch kaum möglich.

Das alles interessierte aber nicht, stattdessen kam mehrfach die Frage nach dem "warum nicht früher".

Ich kann verstehen, dass man in der Position natürlich möglichst die perfekte Person mit Führungserfahrung und super fachlicher Qualifikation sucht. Es ist aber wie schon bei der anderen Stelle die Crux, dass man Menschen auch die Chance geben sollte, Erfahrungen zu machen - wie will man sich sonst weiter entwickeln? Jede Führungskraft hat mal angefangen, und nur weil ich schon die Fünf im Alter habe, geht das nicht mehr? Keine Erfahrung, also auch keine Entwicklung?

Es könnte gut sein, dass mir mein Behördendasein nun den nächsten Schritt verbaut, da es für Aussenstehende so aussieht, als hätte ich in den 13 Jahren nicht genug getan. Da reicht es vielleicht auch nicht, dass mein Chef-Chef sich letzte Woche persönlich dafür eingesetzt hat, dass ich eine Perspektive bekomme, nachdem er hörte, dass ich ein Zwischenzeugnis angefordert habe: "So einen guten Mann könne man doch nicht gehen lassen." Tja, vielleicht hätte er sich das früher mal überlegen sollen ...

Der "bad cop" bescheinigte mir abschliessend gestern immerhin, dass ich ein "Machertyp" sei. Ob das Argument genug ist, um mir eine Chance zu geben, werde ich vielleicht am Freitag wissen. Dann soll ich eine erste Rückmeldung bekommen.

Momentan bin ich eher skeptisch, was meine Zukunft und vor allem meine berufliche Karriere hier betrifft. Dabei ist das eigentlich ein Irrsinn. Ich habe einen tollen Stand in den Kliniken und im Team, meine Arbeit wird sehr geschätzt, mein Chef hat mir eine super gute Beurteilung im letzten MAG vorgelegt, und gestern hat mir eine Mitarbeiterin sogar spontan eine Flasche Wein geschenkt, weil sie so zufrieden war mit meiner professionellen Unterstützung. Wenn das alles nicht genug ist, zählen hier wohl andere Werte, und dann muss ich mir überlegen, ob ich hier auf Dauer wirklich am richtigen Platz bin, zumal auch das Gehalt nicht sonderlich entschädigt.

Wir werden sehen.


Dienstag, 7. Mai 2019

Eine Farce

Wenn es nicht so ärgerlich wäre, könnte man sich im Grunde nur noch müde lächelnd an den Kopf fassen bei so viel geballter Inkompetenz. Die Rede ist vom Richter in Rosalies Scheidungsprozess.

Rückblick: Rosalie hatte Monate aufgewendet, um mühevoll jeden Beleg zu dokumentieren, aus dem die ungeheuerliche Geldverschwendung ihres Ex hervor geht. Diese Beweise wurden dem Gericht vorgelegt. Der Richter fühlte sich jedoch nicht in der Lage (!), diese vielen Ordner zu sichten und bestimmte eine neutrale Person als Gutachter.

Jedoch weigerte sich der Richter, diesem Gutachter die Beweise auszuhändigen. Stattdessen sollte der die gesamte Buchhaltung nochmals auf Unregelmässigkeiten prüfen. Eine Ermahnung durch Rosalies Anwalt diesbezüglich liess er einfach unbeantwortet.

Schon damals haben wir uns über dieses ignorante Verhalten sehr geärgert, aber dann notgedrungen abgewartet. Es kam aber so wie befürchtet: Ein fünfstelliger Betrag ist verbraucht worden und kein Ergebnis vorhanden. Eine Unverschämtheit. Rosalies Anwalt forderte über den Richter den Gutachter auf, eine genaue Aufstellung der aufgelaufenen Kosten und geleisteten Arbeiten abzugeben. Die kam dann auch und brachte zum Vorschein, dass der Gutachter zwar keinen Kontakt mit Rosalie haben durfte, aber Stunde um Stunde mit ihrem Ex und dessen Anwalt zusammen sass.

Ausserdem trat er keinesfalls als Person auf, sondern zog viele Stunden lang seinen Chef, selbst Anwalt, mit hinzu. Dies war jedoch weder beantragt noch genehmigt worden. Doch kein Wort davon vom Richter zu dieser Abrechnung. Stattdessen forderte er Rosalie auf, einen weiteren, noch höheren Vorschuss zu leisten, damit der Gutachter weiter machen könne.

Ein unglaublicher Vorfall. Also musste wieder Rosalies Anwalt ran. Unkonventionell und weil er die Nase voll hatte vom Richter, hat er eigenmächtig die Prozessschriften und Beweise dem Gutachter geschickt und zugleich die Abrechnung beim Richter gerügt.

Um sein Gesicht zu wahren, forderte der Richter unmittelbar darauf den Gutachter auf, diese Unterlagen sofort zurück zu senden, da dies von ihm nicht genehmigt sei. Gleichzeitig räumte er jedoch ein, dass die Hinzuziehung des Chefs vom Gutachter nicht rechtens sei und er sich vorbehalte, die Rechnung zu kürzen.

Und das ist ja wohl der Gipfel: Wie kann es sein, dass der Richter die Abrechnung erst moniert, nachdem ihn Rosalies Anwalt ausdrücklich darauf aufmerksam machte?? Nicht nur, dass der Richter es versäumt, mit den Geldern der Klienten verantwortungsvoll umzugehen. Die Rüge vom Anwalt kostet Rosalie wieder mehr als 1000 Franken, und das nur, weil der Richter seine Arbeit nicht macht! Von diesem Geld sieht sie keinen Rappen wieder. Sie bezahlt für die Dummheit des Gerichts.

