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Montag, 18. November 2019

Vertrauen verloren

Einen Hausarzt hat man als erste Anlaufstelle für medizinische Beschwerden aller Art. Gut ist es, wenn man zu der Person auch ein gewisses Vertrauensverhältnis aufbauen kann und weiss, dass man sein Herz ausschütten kann, wenn es notwendig wird.

Bei dem Arzt, der jetzt mein Hausarzt ist, war das bisher nicht nötig, allerdings hatte ich bei den wenigen Besuchen auch nie den Eindruck, dass er überhaupt daran interessiert wäre, ein solches Verhältnis aufzubauen. Ja, er ist nett, hört zu, wirkt aber irgendwie oberflächlich.

Im Oktober war ich bei ihm, um mich beraten zu lassen, was man gegen die Rückenschmerzen tun kann. Wie schon geschrieben, empfahl er mir Akupunktur, zunächst fünf Behandlungen. Da ich das noch nie versucht hatte, stimmte ich zu. Nach fünf Behandlungen habe ich dann aber nicht weiter gemacht, weil ich nicht das Gefühl hatte, es würde irgend etwas bringen.

Kurzer Abzweig: In der Schweiz zahlt man je nach abgeschlossener Versicherung einen bestimmten Teil der medizinischen Kosten komplett selbst. Und so musste ich die Behandlungen in diesem Fall auch allein berappen. Ich rechnete zuzüglich der Untersuchung am ersten Tag mit etwa 500 Franken. Dann kam die Rechnung der Krankenkasse: 704 Franken!

Ich bin erst mal atemlos sitzen geblieben. Dann forderte ich von der Krankenkasse, die mir ja nur einen Betrag schickt, die Originalrechnung vom Arzt an. Und diese Rechnung hat mich dann richtig wütend gemacht. Also nahm ich das Papier und schrieb dem Arzt ein Mail, in dem ich die ganzen unklaren Positionen auflistete und um Erklärung bat.

Die kam auch einen Tag später, aber was da stand, war eine absolute Frechheit. Ich will hier gar nicht alles aufzählen, sondern nur ein Beispiel anführen.

Eine "Session" läuft so ab: Ich lege mich auf die Liege, der Arzt sticht die Nadeln. Dann liege ich 20 Minuten, der Wecker klingelt und er oder eine Schwester entfernen die Nadeln. Das alles dauert in der Regel etwa 30 Minuten - insgesamt! Nun hat der Arzt aber eine Überwachungszeit von 45 Minuten (3x15 Minuten) angesetzt. Damit war ich natürlich nicht einverstanden. Seine unverschämte Antwort: 20 Minuten wären nur die Netto-Liegezeit. Er müsse ja schliesslich noch einen Wecker stellen, und wenn der klingelte, würde er auch nicht sofort aufspringen und zu mir kommen.

Mit anderen Worten: Ich soll für seine Faulheit oder schlechte Organisation der Praxis zahlen? Ganz sicher nicht. Der Herr meint doch tatsächlich, das Stellen des Weckers und der Weg zurück zur Liege hätten jedes Mal (!) mindestens 11 Minuten gedauert, sodass er aus 31 Minuten schön auf 45 Minuten aufrunden kann. Wie unverschämt ist das denn?

Das toppt er in seinem Mail dann noch, in dem er meint, eigentlich wären die Positionen sowieso egal, es käme nur auf die Gesamtkosten an, und da würde er sich an seinen Kollegen orientieren. Mit anderen Worten - es ist ganz egal, was ich gemacht habe, aber es kostet so viel wie bei anderen auch.

Was ist das für eine Aussage? Ich hab ihm daher noch einen Link zu einem Arzt geschickt, der für 60-75 Minuten Akupunktur je nach Aufwand zwischen 90 und 130 Franken nimmt, also halb so teuer ist. Die Entgegnung meines Artzes dazu zeigt, dass seine Abrechnung nur Abzocke ist: Er hätte sich die Seite angeschaut, und es könne ja gar nicht sein, was da steht. Eine Akupunktur würde immer nur 20 Minuten dauern, und wenn da was von einer Stunde stehe, dann wären vielleicht noch administrative Dinge oder Gespräche mit dabei.

Ach so - ich bekomme also dort viel mehr Leistung und zahle daher halb so viel? Das verstehe ich. Nicht.

Ich habe hin und her überlegt, ob ich reagieren soll. Aber gerade die pampige und überhebliche Antwort auf meine Fragen hat mich dazu bewogen, den Sachverhalt der Krankenkasse zu melden und um Rückruf zu bitten. Das kann ich einfach nicht auf sich beruhen lassen. Zur Erinnerung: Man bekommt bei diesem ganzen Verfahren leider NIE die Original-Rechnung, sondern zahlt einfach die Summe, die einem die Kasse mitteilt. Ich kann daher nur erahnen, wie viele Leute er auf diese Weise schon mit völlig überteuerten Abrechnungen betrogen hat.

Ob ich jemals wieder die Praxis betrete, weiss ich nicht. Blöd ist, dass auch Rosalie und ihre Kinder dort Patienten sind. Aber vermutlich hat er längst vergessen, dass wir zusammen gehören, insofern sollte das wohl kein Problem sein.

Nun warte ich mal ab, wie die KK dazu Stellung bezieht. Sie sollte ja eigentlich daran interessiert sein, überhöhte Abrechnungen zu stoppen. Aber vielleicht knicken sie auch vor dem Gott in Weiss ein? Ich warte mal ab, noch hab ich die Rechnung nicht bezahlt.


Donnerstag, 14. November 2019

Desillusioniert

Vor ein paar Monaten rollte eine Welle von Stellenausschreibungen durchs Haus, und wie viele andere war auch ich ziemlich euphorisch und bewarb mich auf drei Stellen. Leider bin ich nirgends zum Zuge gekommen. Mal warf man mir mangelnde Erfahrung vor, mal zu viel Geduld.

Letztlich war ich schon enttäuscht, immerhin hatten es zwei Kollegen von mir geschafft, eine von 42 Stellen zu ergattern.

Meine bevorzugte Stelle im Support ist bis heute nicht besetzt, und nun ist auch noch die vorgesetzte Position zu dieser Stelle vakant. Seit Tagen bearbeiten mich die Kollegen, ich möge mich doch auf diese Stelle bewerben, aber mir fehlt die Motivation.

Das hat verschiedene Gründe. Ich sehe und höre seit dem Sommer, was für ein chaotischer Laden die zentrale IT ist und was für merkwürdige "Gestalten" zum Teil dort arbeiten. Alle sind mit sich selbst beschäftigt, von "Organisation" kann derzeit keine Rede sein. Dazu kommt, dass die bewusste Stelle eigentlich ein Selbstmordkommando ist. Als Leiter Support für das ganze Haus kann man eigentlich nur verlieren. Im Gegensatz zu der Stelle, auf die ich mich ursprünglich beworben hatte, hängt hier deutlich mehr Verantwortung dran, und ich bin ehrlich - dafür fehlt mir auch die Erfahrung.

