Dienstag, 4. Februar 2020

Vertrauen ist gut

... und Kontrolle immer besser! Das sollte eigentlich für den eigenen Hausarzt nicht gelten. Leider wurde ich eines Besseren belehrt.

In diesem Post bin ich schon mal kurz darauf eingegangen. Inzwischen ging das Drama weiter. Noch einmal kurz zum Hintergrund: In der Schweiz zahlt man die Beiträge für die Krankenkasse immer selbst. Es gibt diverse Tarife, zwischen denen man wählen kann. Sie unterscheiden sich u. a. in der Höhe des Selbstbehaltes. Faustregel ist, dass man mit steigendem Alter den Selbstbehalt senkt, da mehr Wehwehchen zu erwarten sind.

Mein Selbstbehalt ist noch relativ hoch, sodass ich die Akupunktur-Behandlung, die mein Arzt mir anbot, allein zu zahlen hatte. Natürlich habe ich im Voraus überschlagen, wie hoch die Rechnung wohl ausfallen würde und war überrascht, dass mein Überschlag deutlich übertroffen wurde.

Nun ist es hier so, dass die Praxen oftmals ihre Leistungsabrechnungen direkt mit der KK abrechnen und diese dann den Betrag von mir zurückfordert. Die jeweilige Praxis ist dann eigentlich per Gesetz verpflichtet, dem Patienten eine Kopie der Rechnung auszuhändigen. Doch mein Arzt tut dies nur auf ausdrücklichen Wunsch. Ich weiss jetzt auch, warum ...

Ich hab also die Rechnung angefordert und musste feststellen, dass dort Leistungen aufgeführt waren, die er gar nicht erbracht hat. Zudem hat er bei der Liegezeit während der Behandlung geschummelt und auch noch eine Notfall-Pauschale verrechnet. Unverschämt!

Also hab ich ihm ein Mail geschrieben mit der Bitte, mir die einzelnen Positionen zu erklären. Die Antwort war ziemlich dreist und genauso unverschämt wie die eigentliche Abrechnung. Tenor: Er würde letztlich in der Summe berechnen, was andere Ärzte für so eine Leistung ansetzen, und da spielten die einzelen Positionen ja gar keine Rolle. Interessante Methode - es wäre danach also egal, was genau er gemacht hat, er orientiert sich einfach an der Konkurrenz, die auch Akupunktur anbietet, und schiebt dann die Positionen beliebig so zusammen, dass der Preis am Ende für ihn stimmt. Darauf muss man erst einmal kommen.

Da ich offenbar mit meiner Anfrage nicht weiter kam, kontaktierte ich meine Krankenkasse. Ich musste zwei Mal mahnen, aber dann rief mich eine sehr nette Dame von der Leistungsabrechnung zurück. Wir sprachen über eine halbe Stunde lang und ich erhielt ein paar gute Argumente, um mich noch einmal an meinen Arzt zu wenden. Sie selbst konnte mir nicht helfen, da die aufgeführten Leistungen an sich nicht zu beanstanden waren und die KK natürlich nicht wissen kann, was davon wirklich stattgefunden hat.

Also schrieb ich dem Arzt erneut und baute etwas Druck auf, in dem ich darauf verwies, dass die Kasse informiert sei und meine Bedenken teile.

Und - siehe da - er korrigierte die Rechnung! Statt der 700 musste ich nun "nur noch" 600 Franken bezahlen. Offenbar hatte er kalte Füsse bekommen! Der neue Betrag war, genau genommen, immer noch zu hoch, aber ich wollte das Ganze nicht endlos weiter treiben, und mir ging es auch und vor allem ums Prinzip!

Als ich Tage später nochmals mit der netten Frau von der KK sprach, sagte sie mir, dass man mal ein wenig nachgeforscht hätte und ungewöhnlich viele abgerechnete Konsultationen gefunden habe. Was auch immer man nun mit dieser Erkenntnis anstellt, mag mir egal sein. Ich bin immerhin zu meinem Recht gekommen. Nun wundert es mich jedenfalls nicht, dass die Praxis täglich schon um 16 Uhr schliesst und freitags gar nicht geöffnet hat. Offenbar hat er seine Schäfchen auch innerhalb von vier Tagen pro Woche und sehr arbeitnehmerunfreundlichen Öffungszeiten im Trocknen.