Bei so viel Ignoranz und Gleichgültigkeit kann man leider den Glauben an den Rechtsstaat verlieren, zumal man dem zu weiten Teilen hilflos ausgeliefert ist, erst recht, wenn man nicht die nötigen finanziellen Mittel hat, um sich dagegen aufzulehnen.

Es ist zum Verzweifeln, dass alles, was schief laufen kann, auch wirklich schief läuft. Und dabei hat man den Eindruck, dass alles viel einfacher sein könnte, wenn nur der Richter seine Arbeit machen würde.

Es ist eine Farce.


Donnerstag, 2. Mai 2019

Gierige "Regierungen"

Die Struktur aus Bund, Kantonen und Gemeinden in der Schweiz mit ihren ausgeprägten eigenen Kompetenzen ist für deutsche Verhältnisse schon ungewohnt. Das fängt bei den sehr unterschiedlichen Feiertagsregelungen an (es gibt nur einen gesetzlich festgelegten Tag für die ganze Schweiz, das ist der Nationalfeiertag, alle anderen Feiertage legt der Kanton fest), und hört bei den völlig unterschiedlichen Steuern auf.

Man zahlt hier Bundessteuern, die sind natürlich einheitlich. Darüber hinaus Kantonssteuern und Gemeindesteuern. Und da fangen die grossen Unterschiede schon an. Jeder Kanton legt seinen Steuersatz selbst fest, und jede Gemeinde auch. Damit kann es sein, dass zwei benachbarte Gemeinden extrem unterschiedliche Steuersätze haben. Die Gemeindesteuern betragen einen bestimmten Prozentsatz der Kantonssteuern, die Schwankungen sind enorm. Es gibt Gemeinden mit 60%, wir liegen bei schon recht hohen 85% der Kantonssteuern.

Dies haben wir der letzten Fusion zu verdanken. Die Schweiz ist bemüht, die Anzahl der Gemeinden zu verringern, in dem sie die Kantone drängt, einzelne Dörfer und Städte verwaltungstechnisch zusammen zu legen. Grundsätzlich ist das sicherlich eine gute Idee, aber die Gefahr ist, dass einzelne Gemeinden dabei unter die Räder kommen. Man kann eben nicht mal eben so relativ grosse Städte einfach mit ganz kleinen Gemeinden in der Nähe zusammen legen und denken, es wird für alle ein Gewinn. Genau das hat man den Einwohnern in unserem Dorf versprochen, und trotz aller Bedenken und Warnungen verschiedener Menschen, auch von uns, hat sich letztlich eine Mehrheit für die Fusion ausgesprochen, weil sie den tollen Visionen geglaubt hat.

Davon ist leider, wie zu erwarten war, nichts übrig geblieben. Unser Dorf spielt in der grossen Stadt so gut wie keine Rolle, die Verwaltung gleicht alle Reglemente Schritt für Schritt an, ohne auf die besondere Situation der Dörfer in irgendeiner Weise Rücksicht zu nehmen. Und natürlich wird alles teurer. Als Erstes wurde gleich mal die Grundsteuer verdoppelt und in der Höhe damit der grossen Stadt angepasst. In der Stadt sind natürlich die Parzellen in der Regel kleiner, weil verdichtet gebaut wird. In den historischen Dörfern hatten und haben die Bauernhöfe schon immer mehr Fläche gehabt, die sie natürlich auch benutzen. Interessieren tut das niemanden in der Verwaltung - eine Gemeinde, ein Steuersatz, fertig.

Genauso zeichnet sich das nun beim Abwasser ab. Rosalie kam gestern völlig genervt von der Info-Veranstaltung zurück. In unserem Dorf galt bisher eine durchaus faire Regelung, die bei der Grundgebühr im Wesentlichen auf die Anzahl der Wohneinheiten abstellte. Macht ja auch Sinn - je mehr Menschen auf einem Grundstück wohnen, desto mehr Abwasser wird produziert.

Davon will man nun plötzlich nichts mehr wissen. Neu soll jetzt nach Fläche bezahlt werden. Nach Fläche!! Heisst, wer einen grossen Garten hat, wird bestraft mit Abwassergebühren - also Gebühren für Wasser, das im Garten versickert und im Grundwasser auf natürlichem Wege ankommt. Auch hier wieder die tolle Argumentation der Verwaltung: Das sei halt Pech und man könne ja die Fläche überbauen! Aber sicher, nichts leichter als das ... Und erneut hat man sich nur an der Stadt orientiert und die Besonderheiten von Dörfern völlig ignoriert. Für viele Einwohner könnte das dazu führen, dass sich die Gebühren mehr als verdoppeln, und das ohne irgendeine Gegenleistung!

Es gibt Gemeinden, wo man zumindest unterscheidet, ob ein Grundstück betoniert ist oder nicht. Das macht auch Sinn, denn in Beton kann Wasser nicht eindringen und landet in der Kanalisation. Aber ein Naturgarten, der Vorbild bei der Biodiversität ist, soll dafür noch Abwasser-Gebühren zahlen? In Zukunft muss also ein Paar genauso hohe Gebühren zahlen auf 1000 m2 Land wie die vielleicht zehn Bewohner eines Mehrfamilienhauses zusammen auf der gleichen Fläche. Was ist daran gerecht?