Und ich muss mir die Frage stellen: Würde ich das überhaupt wollen? Was mich hier derzeit stört, ist die gewisse Unsicherheit über die Zukunft und die schlechte Bezahlung. Letzteres wäre dort natürlich deutlich besser, aber bei dem herrschenden Chaos und der Unzufriedenheit mit dem Support derzeit im ganzen Haus würde ich wohl Gefahr laufen, früher oder später mit Magengeschwür beim Arzt zu landen, denn ich bin kein Typ, den solche Probleme kalt lassen.

Und ist es mir das in meinem Alter wert? Oder pfeife ich auf die Kohle und freue mich, dass ich hier zum Feierabend den PC ausschalten und die Arbeit auch mental im Büro lassen, eine gewisse Gelassenheit und niedrigen Stresspegel geniessen kann?

Ich hab jetzt gerade einen ergonomischen Stuhl und einen Sitz-Steh-Tisch genehmigt bekommen. Vielleicht sollte ich mich damit begnügen und mein Wohlergehen in den Vordergrund stellen. Mit Geld kann man Gesundheit nicht kaufen.

Montag, 11. November 2019

Kinder als Spielball

Rosalie hat in den Jahren der Trennung immer versucht, die Kinder so gut wie möglich aus dem Drama herauszuhalten. Das ist zwar nobel und grundsätzlich wichtig und richtig, erweist sich jetzt allerdings als Nachteil.

Denn der Ex lässt seit Monaten keine Gelegenheit aus, um die Kinder einzuspannen und mit seinem Gejammer vollzulabern. Dabei schreckt er bekanntlich auch nicht vor Straftaten zurück. So wie kürzlich, als er seinen Sohn zu einer Falschaussage vor Gericht anstiftete.

Nun hat er ein weiteres Mal die Kinder benutzt, um gegen Rosalie zu schiessen. Er hat ein Schreiben aufgesetzt mit einem Vorschlag zur Gütertrennung. Den haben beide Kinder und sogar seine Mutter unterschrieben!! Ist das zu fassen? Angeblich wären sich alle einig, dass der Vorschlag eine gute Lösung sei und Rosalie doch bitte zustimmen möge.

Nun kann man den Kindern nur bedingt einen Vorwurf machen, dass sie diesen Unsinn unterschrieben haben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Ex ihnen suggeriert hat, was für ein tolles und grosszügiges Angebot er mache und dass die Kinder doch schliesslich auch eine schnelle Scheidung wollen und das der einzig richtige Weg sei. Also mögen sie doch bitte unterschreiben.

Aber mal ehrlich: Wie sollen Halbwüchsige eine hoch komplexe Güterrechtstabelle durchschauen und bewerten, noch dazu, wenn sie die Ansicht der "Gegenseite" gar nicht kennen? Der Ex hat die Kinder nur benutzt, um Druck aufzubauen und sie für sich zu gewinnen. Das ist ekelhaft und widerwärtig.

Nun ist es an Rosalie, trotz der angedachten Zurückhaltung Tacheles zu reden und den Kindern zu erklären, dass es wohl kaum fair sein kann, wenn sie für Schulden, die der Ex NACH der Trennung gemacht hat, aufkommen soll, und das bei einem Einkommen, dass in der Summe höher als das von Rosalie UND mir ist. Das ist an Arroganz nicht zu überbieten.

Es wird ein schwieriger Termin werden nächste Woche, diese Hauptverhandlung. Schon jetzt könnt Ihr gern mal anfangen, Daumen zu drücken, dass es zumindest in die richtige Richtung gehen möge, auch wenn ich an dem Tag keine Lösung erwarte. Dafür ist die Situation einfach viel zu kompliziert.

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Wir sind gut

Am Montag wurde unserem IT-Team der Abschlussbericht aus der Due Diligence vorgestellt. Das Ergebnis: Wir machen einen tollen Job und unsere Kunden sind sehr zufrieden mit unserer Dienstleistung.

Nun können wir uns also alle den ganzen Tag lang gegenseitig auf die Schultern klopfen. Aber wie es weitergeht, das kann uns noch immer niemand sagen. Wir warten also weiter, wurschteln vor uns hin und schauen mal, was man mit uns vor hat. Das kann Monate dauern oder auch Jahre. Niemand hat einen Plan.

Und das ist die eigentliche Botschaft dieser Veranstaltung. Erschreckend, dass so eine grosses Unternehmen so viel Zeit damit verbringt, sich mit sich selbst zu beschäftigen, und Projekte, die man im Vorfeld gross angekündigt hat, monatelang auf der Stelle treten.

Das ist schlecht für die Firma, aber wohl gut für uns. Anstehende Änderungen können bei dieser Reorg im besten Fall wirkungslos bleiben, im schlechtesten Fall führen sie dazu, dass man sich im Job nicht mehr wohlfühlt. Daher sind diverse Leute schon gegangen und ich hoffe, dass ich nicht auch in nächster Zeit wieder intensiver mit diesem Gedanken spielen muss.

Heute habe ich immerhin das ganze Büro für mich allein, wo sonst maximal sechs Personen arbeiten. Das ist doch sehr gemütlich - sofern ich nicht für sechs Leute arbeiten muss. ;-)

Montag, 28. Oktober 2019

Fluxkompensator?

Wenn man morgens aufwacht und es plötzlich zwei Wochen später ist, dann muss ja wohl eine Zeitmaschine daran schuld sein, oder?

Nun gut, ganz so dramatisch war es vielleicht nicht, aber die Alltags-Probleme holen einen daheim natürlich schneller ein, als wenn man in Miami am Strand liegt. Dagegen kann man sich kaum wehren. Ausschlafen, ein wenig faulenzen, das geht zu Hause natürlich auch gut. Doch dann sieht man überall, was man tun müsste, dann kommt blöde Post vom Anwalt, dazu ärgerliche Anrufe, teure Rechnungen ... Das kann einem die Erholung schon erschweren.

Nicht zu vergessen der tägliche Lärm direkt vor dem Haus von halb acht bis abends um fünf, da direkt vor dem Haus die Strasse aufgerissen wird für neue Leitungen. Und als krönender Abschluss der Urlaubstage kam, was kommen musste und von Rosalie extra dem Bauunternehmen mit auf den Weg gegeben wurde: Passt auf die Quellleitung auf. Und prompt war sie am Freitag kaputt. Zum Glück nicht so stark, dass kein Wasser mehr bei uns ankommt, aber sie muss repariert werden. Doch wer kommt für den Schaden auf?

Das wird sich hoffentlich heute Morgen klären. Rosalie hat heute noch frei und wird mit den Verantwortlichen reden. Ich hoffe sehr, dass die einsichtig sind und wir nicht am Ende noch die Rechtschutzversicherung bemühen müssen. Es gibt derzeit schon genug Theater mit Anwälten und Gerichten.