Man kann sich vorstellen, dass mein Vertrauen in diesen "Arzt" nun dahin ist. Deswegen war ich letzte Woche nicht bei ihm sondern in der Anlaufstelle des örtlichen Spitals. Leider ist es hier in der Region schwierig, einen neuen Hausarzt zu finden, da alle überlastet sind und meist keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Möglicherweise muss ich früher oder später also doch wieder zu ihm gehen, wenn ich ärztlichen Rat oder eine Krankschreibung benötige.

Einmal mehr hat sich wieder gezeigt, dass man keiner Rechnung trauen darf, sondern alles kritisch hinterfragen muss. Wer weiss, wie viele Patienten dieser Arzt mit seiner Masche schon geschädigt hat. Wer einen geringen Selbstbehalt hat, wird ohnehin nicht so genau hinschauen, denn dann zahlt ja die Krankenasse. Darauf spekuliert er möglicherweise. Bei mir wird er sich das jedenfalls nicht mehr trauen.


Kommentare:

  1. Ich möchte nicht wissen, was hier in Deutschland alles so auf die Rechnungen für die Krankenkasse gesetzt wird, wo man diese selbst ja nicht zu sehen bekommt. Und da es eh die Krankenkasse bezahlt, hat man auch gar keine Lust, sich da irgendwie einzumischen und genauer nachzuschauen. Allerdings bezahlt man es indirekt dann eben doch mit, nämlich in Form von Beitragserhöhungen. Ist aber schon richtig übel, wenn man wie du, noch nicht einmal viel Auswahl hat, um irgendwo anders hinzugehen und von ein oder zwei ärzten abhängig ist.

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    1. Schwarze Schafe gibt es leider überall, und ein weisser Kittel nützt da nicht viel.
      Es gibt schon einige niedergelassene Ärzte in der Gegend, aber eben längst nicht genug. Auch bei meinem aktuellen wäre ich nicht untergekommen, wären nicht Rosalie und ihrer Kinder schon länger dort "Kunden". Allerdings gab es auch bei Ihnen schon einige Situationen, in denen sie nicht so überzeugt waren von den Fähigkeiten.
      Das Problem ist ja auch, einen GUTEN Arzt zu finden. Jetzt ewig herum zu probieren, ist auch öde. Bei einem weiss ich schon, dass der gar nicht in Frage kommt. Zu dem musste ich für eine Bestätigung meiner körperlichen Unversehrtheit zur Beantragung des Schweizer Führerscheins, und mit dem könnte man vielleicht ein Bier in der Kneipe trinken, aber seriös wirkte der überhaupt nicht.
      Also werde ich am besten nicht mehr krank. ;-)

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  2. Hier in D gibt es auch Ärztemangel. Auf dem Land vielleicht noch mehr, als in der Stadt. Aktuell suche ich einen Neurologen, der noch neue Patienten aufnimmt. Einige gehen nicht mal ans Telefon... !
    Krankenkassenbetrug gibt es leider häufiger. Aber die Kassen forcieren das zum Teil auch selber mit ihren idiotischen Vorschriften und Knebelverträgen. Die Hausärzte haben längs die Faxen dicke mit der ganzen Bürokratie und den Budgetbegrenzungen.
    Eine mir bekannte Ärztin, die oft schwierige Patienten (also teure) behandelt (hat sich unter anderem auf Kinder mit ADHS ect. spezialisiert), macht jetzt nur noch mit Privatpatienten. Kassenpatienten sind da raus. Kann sich leider nicht mehr jeder leisten. Zweiklassengesellschaft. :-(

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    1. Das ist leider so in Deutschland, kenn ich nur zu gut. So ein System gibt es in der Schweiz nicht, hier kann jeder für sich entscheiden, wie viel ihm seine Gesundheit wert ist. Dafür allerdings beteiligt sich der AG nicht an den Zahlungen. Hat halt alles Vor- und Nachteile ...

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  3. Ich bewundere deine Geduld und Ausdauer. Ich bin von solchem Papierkram, der in meinen Augen auch noch vollkommen überflüssig ist wie ein Kropf, einfach nur genervt. Ich möchte keine Schreiben mehr schreiben, aber ich hab's gerade mit der GEZ, die einfach einen Monat zu früh die Beiträge fordert. Kann nicht schnell genug gehen, dass ich aus der Bedürftigkeit raus bin...
    Liebe Grüße
    die Hoffende

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    1. In solchen Dingen sind Rosalie und ich uns sehr ähnlich. Besonders, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, lasse ich nicht locker, solange ich eine Chance sehe, zu meinem Recht zu kommen. Und Erfahrungen wie diese hier geben mir Recht, dass es sich durchaus lohnt, auch wenn es Zeit und Nerven kostet.

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