Leider war das Interesse an der Veranstaltung gestern sehr gering, sodass die Wenigsten wissen, was da auf sie zukommt. Vermutlich ist das dem Chef der Gemeinde auch völlig bewusst und er setzt darauf, dass durch Unwissenheit die neue Bestimmung ohne Proteste durchgewunken werden kann.

Dagegen hilft nur, die Bevölkerung mobil zu machen und aufzufordern, auf der nächsten Versammlung dagegen zu stimmen. Ob das gelingt, ist fraglich ...


Montag, 8. April 2019

Das Kleingedruckte

Wer kennt sie nicht: unendlich lang, verklausuliert, klein gedruckt - die AGB. Und wer liest sie schon? Man setzt den Haken auf der Webseite und fertig. Das kann auch mal ins Auge gehen.

So einen Fall hatte ich gerade. Zum Glück ist mir kein Schaden entstanden, es war nur mal wieder ein Hinweis darauf, dass man achtsam sein sollte, bevor man irgend etwas Verbindliches im Netz tut.

Kennt Ihr Quandoo? Diese Plattform bietet kostenlos Reservierungen in Restaurants an. Eine wirklich coole Sache. Man findet auf Goo*le Maps ein gutes Lokal, klickt auf "Reservieren", sucht sich eine freie Zeit aus und hat seinen Tisch gebucht. Das funktioniert super.

Da man bei der Buchung eine Mail-Adresse angeben muss, erhält man dann ein Mail mit der Bestätigung und dem Angebot, sich doch auf dem Portal anzumelden, denn dann würde man "Treuepunkte" sammeln, für jede Buchung 100 Punkte bekommen, und bei 1000 Punkten 10 Euro erhalten.

Nun ist das natürlich nicht der Hauptzweck dieses Portals, aber eine nette Geste. Also hab ich mich angemeldet und zur Begrüssung gleich 400 Punkte erhalten. Dazu noch ein paar Punkte für die abgegebenen Bewertungen.

Bei den folgenden zwei Besuchen in Berlin habe ich diese Möglichkeit wieder genutzt, weil es viel praktischer ist, schon von zu Hause aus einen Tisch zu buchen, als mühsam anrufen zu müssen. Auch gestern habe ich das wieder getan für unseren kommenden Trip. Diesmal bin ich aber nicht den Weg über Maps gegangen, sondern direkt über die App, weil ich schauen wollte, wie viele Punkte ich habe.

Und was sehe ich? Null Punkte. Wie das? Zunächst musste ich feststellen, dass die beiden letzten Buchungen zwar im Konto vermerkt waren, jedoch keine Punkte brachten. Das Buchen über Maps gilt nämlich nicht, man muss direkt über die App buchen. Steht nirgends, muss man halt wissen. Aber was ist aus den schon erworbenen Punkten geworden? Laut App wurden die vom Kundendienst am 1. März einfach gelöscht. Wie kann das sein?

Ich hab also dem Support geschrieben und darum gebeten, mir das zu erklären. Die Antwort kam schnell: Ich möge doch in den AGB unter Punkt 7.8 schauen (also "sehr" prominent): Alle Punkte vom Konto werden gelöscht, wenn man innerhalb von 180 Tagen keine Buchung getätigt hat.

Na toll. Mal davon abgesehen, dass nicht jeder in einer Grossstadt wohnt und längst nicht jedes Restaurant diesen Service anbietet, muss man also fleissig essen gehen, um die gross beworbenen Treuepunkte überhaupt nutzen zu können. Vom Verfall der Punkte steht natürlich auf der Website nichts - ausser in den AGB.

Es ist nur ein unbedeutendes Beispiel, aber es zeigt, wie schnell man unlauteren Werbeversprechen auf den Leim gehen und sich nicht einmal dagegen wehren kann. Schliesslich steht ja alles ausdrücklich in den AGB ...

Freitag, 5. April 2019

Die lieben Kollegen (58) - Frust

Nein, diesmal geht es nicht um mich. Ich hab hier derzeit alles im Griff und schaue gespannt, was sich in den nächsten Tagen und Wochen tut. Gefrustet ist meine Bürokollegin. Ich hab fachlich mit ihr wenig zu tun, aber wir haben den selben Chef.

Sie ist sicherlich keine ganz einfache Person, manchmal launisch, manchmal genervt. Aber sie vertritt ihre Meinung und hält damit nicht hinter dem Berg. Und genau DAS nimmt man ihr übel. Sie ist in der unschönen Position, verantwortlich für ein Programm zu sein, dass von Ärzten genutzt wird. Und diese Götter in Weiss haben oft ihre ganz eigenen Ansichten und Wünsche.

Nicht immer gehen diese Wünsche konform mit dem, was im Haus machbar oder gefordert ist. Wenn Zweifel da sind, benennt die Kollegin diese auch offen und widerspricht der Ansicht der Ärzte. Das Problem: Die gehen dann zu unserem gemeinsamen Chef, und der winkt das Ganze einfach durch.

Nun kann der das Kraft seines Amtes zwar tun, aber seine Kollegin dann wie ein dummes Schulmädchen dastehen zu lassen und sie noch als Querulantin darzustellen, ist ziemlich unsensibel und gehört sich nicht für einen Chef. Noch dazu kreidet er ihr das an und hat ihr daher in der letzten Beurteilung viele Minuspunkte gegeben, sodass sie diese nur unter Protest unterschrieben hat.

Sie möchte daher in jedem Fall hier weg, und da kommt die Reorg wie gerufen. Sie hat zwei Stellen gefunden, auf die sie sich bewerben möchte (andere als meine), und da ihre Muttersprache Französisch ist, habe ich ihr gestern angeboten, das Motivationsschreiben ein wenig zu überarbeiten und von Fehlern zu befreien.