Und weil so ein Adrenalinschub zum Einstieg immer gut ist, habe ich heute gleich noch einen Termin, bei dem uns der Abschlussbericht zur Untersuchung des Teams vorgestellt wird. Ich habe keine Ahnung, was wir da zu hören kriegen werden. Von "Abschaffen" bis "Weiter so" ist alles möglich.

Vielleicht sollte ich schauen, ob ich den Fluxkompensator noch einmal starten und zwei Wochen zurück reisen kann. Urlaub wäre jetzt wirklich eine feine Sache ...

Mittwoch, 11. September 2019

Hüh und Hott

Kennt Ihr den Spruch "Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand"? Ich hab ihn von Rosalies Anwalt mehrmals gehört, und offenbar ist wirklich etwas dran, denn bei dem Richter weiss man nie, woran man ist.

Vor einigen Wochen hatte er vorgeschlagen, dass man das Scheidungsverfahren sistieren müsse, da aufgrund seiner Anzeige des Ex beim Staatsanwalt wegen Betruges eine Bewertung des Vermögens nicht möglich sei und somit die Scheidung nicht vollzogen werden könne.

Nun kommt gestern ein Schreiben von eben diesem Richter, in dem er die gegenteilige Meinung vertritt und demnächst zur Hauptverhandlung einladen wird. Und man muss sich fragen, woher dieser Sinneswandel kommt? Hat er mit dem gegnerischen Anwalt ein Bier getrunken, sind die Frauen im selben Tennisverein oder was ist da los?

Nun wird es also wohl doch noch etwas mit der Scheidung - zumindest auf dem Papier. Das heisst, vermutlich wird bei der Verhandlung der so genannte Scheidungspunkt definiert, sodass die Ehe geschieden ist, aber die Folgen erst zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt werden können.

Das sollte dem Ex ja gefallen, schliesslich drängt er schon seit Jahren darauf, endlich sein neues Leben beginnen zu können - was immer er darunter versteht, denn Rosalie und ich haben das neue Leben schon längst begonnen. Vielleicht möchte er auch nur das Geld, das verschwunden ist, endlich ausgeben können. Wer weiss.

Es könnte also ein heisser Herbst werden.

Dienstag, 10. September 2019

Wer fährt zuerst?

Heute mal eine Frage aus der Fahrschule. Für meinen Geschmack eigentlich eine leichte Aufgabe, es gibt jedoch hier erstaunlicherweise unterschiedliche Auffassungen. Doch nur eine ist natürlich richtig. Ich wurde schon mal wild beschimpft, weil sich mein Gegenüber fälschlicherweise im Recht sah. Also:

Wer fährt zuerst - rot oder blau?





Montag, 26. August 2019

Endlich volljährig!

Könnt Ihr Euch noch an den 18. Geburtstag erinnern? Habt Ihr Euch darauf gefreut, endlich selbst zu entscheiden, unabhängig zu sein und Alkohol zu trinken?

Bei mir ist es viel zu lange her, aber bei Rosalies Sohn war es am Freitag "endlich" so weit. Aber nach seiner Party stellte er am nächsten Tag dann auch überrascht fest, dass sich eigentlich gefühlt gar nichts verändert hat. Erwachsen ist er nun auf dem Papier und vor dem Gesetz, aber bis seine Persönlichkeit soweit ist, wird es noch ein paar Jahre dauern. War uns das damals auch bewusst? Und ist das überhaupt notwendig, oder sollte man nicht einfach die Zeit geniessen?

Das Thema Volljährigkeit hat nun leider auch noch eine rechtliche Komponente, vor der wir uns etwas "fürchten": Die Alimente vom Ex für seinen Sohn stehen ihm jetzt persönlich zu und müssen auf sein eigenes Konto überwiesen werden. Mal ganz abgesehen davon, wie er sich mit Rosalie einigt hinsichtlich einer "Haushaltsabgabe" - das grössere Problem wird sein, dass der Ex weiterhin nicht zahlt. Damit ist sein Sohn jetzt in einer schwierigen Lage, denn er müsste seinen Vater betreiben. Schliesslich muss er selbst Beträge wie z. B. die Krankenkasse bezahlen, und das ist in der Schweiz nicht wenig, auch für Schüler.

Da der Ex bereits einen hohen Schuldenberg angesammelt hat und kurz vor einer Pfändung steht, bleibt abzuwarten, wie er mit dieser neuen Situation umgehen wird. Ich fürchte, es wird ein Drama bleiben, und diesmal nicht nur mit Rosalie, sondern auch für seinen Sohn. Immerhin würde der dann mal sehen, wie sein Vater mit seiner Familie umspringt und dass der Rest nur heisse Luft ist.

Bis zum Ende der Woche ist die erste Zahlung fällig ...

Mittwoch, 17. Juli 2019

Schwer zu erklären

Am Wochenende habe ich mit meinem Vater telefoniert. Einmal mehr fragte er mich, ob es denn Neuigkeiten oder noch besser Fortschritte bei Rosalies Scheidung gebe, was ich verneinen musste. Er konnte das gar nicht fassen und ich tue mich schwer, ihm das überhaupt noch mit einfachen Worten zu erklären.

Das Ganze ist irgendwie völlig aus der Spur geraten und dümpelt jetzt vor sich hin. Und das, obwohl keine Woche vergeht, in der nicht Post von Rosalies Anwalt eintrudelt. In dieser Woche war es das Fortsetzungsbegehren an das Betreibungsamt. Der Ex weigert sich ja zum wiederholten Mal, die vom Gericht festgesetzten Alimente zu zahlen. Bereits im letzten Jahr musste Rosalie daher das Gericht anrufen, um ihre Forderungen durchzusetzen.

Nun war es wieder soweit. Und erneut hat er, trotz seines Jammerbriefes an den Richter, wie böse und schlimm seine Ehefrau doch sei, kein Recht bekommen, und muss die ausstehenden Zahlungen plus  "Bonus" für Auslagen und Entschädigung von über 1000 Franken (!) an Rosalie überweisen. Was für ein Irrsinn - und völlig überflüssig. Wir fragen uns, was der Ex damit bezweckt, denn so langsam müsste er doch mal verstanden haben, dass er bei aller Jammerei gegen den Beschluss des Gerichts nichts unternehmen kann, da seine finanziellen Verhältnisse nun mal so sind, wie sie sind (nach Abzug der Alimente verbleibt ihm monatlich rund doppelt so viel Geld wie mir).

Doch das, so ärgerlich es scheint, ist eigentlich ja nur ein Nebenschauplatz. Das Scheidungsverfahren liegt auch brach aufgrund der Strafanzeige des Richters gegen den Ex. Hier warten wir derzeit auf eine Entscheidung, ob die Scheidung trotz dieser Anzeige weitergeführt werden kann oder nicht. Falls nicht, wovon wir ausgehen, könnte es Jahre dauern, bis es ein Scheidungsurteil gibt.