Darüber hat sie sich sehr gefreut, und ich hab es gern gemacht - gehört schon während meiner gesamten beruflichen Laufbahn zu meinen "Kernkompetenzen". :-)

Die nächsten Wochen werden interessant. Es könnte sein, dass das ganze Team sehr schnell auseinanderfällt. Oder niemand von uns bekommt seine Lieblingsstelle und wir bleiben alle hier, bis man uns irgendwo anders unterbringt. Alles ist möglich ...

Donnerstag, 28. Februar 2019

Frage an BWLer

Überall muss gespart werden, das ist ja nichts Neues. Lohnerhöhungen - nicht in Sicht, Abbau von Stellen - nicht ausgeschlossen. Das alles ist nachvollziehbar, selbst für einen Laien im Bereich Controlling.

Was ich aber nicht verstehe: Warum wird hier im Hause so ein Gezeter wegen Überstunden gemacht? Angeblich ist das dem zentralen HR und Controlling ein Dorn im Auge, und zwar nicht, weil vermutet wird, dass zu viel Arbeit für zu wenig Leute vorhanden ist, sondern weil es sich bei den Stunden um eine grosse Menge Geld handelt, die man im Budget vor sich her schiebt. Und das verstehe ich nicht. Schliesslich werde ich nicht auf Stundenbasis bezahlt, sondern erhalte ein festes Gehalt. Wie soll sich da ein Stundenguthaben auf die Finanzen der Firma auswirken? Was spielt es im Controlling für eine Rolle, ob ich nun 20 oder 50 Überstunden habe? Wenn ich dann mal zwei Tage zu Hause bleibe, ist alles wieder gut?

Ich kann das nicht nachvollziehen. Also vielleicht liest hier jemand mit, der mir das mit einfachen Worten erklären kann ...?

Merci. :-)

Dienstag, 26. Februar 2019

Die lieben Kollegen (54) - Der nächste Paukenschlag?

Zur Erinnerung: Bis zum Mai 2017 war ich der neueste Kollege in unserem dreiköpfigen Team. Dann ging (endlich) einer der beiden anderen und ein frischer Kollege kam dazu. Nach ein paar Startschwierigkeiten habe ich ihn inzwischen ganz gut "erzogen" und es läuft mit uns.

Im Dezember wurde der zweite Kollege raus geschmissen und ein neuer Mitarbeiter gesucht. Der fängt nun am kommenden Freitag an und damit wäre das Team komplett.

Wäre ... Gestern Nachmittag wollte mein Teamkollege unbedingt mit unserem Chef sprechen. Noch bevor die Tür zu dessen Büro geschlossen wurde, ahnte ich, worum es gehen könnte, und als mein Kollege anschliessend nach einem freien Tag fragte, war es mir klar: Er bewirbt sich auf eine andere Stelle bei einer anderen Firma! Aus seiner Sicht nachvollziehbar, denn die Perspektive hier ist ungewiss durch die Reorg, und das Gehalt ist im Vergleich zur Privatwirtschaft jämmerlich. Dass man sich da mit 25 noch entwickeln möchte, ist völlig normal.

Und so wird er also nächste Woche Donnerstag fehlen und sich bewerben. Wenn das klappt, sind wir ab Sommer wieder nur noch zu zweit. Mit anderen Worten - ich sässe dann mit einem fast noch neuen Kollegen allein hier. Dazu passt ja bestens die Ansage vom Chef, ich möge meine Überstunden abbauen. Daraus würde dann wohl vorläufig nichts.

Die äusserst mickrige Bezahlung ist derzeit das Einzige, was mich an dem Job hier ärgert. Ich bin es zwar mein Leben lang gewohnt, mit wenig Geld auskommen zu müssen, aber wenn ich sehe, wie Anderen hier Pöstchen zugeschoben werden, dann muss ich mir überlegen, ob das momentan wirklich der Job ist, den ich bis zur Rente ausüben möchte. Leider ist es mit über 50 nirgends leicht, eine Stelle zu bekommen. Lohnerhöhungen, wie man sie aus Deutschland kennt, sind hier aber leider so gut wie ausgeschlossen, sodass man durch die Inflation im Laufe der Zeit ohnehin schon immer weniger übrig hat. Im Grunde bleibt einem also nur, weiter zu ziehen, wenn man die Möglichkeit hat.

Vielleicht sollte ich mal ein Zwischenzeugnis beim Chef einfordern und signalisieren, dass ich nicht gewillt bin, hier für einen "Hungerlohn" bis ans Ende meiner Tage zu bleiben.

Dienstag, 29. Januar 2019

Französisch kann ich gut

... aber mit der Sprache hapert es! Dieser nicht ganz jugendfreie Spruch fiel mir gestern Abend ein, als ich in dem Französisch-Kurs sass.

Schon bei der Ankunft war ich ein wenig verwirrt und schaute schnell noch mal auf die Anmeldebestätigung, ob ich auch an der richtigen Stelle zum richtigen Zeitpunkt war. Einige der Teilnehmer unterhielten sich munter auf französisch, alle wurden von den Dozenten ebenso begrüsst. Ich war verwirrt, nahm aber erst mal gespannt Platz auf den Kinderstühlen.

Als alle da waren (etwa 20 Personen jeder Altersgruppe) nahm das "Unheil" seinen Lauf. Die beiden Dozenten, ein Ehepaar, stellten sich und den Kurs vor - in fliessendem Französisch! Ich verstand meist nur Bahnhof und schaute verlegen in die Gesichter um mich herum, die mal nickten, mal schmunzelten zu einem vermeintlichen Joke der Dozentin.

Dann bat man uns, sich vorzustellen mit Name, Alter, Wohnort, was man mag, was nicht, was man in der Freizeit tut ... Wie, was? Wollen die mich hier veralbern, ist das "Versteckte Kamera"? War es nicht, und zu meinem erneuten Erstaunen konnten sich alle Teilnehmer mehr oder weniger sicher ausdrücken. Ich war zum Glück nicht als Erster dran, konnte einige Brocken von den Vorrednern übernehmen und schlug schnell zwei Vokabeln im Handy nach. Somit hatte ich diese Blamage abwenden können. Meine Rettung war, dass ich in der Vergangenheit mit der App Duolingo ein wenig was gelernt hatte und damit zumindest im ganzen Satz sprechen konnte.

Nun folgten zwei Tests, um das Niveau der Klasse einschätzen und den Kurs beim nächsten Mal in zwei Teile aufteilen zu können. Zunächst ein Hörtest. Dabei wurden Phrasen vorgelesen, die man dem entsprechenden Bild zuordnen musste. Hier habe ich völlig versagt. Das Lustige: Ich hab den Test hier am Abend Rosalie gezeigt, und selbst sie kannte zwei Wörter nicht. Und das soll ein Anfänger-Kurs sein? Aber macht Euch selbst ein Bild, und wer alles übersetzen kann, dem sei gratuliert!

Danach gab es noch einen schriftlichen Test. Hierbei musste man Antworten oder Wortergänzungen zu gegebenen Sätzen per Multiple Choice finden. Das fiel mir etwas leichter, aber bei den 20 Fragen wusste ich auch längst nicht alle Antworten.

Am Ende der Veranstaltung habe ich versucht, mit den Dozenten zu sprechen, was ziemlich schwierig war, da sie kaum deutsch verstehen. Wir hatten die Idee, dass ich nächsten Montag doch noch einmal erscheinen solle, um dann zu sehen, wie hoch das Niveau der anderen Teilnehmer in meiner Gruppe wäre. Aber ich habe grosse Zweifel, ob sich das lohnt. Ich bräuchte einen Kurs, der bei Null anfängt, mir die Grundregeln der französischen Sprache beibringt, dazu die ersten einfachen Vokabeln, Zahlen usw. Wenn das alles schon vorausgesetzt wird, fehlt mir einfach der Anschluss. Das wäre so, als würde man mit einem Formel-1-Wagen ein paar Runden drehen, bevor man überhaupt das Anfahren und Kuppeln gelernt hat. Das halte ich nicht für zielführend, denn schon bei der App hat mich gestört, dass ich keine Erklärungen bekam, warum bestimmte Wörter gerade so und in einer bestimmten Konstellation benutzt werden.

Daher neige ich dazu, der Gemeinde zu schreiben, dass sie mich bitte vom Kurs abmelden sollen, da die Zielgruppe offensichtlich nicht dem entspricht, was angekündigt wurde. Schade, aber es wäre vergeudete Zeit.




Freitag, 25. Januar 2019

Prozess-Update

Wie erwartet, ist der Verhandlungstermin für nächste Woche abgesagt worden. Die Begründung des Richters klingt schwer nach Ausrede, aber egal - einen neuen Termin wird es frühestens im Frühling geben.

Wir warten noch auf den Donnergroll aus dem Hause des Ex. Bisher herrscht Schweigen. Das Gute ist, dass Rosalie keine Schuld trägt. Somit kann der Ex seine Wut höchstens beim Gericht auslassen und ihr nicht wieder vorwerfen, sie würde den Prozess blockieren.

Da er mit den Alimenten schon wieder drei Monate im Rückstand ist, dürfte der nächste Ärger schon vorprogrammiert sein. Aber das hat er sich selbst zuzuschreiben, und Rosalie wird keine Rücksicht mehr nehmen.

Donnerstag, 24. Januar 2019

Liegt Schilda in der Schweiz?

In der Schweiz werden bekanntlich vier Sprachen gesprochen. Am weitesten verbreitet sind dabei deutsch und französisch. Rosalie und ihre Kinder sind in der glücklichen Lage, beide Sprachen perfekt zu beherrschen, während ich bis vor kurzem kein Wort der französischen Sprache verstand.

Da wir nun aber im französisch sprechenden Teil wohnen, wäre das nicht ganz so schlecht, denn viele Einwohner können oder wollen keine andere Sprache sprechen. Daher habe ich schon vor vielen Monaten angefangen, über eine App Vokabeln zu lernen.

Das hat in der Tat geholfen, um zumindest ein wenig was verstehen oder lesen zu können. Doch das Sprechen ist immer eine grössere Herausforderung. Deshalb habe ich es begrüsst, dass unsere inzwischen offiziell zweisprachige Gemeinde jeweils Einführungs-Sprachkurse in beiden Sprachen anbietet.

Vor ein paar Wochen erhielten alle Haushalte Anmelde-Formulare. Etwas erstaunt stellten wir dabei fest, dass man für das Erlernen der deutschen Sprache den Info-Text auf deutsch gefertigt hatte, und genauso für den französischen Kurs auf französisch. Also genau falsch herum, aber nun gut, sicher ein Versehen ...