Das alles kann ich meinem alten Herren gar nicht begreiflich machen und versuche es auch gar nicht erst. Er ärgert sich halt einfach, aber das tun wir ja auch - vor allem über die Sturheit und Arroganz des Ex. Es hätte nie so weit kommen müssen, wenn er nicht standhaft der Meinung wäre, das ganze Geld gehöre ihm und er müsse nichts abgeben. Von seinem Anwalt lässt er sich offenbar nichts sagen, und nun sieht es so aus, als würde sich das bitter rächen. Helfen tut das niemandem, aber er ist leider nicht in der Lage, von seinem hohen Ross herunter zu kommen. Nun muss er das selbst ausbaden.

Mittwoch, 10. Juli 2019

Was nun?

Auf Arbeit weiss niemand, wie es weiter geht. Das Einzige, was deutlich zu erkennen ist: Chaos. Am Montag hatten wir unseren Team-Abschiedsabend. Wir haben quasi die Klassenkasse geplündert und waren nett essen. Das war gut. Auf Grund der Reorg wird es uns in Kürze in dieser Form nicht mehr geben. Einige sind schon weg, weitere werden folgen. Diejenigen, die im neuen Kader Jobs bekommen haben, stöhnen, weil es derzeit noch nicht einmal ein Büro für sie gibt! Was für eine peinliche Vorstellung. Darüber hinaus war man wohl der Meinung, erst mal Kaderstellen zu schaffen und sich erst danach zu überlegen, wie die Verantwortlichkeiten aussehen werden. So nervt sich mein ehemaliger Chef, dass er mit Dingen bombardiert wird, für die er seiner Meinung nach gar nicht zuständig wäre ...

Das Gute ist: Das bleibt mir erspart. Aber es ist völlig offen, was aus mir hier werden wird. Die Zwischenzeugnisse sind wohl so gut wie fertig. Wenn ich meines in der Hand habe, werde ich mich mal "draussen" umsehen. Vielleicht bietet sich irgendwo eine neue Chance, bevor ich hier verheizt werde.

Stillstand auch bei Rosalies Scheidung. Der Richter muss aktuell entscheiden, ob das ganze Verfahren bis zur Klärung durch die Staatsanwaltschaft ausgesetzt wird oder nicht. Ihr Ex ist natürlich dagegen, wir dafür - denn ohne den Vermögenswert von ihm zu kennen, macht eine Scheidungsverhandlung wenig Sinn. Ob es dazu vor den Gerichtsferien noch etwas zu lesen geben wird, muss man abwarten.

Gestern Abend haben wir unter Tränen unser Weisspfötchen beerdigt. Abgesehen von der traurigen Situation war es ziemlich unangenehm, denn der Geruch des Kadavers war schon ziemlich stark, selbst durch die Masken, die wir dabei trugen. Nun hat der arme kleine Kobold seine letzte Ruhe dort gefunden, wo er in den letzten Monaten so gern gewesen ist - bei uns im Garten. Es fehlt nur noch ein schöner Stein mit seinem Namen. Die Stimmung und das Verhalten der Katzen sind immer noch spürbar verändert. Ich bin gespannt, ob das so bleiben wird oder sich wieder "normalisiert". Jedenfalls wird der Futterverbrauch nun deutlich zurück gehen ohne den süssen Racker ...

Noch gut ein Monat, dann wird mein Papa uns besuchen. Der Gedanke, dass dies mit ziemlicher Sicherheit das letzte Mal sein wird, macht mich auch nachdenklich. Auf der anderen Seite bin ich froh, dass es ihn noch gibt. Schliesslich wird er schon 79, ein Alter, das Rosalies Vater längst nicht erreicht hat. Wir werden ihm hier in der Schweiz noch drei schöne Tage bereiten, an die er sich dann noch lange erinnern kann.

Mittwoch, 26. Juni 2019

Stop or go

Gestern lief einmal mehr eine Frist ab. Zur Erinnerung: Der Ex von Rosalie ist bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden. Für den Richter im Scheidungsverfahren ist das ein berechtigter Grund, um dies Scheidung auszusetzen, bis der Ex entweder verurteilt oder frei gesprochen wurde.

Der Ex und sein Anwalt sind nach wie vor - zumindest öffentlich - der Meinung, man müsse sich ja überhaupt keine Gedanken machen, alles würde gut und deshalb könne man doch jetzt schnell mal scheiden und das Finanzielle auslagern und später regeln.

Das sehen Rosalie und ihr Anwalt ganz anders, denn gerade das Finanzielle ist substanziell im Scheidungskrieg und entscheidend dafür, dass bisher keine Einigung zustande kam. Schliesslich geht es um die Vermögensaufteilung, nachehelichen Unterhalt usw. Wie will man darüber befinden, wenn nicht klar ist, wie gross das Vermögen überhaupt ist und wie viel davon der Ex hat verschwinden lassen?

Gestern lief die Frist zur Stellungnahme ab. Den bisherigen Äusserungen des Richters zufolge würde ich mal davon ausgehen, dass der in diesem Fall gern Rosalies Argumentation folgt und das Verfahren sistiert, da er keine Lust auf den ganzen "Mist" hat. Wenn es dazu nun kommt, wird der Ex einmal mehr im Dreieck springen und vor Wut toben, aber das hat er umsonst. Aussergerichtliche Einigungen sind ja trotzdem zu jedem Zeitpunkt möglich, und wenn ihm wirklich daran liegt, geschieden zu werden, müsste er nur mal ein vernünftiges Angebot machen. Ich gehe aber nicht davon aus, dass das passieren wird. Und so könnte nun für Monate oder gar Jahre Stillstand eintreten. So lange, bis die Staatsanwaltschaft die Anzeige geprüft hat und entweder ein Verfahren anstrengt oder die Angelegenheit zu den Akten legt.

Dienstag, 14. Mai 2019

Schatten der Vergangenheit

Gestern wurde ich - oh Wunder - tatsächlich noch zu einem Vorstellungsgespräch für den Job, der meinen beruflichen Erfahrungen am meisten entspricht, eingeladen. Eigentlich wollte nur der Chef des Bereichs anwesend sein, aber er brachte dann doch noch eine weitere Person, die sich als externer Coach vorstellte, mit.

Die Beiden spielten dann so etwas wie good cop, bad cop. Während der Chef mich ständig anlächelte und die "netten" Fragen stellte, stocherte der Externe in meinem Lebenslauf und in den Zeugnissen herum und versuchte, Ungereimtheiten aufzudecken. So meinte er, dass das Zeugnis der Behörde ja sehr passiv sei und gar nicht viel drin stehen würde.