Jetzt kam die Anmeldebestätigung mit allen wichtigen Details zu Terminen und anderen organisatorischen Fragen. Und ich erhielt den Bogen auf - französisch! Wenn ich den lesen könnte, müsste ich ganz sicher keinen Kurs belegen, also was soll dieser Unsinn? Wer hat da im Gemeinderat sein Gehirn zu Hause gelassen beim Verfassen und Versenden des Textes? Oder soll das ein Test sein, ob man bereit ist, sich mit der Sprache gleich so richtig intensiv noch vor der ersten Stunde zu beschäftigen?

Rosalie konnte mir natürlich beim Übersetzen helfen, und nun weiss ich, dass am nächsten Montag die erste Lektion startet. Aber diese Aktion zeigt leider mal wieder, wie dilletantisch auf der Verwaltung gearbeitet wird und dass es offenbar sehr schwer fällt, selbst bei eigentlich einfachen Aufgaben logisch zu denken.

Sollte ich am nächsten Montag also allein im Klassenzimmer sitzen, liegt es wohl daran, dass die Anderen die Informationen leider nicht lesen konnten. :-)

Mittwoch, 23. Januar 2019

Gernzenlose Naivität

So langsam fehlen einem die Worte, wenn es darum geht, den Ex von Rosalie zu beschreiben. Eigentlich kann man sich inzwischen nur noch die Frage stellen, ob sein Verhalten pathologisch ist oder er einfach eine (miese) Show abzieht.

Offenbar seit Wochen erzählt er überall herum, und natürlich auch vor den beiden Kindern, dass er Ende des Monats geschieden sei. In jedem Mail an Rosalie beschwört er sie, natürlich "zum Wohle der Kinder", dass sie doch alles dafür tun möge, die Scheidung zu einem vernünftigen Ende zu bringen.

Das alles ist ja gut und schön und eine redliche Absicht (wenn sie denn ehrlich gemeint ist), aber die Prozesslage lässt eine Scheidung in der nächsten Woche überhaupt nicht zu. Und wir fragen uns, ob er, sein Anwalt oder beide das nicht begreifen wollen oder können?

Einen wesentlichen Teil der Verhandlungsmasse stellt das Thema Finanzen dar. Hierfür wurde ja eigens ein Gutachter beauftragt. Nur: Dessen Bericht liegt noch gar nicht vor! Worüber soll also verhandelt werden?

Bei so viel Einfalt ist sogar Rosalies Anwalt fassunglos und vergleicht die Intelligenz der Gegenpartei in einem bitterbösen Mail mit der eines Gummibaumes. Nicht fein, aber in diesem Fall fällt es wirklich schwer, sachlich zu bleiben. Man kann Rosalies Anwalt sicherlich Vieles vorwerfen: Empathielosigkeit, Raffgier, Kaltschnäuzigkeit. Aber in prozessualen Abläufen scheint er mir sehr sattelfest zu sein. Und daher hat er nun auch festgestellt, dass es zwar eine Voravisierung für den Verhandlungstermin gab, aber eine formale Einladung ausblieb. Ob das nun - mal wieder - ein Fehler des Gerichtes war oder aber diese Einladung, eben aufgrund des fehlenden Gutachtens, ganz bewusst nicht ausgesprochen wurde, wird er in einem Schreiben ans Gericht erfragen.

Da der Ex offenbar völlig von sich und der Lösung nächste Woche überzeugt ist, freuen wir uns jetzt schon auf das Gebrüll, das einsetzen wird, wenn er erfährt, dass es keine Verhandlung geben wird. Wir fragen uns auch, warum er so dermassen drängelt. Natürlich nerven ihn die Alimente und er hofft, danach nichts mehr zahlen zu müssen. Aber ist das alles, oder steckt mehr dahinter? Hat er Heiratspläne, damit ihm die Neue nicht wegläuft? Will er beruflich zurück dahin, wo er hergekommen ist, und kann das nur, wenn klar ist, dass er davon nichts abgeben muss?

Wie auch immer, seine Reaktion wird sicher nicht fein, wenn er das Schreiben vom Anwalt in den Händen hält. Aber nun sieht er einmal mehr, dass es nicht allein nach seinem Willen geht und er nicht (mehr) der Bestimmer in der Beziehung ist. Seine künftige Ex-Frau hält dagegen - und das ist gut so. :-)

Dienstag, 18. September 2018

Die lieben Kollegen (42) - Zu dumm zum Betrügen

Das Knie scheint genesen zu sein - vermutlich. Oder war es etwa doch nur ein Fake?

Der tolle Kollege hatte sich schon vor einiger Zeit für den gestrigen Montag provisorisch einen freien Tag reserviert. Da am letzten Donnerstag einige offene Fragen für ihn aufgelaufen waren und nicht klar war, ob und wann er denn nun wieder im Dienst erscheinen würde, fragte ich meinen Chef per Mail an und bat ihn zu klären, wann der Kollege wieder im Dienst sein wird. An meinem freien Freitag schrieb mein Chef zurück, dass er "ganz fest" davon ausgehe, dass der Kollege am Montag im Büro wäre und der eingetragene Tag natürlich hinfällig sei.

Tja, ich kenne den Kollegen wohl besser und es trat ein, was ich vermutet hatte: Gestern Morgen kam ein Mail, dass er noch krank sei und dann erst ab Dienstag wieder zur Arbeit käme. Was für ein Zufall, dass die Krankheit genau mit den freien Tagen überein stimmt! Dummerweise hat er diesmal, anders als sonst, seinen eingetragenen freien Tag nicht heimlich gelöscht - entweder hat er es vergessen oder gar nicht mehr gewusst, dass er den Tag schon eingetragen hatte. Wie auch immer: Diese Dummheit könnte nun vielleicht endlich mal Folgen haben. Mein Chef war gestern Vormittag zum Gespräch beim HR, genau wegen dieses erneuten Vorfalls. Leider wurden die genau identischen Ereignisse in letzter Zeit bisher nie dokumentiert, aber dieses erneute (geplante) Fehlen gestern ist wohl mehr als eindeutig Betrug.