Ja, es ist halt Behördeneutsch, und ich musste das Werk damals auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin zwei Mal ändern lassen, weil es davor noch schlimmer war. Nicht nur, dass Begriffe und Abkürzungen verwendet wurden, die man ausserhalb der Behörde und erst recht in der Schweiz gar nicht kennt: Es wurde z. B. auch eine Form des "Codes" benutzt, die unterstellt, ich würde im Büro ständig nach sexuellen Kontakten zu Kolleginnen suchen. So ein Fauxpas sollte natürlich einem HR-Bereich nicht passieren, ist aber vielleicht kein Wunder, denn Zeugnisse schreibt man in der Behörde eher selten. Wer einmal da ist, geht in der Regel nicht mehr. Ganz viele machen ihre Ausbildung dort und bleiben bis zur Rente.

Das macht den Laden zu einem trägen, verstaubten Haufen. Und die strengen Hierarchien führen ebenfalls dazu, dass nur ganz wenige die Chance erhalten, überhaupt irgendeine Karriere zu machen. Es ist nämlich zum Beispiel so, dass sich ein "Zuarbeiter" nicht auf eine Dezernentenstelle bewerben kann, selbst wenn er die fachlichen Voraussetzungen mitbringen würde. Neben der fachlichen Qualifikation wird immer auch die zumindest zweijährige Tätigkeit in der unmittelbar darunter liegenden Hierarchie-Stufe verlangt. Man muss also die lange Kette durchlaufen, um irgendwann mal in eine Stelle wechseln zu können, die vielleicht auch Personalführung beinhaltet.

Genau das war gestern auch eine Frage vom bad cop. Die ausgeschriebene Stelle beinhaltet nämlich Personalführung, und der Vorwurf war, dass ich das ja bisher noch nie gemacht hätte. Die Frage, warum nicht und warum jetzt war dann halt nicht so leicht zu beantworten und für einen Schweizer offenbar kaum nachvollziehbar. Dabei habe ich für Behördenverhältnisse schon eine steile Karriere hinter mir von der "Registraturkraft" zum "Hauptsachbearbeiter". Das schafft fast niemand, und ohne Unterstützung durch Führungskräfte und ein wenig Vitamin B ist es auch kaum möglich.

Das alles interessierte aber nicht, stattdessen kam mehrfach die Frage nach dem "warum nicht früher".

Ich kann verstehen, dass man in der Position natürlich möglichst die perfekte Person mit Führungserfahrung und super fachlicher Qualifikation sucht. Es ist aber wie schon bei der anderen Stelle die Crux, dass man Menschen auch die Chance geben sollte, Erfahrungen zu machen - wie will man sich sonst weiter entwickeln? Jede Führungskraft hat mal angefangen, und nur weil ich schon die Fünf im Alter habe, geht das nicht mehr? Keine Erfahrung, also auch keine Entwicklung?

Es könnte gut sein, dass mir mein Behördendasein nun den nächsten Schritt verbaut, da es für Aussenstehende so aussieht, als hätte ich in den 13 Jahren nicht genug getan. Da reicht es vielleicht auch nicht, dass mein Chef-Chef sich letzte Woche persönlich dafür eingesetzt hat, dass ich eine Perspektive bekomme, nachdem er hörte, dass ich ein Zwischenzeugnis angefordert habe: "So einen guten Mann könne man doch nicht gehen lassen." Tja, vielleicht hätte er sich das früher mal überlegen sollen ...

Der "bad cop" bescheinigte mir abschliessend gestern immerhin, dass ich ein "Machertyp" sei. Ob das Argument genug ist, um mir eine Chance zu geben, werde ich vielleicht am Freitag wissen. Dann soll ich eine erste Rückmeldung bekommen.

Momentan bin ich eher skeptisch, was meine Zukunft und vor allem meine berufliche Karriere hier betrifft. Dabei ist das eigentlich ein Irrsinn. Ich habe einen tollen Stand in den Kliniken und im Team, meine Arbeit wird sehr geschätzt, mein Chef hat mir eine super gute Beurteilung im letzten MAG vorgelegt, und gestern hat mir eine Mitarbeiterin sogar spontan eine Flasche Wein geschenkt, weil sie so zufrieden war mit meiner professionellen Unterstützung. Wenn das alles nicht genug ist, zählen hier wohl andere Werte, und dann muss ich mir überlegen, ob ich hier auf Dauer wirklich am richtigen Platz bin, zumal auch das Gehalt nicht sonderlich entschädigt.

Wir werden sehen.


Dienstag, 7. Mai 2019

Eine Farce

Wenn es nicht so ärgerlich wäre, könnte man sich im Grunde nur noch müde lächelnd an den Kopf fassen bei so viel geballter Inkompetenz. Die Rede ist vom Richter in Rosalies Scheidungsprozess.

Rückblick: Rosalie hatte Monate aufgewendet, um mühevoll jeden Beleg zu dokumentieren, aus dem die ungeheuerliche Geldverschwendung ihres Ex hervor geht. Diese Beweise wurden dem Gericht vorgelegt. Der Richter fühlte sich jedoch nicht in der Lage (!), diese vielen Ordner zu sichten und bestimmte eine neutrale Person als Gutachter.

Jedoch weigerte sich der Richter, diesem Gutachter die Beweise auszuhändigen. Stattdessen sollte der die gesamte Buchhaltung nochmals auf Unregelmässigkeiten prüfen. Eine Ermahnung durch Rosalies Anwalt diesbezüglich liess er einfach unbeantwortet.

Schon damals haben wir uns über dieses ignorante Verhalten sehr geärgert, aber dann notgedrungen abgewartet. Es kam aber so wie befürchtet: Ein fünfstelliger Betrag ist verbraucht worden und kein Ergebnis vorhanden. Eine Unverschämtheit. Rosalies Anwalt forderte über den Richter den Gutachter auf, eine genaue Aufstellung der aufgelaufenen Kosten und geleisteten Arbeiten abzugeben. Die kam dann auch und brachte zum Vorschein, dass der Gutachter zwar keinen Kontakt mit Rosalie haben durfte, aber Stunde um Stunde mit ihrem Ex und dessen Anwalt zusammen sass.

Ausserdem trat er keinesfalls als Person auf, sondern zog viele Stunden lang seinen Chef, selbst Anwalt, mit hinzu. Dies war jedoch weder beantragt noch genehmigt worden. Doch kein Wort davon vom Richter zu dieser Abrechnung. Stattdessen forderte er Rosalie auf, einen weiteren, noch höheren Vorschuss zu leisten, damit der Gutachter weiter machen könne.

Ein unglaublicher Vorfall. Also musste wieder Rosalies Anwalt ran. Unkonventionell und weil er die Nase voll hatte vom Richter, hat er eigenmächtig die Prozessschriften und Beweise dem Gutachter geschickt und zugleich die Abrechnung beim Richter gerügt.

Um sein Gesicht zu wahren, forderte der Richter unmittelbar darauf den Gutachter auf, diese Unterlagen sofort zurück zu senden, da dies von ihm nicht genehmigt sei. Gleichzeitig räumte er jedoch ein, dass die Hinzuziehung des Chefs vom Gutachter nicht rechtens sei und er sich vorbehalte, die Rechnung zu kürzen.