Also mal ehrlich - wenn man schon beschei*en will, dann sollte man es wenigstens halbwegs clever anstellen. Aber das, was sich der Typ hier leistet, ist weder clever noch frech - es ist einfach strohdumm. In der Privatwirtschaft wäre er für dieses Verhalten jetzt auf der Strasse. Was nun hier passieren wird, bleibt abzuwarten. Ich bin schon froh, dass mein Chef das Verhalten nun wohl auch mal durchschaut hat. Alles Weitere liegt in seiner Hand.

Jetzt warten wir mal ab, ob er nun tatsächlich heute erscheint und immer noch den sterbenden Schwan spielt und durchs Büro humpelt (man erinnere sich: Angefangen hat es vor zwei Wochen diesmal damit, dass er schlecht geschlafen hatte, dann wanderte der Grund plötzlich ins Knie ...) oder wieder kerngesund ist. Ernst nehmen kann man ihn so oder so nicht mehr.

Freitag, 13. Juli 2018

Nichts Neues an der "Front"

Nachdem der Ex Anfang Juli mal wieder einen Jammerbrief verfasst hatte, sahen wir ihn Tage später in der VIP-Lounge des Open Air gemeinsam mit seiner Freundin, Kostenpunkt: 400 Franken. Man gönnt sich ja sonst nichts, wo man doch behauptet, kein Geld für die Alimente zu haben und im Supermarkt angeblich nur noch No-Name-Produkte kaufen zu können. Einmal mehr tischt er Rosalie Schuldner-Lügenmärchen auf.

Dem Amt hat er nun mitgeteilt, dass er "plane", die betriebenen Unterhaltszahlungen am 25. Juli zu überweisen. Was auch immer das genau bedeuten soll. Von den noch nicht betriebenen Alimenten bisher kein Wort. Lediglich die Zahlung für Juli kam pünktlich, und dann steht ja auch die Überweisung für August schon bald aus. Es wird also eng, wobei er ja im ersten halben Jahr genügend Geld gespart hat. Sofern er das nicht für seinen luxuriösen Lebenswandel verprasst hat, sollte ja der eine oder andere Franken vielleicht noch übrig sein.

Im Raum steht auch noch seine Forderung an Rosalie, sich an seinen Betriebskosten zu beteiligen! Das lehnt sie logischerweise komplett ab. Ob er versuchen wird, sie deswegen ebenfalls zu betreiben und sich damit zu rächen? Bei seinen "Realitätswahrnehmungsstörungen", wie es Rosalies Anwalt sarkastisch beschreibt, wäre das nicht auszuschliessen. Bei aller Einfältigkeit dieses Versuchs sollte er das vielleicht tatsächlich tun, denn wenn er damit erneut auf die Nase fällt, brächte ihn das womöglich doch mal zur Besinnung. Der eine oder andere Schlag auf den Hinterkopf soll ja bekanntlich hilfreich sein ...

Schönes Wochenende!

Dienstag, 26. Juni 2018

Die lieben Kollegen (32) - Chef müsste man sein!

Ich hab schon ein paar Mal von den teilweise "ungewohnten" Eigenheiten meines Chefs gesprochen. Gestern hat er mich einmal mehr etwas überrascht ...

Am kommenden Mittwoch findet das letzte und entscheidende Gruppenspiel für "Die Mannschaft" statt. Chef ist ein grosser Fussballfan und gemeinsam mit seinem Kollegen und Busenfreund besuchen sie vor allem auch immer wieder mal Spiele in England.

Nun sprach ich ihn darauf an, dass der Anpfiff des morgigen Spiels der Deutschen ja denkbar ungünstig sei für die berufstätige Bevölkerung. Seine spontane Antwort: "Da hab ich schon einen Terminblocker im Kalender - um halb vier bin ich weg!"

Schön für ihn, und ich? Bin ich vielleicht auch Deutscher und hätte das Spiel gern daheim auf der Couch gesehen? Kein Gedanke daran, und nach Hause kann ich nicht, dann wäre das Büro nämlich unbesetzt (bis auf den Neuen, der aber noch nicht allein bleiben kann).

Zum Glück ist unsere technische Büroausstattung für solche Fälle ziemlich genial - der zweite Monitor auf dem Schreibtisch und ein unbegrenzter Internetzugang machen es möglich, das Spiel auch im Büro zu sehen, ohne den Blick auf die Arbeit zu verlieren. Und wird es so spannend wie befürchtet, werde ich mich "rächen" und das gesamte Spiel im Büro anschauen.

Ist dann halt eine weitere Überstunde (von inzwischen rund 75) aber mir sowas von egal. Verheizen lasse ich mich hier nicht mehr.

Freitag, 15. Juni 2018

Die lieben Kollegen (31) - Zwischenbilanz

Genau zwei Wochen ist der Neue jetzt hier. Und ich bin froh, dass es im Wesentlichen so gekommen ist, wie ich es erhofft hatte.

Er ist offen und kommunikativ, lernbegierig, mutig, wenn es darum geht, etwas Unbekanntes zu erforschen, und vor allem, was meine grosse Hoffnung war: Er reisst den dritten Kollegen mit. Ich hatte erst ein wenig Sorge, weil die Beiden ständig zusammen rauchen gehen, aber das schadet offenbar nicht. Die Stimmung und auch die Kommunikation untereinander, die zuletzt fast eingeschlafen war, funktionieren wieder viel besser. Der vom Chef verordnete tägliche Termin für das Teammeeting kann damit entfallen.

Ach ja, der Chef. Er hat nun die nächste Aufgabe des ehemaligen Kollegen an sich gerissen - die Pflege unserer Intranetseiten. Eigentlich absolut keine Chef-Aufgabe, aber auch das möchte er künftig selbst machen. Was geht da ab? Entweder traut er es niemandem zu, was ja wohl Unsinn wäre. Oder er hat Langeweile (wobei er auch gut im Jammern ist, wie viel er zu tun habe). Oder er möchte Macht ansammeln, damit bloss niemand an seinem Stuhl sägen kann. Das scheint mir die wahrscheinlichste Erklärung zu sein.

Soll er, ich hab es nicht nötig, mich zu profilieren, und alles was er macht, muss ich nicht verantworten. Im Zweifel kann man sich immer schön auf den Chef berufen ...

Schönes Wochenende!

Freitag, 19. Januar 2018

Recht haben und Recht bekommen

Das Scheidungsverfahren bei Rosalie zieht sich nun schon über mehrere Jahre hin. Das ist nicht nur emotional belastend, sondern und vor allem auch finanziell. Es heisst, dass so manche Frau sich nicht scheiden lässt, weil sie es sich nicht leisten kann, und auch der Anwalt erwähnte schon, dass am Schluss die Partei "gewinnen" würde, also ihre Forderungen durchsetzt, die das meiste Geld hat. Was dabei heraus kommt, kann man sich leicht vorstellen, denn oftmals verfügt der Mann durch seine Arbeit über Geld, Konten, Anlagen. Und man glaubt kaum, wie teuer so eine Scheidung ist ...

Das ist extrem unfair und lässt einen manchmal am Rechtsstaat zweifeln. Leider gilt das auch für andere Verfahren. Gestern erhielten wir Post vom Gericht. Momentan prozessieren wir gegen Bauunternehmer, die mit Spekulationsbauten das Dorfbild verschandeln und uns einen hässlichen Klotz vors Haus setzen wollen. In der Schweiz ist es so, dass die ersten Einsprachen noch kostenlos sind, geht es dann aber vor Gericht, weil man sich nicht einigen konnte, trennt sich die Spreu vom Weizen - denn nun wird Geld fällig. Das heisst, nur Bürger, die es sich leisten können, haben die Möglichkeit, städtebaulichen Wahnsinn zu verhindern. Für die Bauherren heisst das, erst mal alles abzustreiten und auszusitzen und zu hoffen, dass die Einsprechenden nicht genügend finanzielle Mittel haben, um den Prozess zu führen. Dann wäre der Fall schon erledigt.

Bei uns zum Beispiel fällt nun nicht bloss ein Gerichtskostenvorschuss an, sondern die Gegenseite fordert auch Entschädigungs-Sicherheiten für den Fall, dass sie gewinnt. Man muss - als Privatperson im Kampf gegen ein Bauunternehmen - enorme Summen hinterlegen, damit der Prozess überhaupt geführt wird.

Recht haben ist also das Eine, Recht bekommt aber nur der, der es sich auch leisten kann. Ansonsten muss man irgendwann aufgeben. Irgendwie scheint mir das nicht gerecht zu sein ...

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Toller Service

Kleine Anekdote aus dem Bürokratie-Alltag: Als ich Deutschland verlassen habe, hinterliess ich bei der Post einen Nachsendeauftrag für ein Jahr, weil ich sichergehen wollte, dass alle wichtigen Firmen und Personen meine neue Adresse haben.

Richtig gut hat das nicht funktioniert, mein Nachmieter war aber so nett, des Öfteren Post, die bei ihm gelandet war, an mich weiter zu schicken. Dabei war auch eine Info von einem Rententräger über mein aktuelles Guthaben (aufgrund meiner Scheidung habe ich Konten bei diversen Ausgleichskassen, die mir später unbedingt Rente zahlen "wollen" ...).

Anfang des Monats habe ich die Institution per Mail über meine neue Adresse informiert und darum gebeten, mir dies bitte zu bestätigen oder allenfalls weitere Informationen/Belege anzufordern.

Kurz darauf erhielt ich per Mail diese Antwort:

Vielen Dank für Ihre Nachricht.
Aus datenschutzrechtlichen Gründen können wir vertrags- oder personenbezogene Daten nicht per E-Mail beantworten.
Sollte dies bei Ihnen der Fall sein, erhalten Sie unsere Antwort per Post. Dies kann einige Tage in Anspruch nehmen. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Bei Rückfragen nutzen Sie bitte weiterhin die E-Mail-Adresse info@xxxx.de
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Rententräger


- Dies ist eine automatische Empfangsbestätigung, eine Rückantwort ist deshalb nicht möglich. -


Was soll ich nun daraus machen? Und vor allem - an welche Adresse wird diese angekündigte Antwort gesendet? Ich kann ja mal per Mail rückfragen, wie es vorgeschlagen wird, dann können wir das Spiel noch wochenlang weiter spielen. Es scheint, als müsste ich das doch telefonisch klären. Es geht immerhin um stolze 28 Euro Rente im Monat, falls ich sie denn erreiche ....