Und das ist ja wohl der Gipfel: Wie kann es sein, dass der Richter die Abrechnung erst moniert, nachdem ihn Rosalies Anwalt ausdrücklich darauf aufmerksam machte?? Nicht nur, dass der Richter es versäumt, mit den Geldern der Klienten verantwortungsvoll umzugehen. Die Rüge vom Anwalt kostet Rosalie wieder mehr als 1000 Franken, und das nur, weil der Richter seine Arbeit nicht macht! Von diesem Geld sieht sie keinen Rappen wieder. Sie bezahlt für die Dummheit des Gerichts.

Bei so viel Ignoranz und Gleichgültigkeit kann man leider den Glauben an den Rechtsstaat verlieren, zumal man dem zu weiten Teilen hilflos ausgeliefert ist, erst recht, wenn man nicht die nötigen finanziellen Mittel hat, um sich dagegen aufzulehnen.

Es ist zum Verzweifeln, dass alles, was schief laufen kann, auch wirklich schief läuft. Und dabei hat man den Eindruck, dass alles viel einfacher sein könnte, wenn nur der Richter seine Arbeit machen würde.

Es ist eine Farce.


Donnerstag, 2. Mai 2019

Gierige "Regierungen"

Die Struktur aus Bund, Kantonen und Gemeinden in der Schweiz mit ihren ausgeprägten eigenen Kompetenzen ist für deutsche Verhältnisse schon ungewohnt. Das fängt bei den sehr unterschiedlichen Feiertagsregelungen an (es gibt nur einen gesetzlich festgelegten Tag für die ganze Schweiz, das ist der Nationalfeiertag, alle anderen Feiertage legt der Kanton fest), und hört bei den völlig unterschiedlichen Steuern auf.

Man zahlt hier Bundessteuern, die sind natürlich einheitlich. Darüber hinaus Kantonssteuern und Gemeindesteuern. Und da fangen die grossen Unterschiede schon an. Jeder Kanton legt seinen Steuersatz selbst fest, und jede Gemeinde auch. Damit kann es sein, dass zwei benachbarte Gemeinden extrem unterschiedliche Steuersätze haben. Die Gemeindesteuern betragen einen bestimmten Prozentsatz der Kantonssteuern, die Schwankungen sind enorm. Es gibt Gemeinden mit 60%, wir liegen bei schon recht hohen 85% der Kantonssteuern.

Dies haben wir der letzten Fusion zu verdanken. Die Schweiz ist bemüht, die Anzahl der Gemeinden zu verringern, in dem sie die Kantone drängt, einzelne Dörfer und Städte verwaltungstechnisch zusammen zu legen. Grundsätzlich ist das sicherlich eine gute Idee, aber die Gefahr ist, dass einzelne Gemeinden dabei unter die Räder kommen. Man kann eben nicht mal eben so relativ grosse Städte einfach mit ganz kleinen Gemeinden in der Nähe zusammen legen und denken, es wird für alle ein Gewinn. Genau das hat man den Einwohnern in unserem Dorf versprochen, und trotz aller Bedenken und Warnungen verschiedener Menschen, auch von uns, hat sich letztlich eine Mehrheit für die Fusion ausgesprochen, weil sie den tollen Visionen geglaubt hat.

Davon ist leider, wie zu erwarten war, nichts übrig geblieben. Unser Dorf spielt in der grossen Stadt so gut wie keine Rolle, die Verwaltung gleicht alle Reglemente Schritt für Schritt an, ohne auf die besondere Situation der Dörfer in irgendeiner Weise Rücksicht zu nehmen. Und natürlich wird alles teurer. Als Erstes wurde gleich mal die Grundsteuer verdoppelt und in der Höhe damit der grossen Stadt angepasst. In der Stadt sind natürlich die Parzellen in der Regel kleiner, weil verdichtet gebaut wird. In den historischen Dörfern hatten und haben die Bauernhöfe schon immer mehr Fläche gehabt, die sie natürlich auch benutzen. Interessieren tut das niemanden in der Verwaltung - eine Gemeinde, ein Steuersatz, fertig.

Genauso zeichnet sich das nun beim Abwasser ab. Rosalie kam gestern völlig genervt von der Info-Veranstaltung zurück. In unserem Dorf galt bisher eine durchaus faire Regelung, die bei der Grundgebühr im Wesentlichen auf die Anzahl der Wohneinheiten abstellte. Macht ja auch Sinn - je mehr Menschen auf einem Grundstück wohnen, desto mehr Abwasser wird produziert.

Davon will man nun plötzlich nichts mehr wissen. Neu soll jetzt nach Fläche bezahlt werden. Nach Fläche!! Heisst, wer einen grossen Garten hat, wird bestraft mit Abwassergebühren - also Gebühren für Wasser, das im Garten versickert und im Grundwasser auf natürlichem Wege ankommt. Auch hier wieder die tolle Argumentation der Verwaltung: Das sei halt Pech und man könne ja die Fläche überbauen! Aber sicher, nichts leichter als das ... Und erneut hat man sich nur an der Stadt orientiert und die Besonderheiten von Dörfern völlig ignoriert. Für viele Einwohner könnte das dazu führen, dass sich die Gebühren mehr als verdoppeln, und das ohne irgendeine Gegenleistung!

Es gibt Gemeinden, wo man zumindest unterscheidet, ob ein Grundstück betoniert ist oder nicht. Das macht auch Sinn, denn in Beton kann Wasser nicht eindringen und landet in der Kanalisation. Aber ein Naturgarten, der Vorbild bei der Biodiversität ist, soll dafür noch Abwasser-Gebühren zahlen? In Zukunft muss also ein Paar genauso hohe Gebühren zahlen auf 1000 m2 Land wie die vielleicht zehn Bewohner eines Mehrfamilienhauses zusammen auf der gleichen Fläche. Was ist daran gerecht?

Leider war das Interesse an der Veranstaltung gestern sehr gering, sodass die Wenigsten wissen, was da auf sie zukommt. Vermutlich ist das dem Chef der Gemeinde auch völlig bewusst und er setzt darauf, dass durch Unwissenheit die neue Bestimmung ohne Proteste durchgewunken werden kann.

Dagegen hilft nur, die Bevölkerung mobil zu machen und aufzufordern, auf der nächsten Versammlung dagegen zu stimmen. Ob das gelingt, ist fraglich ...


Montag, 8. April 2019

Das Kleingedruckte

Wer kennt sie nicht: unendlich lang, verklausuliert, klein gedruckt - die AGB. Und wer liest sie schon? Man setzt den Haken auf der Webseite und fertig. Das kann auch mal ins Auge gehen.

So einen Fall hatte ich gerade. Zum Glück ist mir kein Schaden entstanden, es war nur mal wieder ein Hinweis darauf, dass man achtsam sein sollte, bevor man irgend etwas Verbindliches im Netz tut.

Kennt Ihr Quandoo? Diese Plattform bietet kostenlos Reservierungen in Restaurants an. Eine wirklich coole Sache. Man findet auf Goo*le Maps ein gutes Lokal, klickt auf "Reservieren", sucht sich eine freie Zeit aus und hat seinen Tisch gebucht. Das funktioniert super.

Da man bei der Buchung eine Mail-Adresse angeben muss, erhält man dann ein Mail mit der Bestätigung und dem Angebot, sich doch auf dem Portal anzumelden, denn dann würde man "Treuepunkte" sammeln, für jede Buchung 100 Punkte bekommen, und bei 1000 Punkten 10 Euro erhalten.

Nun ist das natürlich nicht der Hauptzweck dieses Portals, aber eine nette Geste. Also hab ich mich angemeldet und zur Begrüssung gleich 400 Punkte erhalten. Dazu noch ein paar Punkte für die abgegebenen Bewertungen.

Bei den folgenden zwei Besuchen in Berlin habe ich diese Möglichkeit wieder genutzt, weil es viel praktischer ist, schon von zu Hause aus einen Tisch zu buchen, als mühsam anrufen zu müssen. Auch gestern habe ich das wieder getan für unseren kommenden Trip. Diesmal bin ich aber nicht den Weg über Maps gegangen, sondern direkt über die App, weil ich schauen wollte, wie viele Punkte ich habe.

Und was sehe ich? Null Punkte. Wie das? Zunächst musste ich feststellen, dass die beiden letzten Buchungen zwar im Konto vermerkt waren, jedoch keine Punkte brachten. Das Buchen über Maps gilt nämlich nicht, man muss direkt über die App buchen. Steht nirgends, muss man halt wissen. Aber was ist aus den schon erworbenen Punkten geworden? Laut App wurden die vom Kundendienst am 1. März einfach gelöscht. Wie kann das sein?

Ich hab also dem Support geschrieben und darum gebeten, mir das zu erklären. Die Antwort kam schnell: Ich möge doch in den AGB unter Punkt 7.8 schauen (also "sehr" prominent): Alle Punkte vom Konto werden gelöscht, wenn man innerhalb von 180 Tagen keine Buchung getätigt hat.

Na toll. Mal davon abgesehen, dass nicht jeder in einer Grossstadt wohnt und längst nicht jedes Restaurant diesen Service anbietet, muss man also fleissig essen gehen, um die gross beworbenen Treuepunkte überhaupt nutzen zu können. Vom Verfall der Punkte steht natürlich auf der Website nichts - ausser in den AGB.

Es ist nur ein unbedeutendes Beispiel, aber es zeigt, wie schnell man unlauteren Werbeversprechen auf den Leim gehen und sich nicht einmal dagegen wehren kann. Schliesslich steht ja alles ausdrücklich in den AGB ...

Freitag, 5. April 2019

Die lieben Kollegen (58) - Frust

Nein, diesmal geht es nicht um mich. Ich hab hier derzeit alles im Griff und schaue gespannt, was sich in den nächsten Tagen und Wochen tut. Gefrustet ist meine Bürokollegin. Ich hab fachlich mit ihr wenig zu tun, aber wir haben den selben Chef.

Sie ist sicherlich keine ganz einfache Person, manchmal launisch, manchmal genervt. Aber sie vertritt ihre Meinung und hält damit nicht hinter dem Berg. Und genau DAS nimmt man ihr übel. Sie ist in der unschönen Position, verantwortlich für ein Programm zu sein, dass von Ärzten genutzt wird. Und diese Götter in Weiss haben oft ihre ganz eigenen Ansichten und Wünsche.

Nicht immer gehen diese Wünsche konform mit dem, was im Haus machbar oder gefordert ist. Wenn Zweifel da sind, benennt die Kollegin diese auch offen und widerspricht der Ansicht der Ärzte. Das Problem: Die gehen dann zu unserem gemeinsamen Chef, und der winkt das Ganze einfach durch.

Nun kann der das Kraft seines Amtes zwar tun, aber seine Kollegin dann wie ein dummes Schulmädchen dastehen zu lassen und sie noch als Querulantin darzustellen, ist ziemlich unsensibel und gehört sich nicht für einen Chef. Noch dazu kreidet er ihr das an und hat ihr daher in der letzten Beurteilung viele Minuspunkte gegeben, sodass sie diese nur unter Protest unterschrieben hat.

Sie möchte daher in jedem Fall hier weg, und da kommt die Reorg wie gerufen. Sie hat zwei Stellen gefunden, auf die sie sich bewerben möchte (andere als meine), und da ihre Muttersprache Französisch ist, habe ich ihr gestern angeboten, das Motivationsschreiben ein wenig zu überarbeiten und von Fehlern zu befreien.

Darüber hat sie sich sehr gefreut, und ich hab es gern gemacht - gehört schon während meiner gesamten beruflichen Laufbahn zu meinen "Kernkompetenzen". :-)

Die nächsten Wochen werden interessant. Es könnte sein, dass das ganze Team sehr schnell auseinanderfällt. Oder niemand von uns bekommt seine Lieblingsstelle und wir bleiben alle hier, bis man uns irgendwo anders unterbringt. Alles ist möglich ...

Donnerstag, 28. Februar 2019

Frage an BWLer

Überall muss gespart werden, das ist ja nichts Neues. Lohnerhöhungen - nicht in Sicht, Abbau von Stellen - nicht ausgeschlossen. Das alles ist nachvollziehbar, selbst für einen Laien im Bereich Controlling.

Was ich aber nicht verstehe: Warum wird hier im Hause so ein Gezeter wegen Überstunden gemacht? Angeblich ist das dem zentralen HR und Controlling ein Dorn im Auge, und zwar nicht, weil vermutet wird, dass zu viel Arbeit für zu wenig Leute vorhanden ist, sondern weil es sich bei den Stunden um eine grosse Menge Geld handelt, die man im Budget vor sich her schiebt. Und das verstehe ich nicht. Schliesslich werde ich nicht auf Stundenbasis bezahlt, sondern erhalte ein festes Gehalt. Wie soll sich da ein Stundenguthaben auf die Finanzen der Firma auswirken? Was spielt es im Controlling für eine Rolle, ob ich nun 20 oder 50 Überstunden habe? Wenn ich dann mal zwei Tage zu Hause bleibe, ist alles wieder gut?

Ich kann das nicht nachvollziehen. Also vielleicht liest hier jemand mit, der mir das mit einfachen Worten erklären kann ...?

Merci. :-)

Dienstag, 26. Februar 2019

Die lieben Kollegen (54) - Der nächste Paukenschlag?

Zur Erinnerung: Bis zum Mai 2017 war ich der neueste Kollege in unserem dreiköpfigen Team. Dann ging (endlich) einer der beiden anderen und ein frischer Kollege kam dazu. Nach ein paar Startschwierigkeiten habe ich ihn inzwischen ganz gut "erzogen" und es läuft mit uns.

Im Dezember wurde der zweite Kollege raus geschmissen und ein neuer Mitarbeiter gesucht. Der fängt nun am kommenden Freitag an und damit wäre das Team komplett.

Wäre ... Gestern Nachmittag wollte mein Teamkollege unbedingt mit unserem Chef sprechen. Noch bevor die Tür zu dessen Büro geschlossen wurde, ahnte ich, worum es gehen könnte, und als mein Kollege anschliessend nach einem freien Tag fragte, war es mir klar: Er bewirbt sich auf eine andere Stelle bei einer anderen Firma! Aus seiner Sicht nachvollziehbar, denn die Perspektive hier ist ungewiss durch die Reorg, und das Gehalt ist im Vergleich zur Privatwirtschaft jämmerlich. Dass man sich da mit 25 noch entwickeln möchte, ist völlig normal.

Und so wird er also nächste Woche Donnerstag fehlen und sich bewerben. Wenn das klappt, sind wir ab Sommer wieder nur noch zu zweit. Mit anderen Worten - ich sässe dann mit einem fast noch neuen Kollegen allein hier. Dazu passt ja bestens die Ansage vom Chef, ich möge meine Überstunden abbauen. Daraus würde dann wohl vorläufig nichts.

Die äusserst mickrige Bezahlung ist derzeit das Einzige, was mich an dem Job hier ärgert. Ich bin es zwar mein Leben lang gewohnt, mit wenig Geld auskommen zu müssen, aber wenn ich sehe, wie Anderen hier Pöstchen zugeschoben werden, dann muss ich mir überlegen, ob das momentan wirklich der Job ist, den ich bis zur Rente ausüben möchte. Leider ist es mit über 50 nirgends leicht, eine Stelle zu bekommen. Lohnerhöhungen, wie man sie aus Deutschland kennt, sind hier aber leider so gut wie ausgeschlossen, sodass man durch die Inflation im Laufe der Zeit ohnehin schon immer weniger übrig hat. Im Grunde bleibt einem also nur, weiter zu ziehen, wenn man die Möglichkeit hat.

Vielleicht sollte ich mal ein Zwischenzeugnis beim Chef einfordern und signalisieren, dass ich nicht gewillt bin, hier für einen "Hungerlohn" bis ans Ende meiner Tage zu bleiben.

Dienstag, 29. Januar 2019

Französisch kann ich gut

... aber mit der Sprache hapert es! Dieser nicht ganz jugendfreie Spruch fiel mir gestern Abend ein, als ich in dem Französisch-Kurs sass.

Schon bei der Ankunft war ich ein wenig verwirrt und schaute schnell noch mal auf die Anmeldebestätigung, ob ich auch an der richtigen Stelle zum richtigen Zeitpunkt war. Einige der Teilnehmer unterhielten sich munter auf französisch, alle wurden von den Dozenten ebenso begrüsst. Ich war verwirrt, nahm aber erst mal gespannt Platz auf den Kinderstühlen.

Als alle da waren (etwa 20 Personen jeder Altersgruppe) nahm das "Unheil" seinen Lauf. Die beiden Dozenten, ein Ehepaar, stellten sich und den Kurs vor - in fliessendem Französisch! Ich verstand meist nur Bahnhof und schaute verlegen in die Gesichter um mich herum, die mal nickten, mal schmunzelten zu einem vermeintlichen Joke der Dozentin.

Dann bat man uns, sich vorzustellen mit Name, Alter, Wohnort, was man mag, was nicht, was man in der Freizeit tut ... Wie, was? Wollen die mich hier veralbern, ist das "Versteckte Kamera"? War es nicht, und zu meinem erneuten Erstaunen konnten sich alle Teilnehmer mehr oder weniger sicher ausdrücken. Ich war zum Glück nicht als Erster dran, konnte einige Brocken von den Vorrednern übernehmen und schlug schnell zwei Vokabeln im Handy nach. Somit hatte ich diese Blamage abwenden können. Meine Rettung war, dass ich in der Vergangenheit mit der App Duolingo ein wenig was gelernt hatte und damit zumindest im ganzen Satz sprechen konnte.

Nun folgten zwei Tests, um das Niveau der Klasse einschätzen und den Kurs beim nächsten Mal in zwei Teile aufteilen zu können. Zunächst ein Hörtest. Dabei wurden Phrasen vorgelesen, die man dem entsprechenden Bild zuordnen musste. Hier habe ich völlig versagt. Das Lustige: Ich hab den Test hier am Abend Rosalie gezeigt, und selbst sie kannte zwei Wörter nicht. Und das soll ein Anfänger-Kurs sein? Aber macht Euch selbst ein Bild, und wer alles übersetzen kann, dem sei gratuliert!

Danach gab es noch einen schriftlichen Test. Hierbei musste man Antworten oder Wortergänzungen zu gegebenen Sätzen per Multiple Choice finden. Das fiel mir etwas leichter, aber bei den 20 Fragen wusste ich auch längst nicht alle Antworten.

Am Ende der Veranstaltung habe ich versucht, mit den Dozenten zu sprechen, was ziemlich schwierig war, da sie kaum deutsch verstehen. Wir hatten die Idee, dass ich nächsten Montag doch noch einmal erscheinen solle, um dann zu sehen, wie hoch das Niveau der anderen Teilnehmer in meiner Gruppe wäre. Aber ich habe grosse Zweifel, ob sich das lohnt. Ich bräuchte einen Kurs, der bei Null anfängt, mir die Grundregeln der französischen Sprache beibringt, dazu die ersten einfachen Vokabeln, Zahlen usw. Wenn das alles schon vorausgesetzt wird, fehlt mir einfach der Anschluss. Das wäre so, als würde man mit einem Formel-1-Wagen ein paar Runden drehen, bevor man überhaupt das Anfahren und Kuppeln gelernt hat. Das halte ich nicht für zielführend, denn schon bei der App hat mich gestört, dass ich keine Erklärungen bekam, warum bestimmte Wörter gerade so und in einer bestimmten Konstellation benutzt werden.

Daher neige ich dazu, der Gemeinde zu schreiben, dass sie mich bitte vom Kurs abmelden sollen, da die Zielgruppe offensichtlich nicht dem entspricht, was angekündigt wurde. Schade, aber es wäre vergeudete Zeit.




Freitag, 25. Januar 2019

Prozess-Update

Wie erwartet, ist der Verhandlungstermin für nächste Woche abgesagt worden. Die Begründung des Richters klingt schwer nach Ausrede, aber egal - einen neuen Termin wird es frühestens im Frühling geben.

Wir warten noch auf den Donnergroll aus dem Hause des Ex. Bisher herrscht Schweigen. Das Gute ist, dass Rosalie keine Schuld trägt. Somit kann der Ex seine Wut höchstens beim Gericht auslassen und ihr nicht wieder vorwerfen, sie würde den Prozess blockieren.

Da er mit den Alimenten schon wieder drei Monate im Rückstand ist, dürfte der nächste Ärger schon vorprogrammiert sein. Aber das hat er sich selbst zuzuschreiben, und Rosalie wird keine Rücksicht mehr nehmen.