Dienstag, 21. Juli 2020

Binär ist out

Ich denke von mir, dass ich viel Verständnis habe und offen bin für allerlei verschiedene Geschlechter, und es ist mir auch völlig wurscht, ob sich nun jemand als Mann, Frau, Divers oder was auch immer fühlt. Aber Menschen mit weiblichen Geschlechtsorganen nur noch als "Menstruierende Personen" anzusprechen - also da hört der "Spass" nun wirklich für mich auf. 

Zumal sich damit neue Fragen stellen: Was, wenn ein Mann sich als Frau fühlt? Spreche ich ihn dann doch als Frau an? Menstruieren wird er wohl bei aller Kunst der Medizin nicht können. Und was, wenn eine Frau sich als Mann fühlt - dann ist sie immer noch menstruierend, möchte das aber gar nicht sein? Soll ich sie dann als Mann ansprechen? Oder ist das auch wieder falsch, falls sie eines der unzähligen weiteren Geschlechter jenseits sozialer Konstrukte alter, weisser, binär denkender Männer hat?

Und hilft es irgend jemandem wirklich, sich im Alltag zurecht zu finden und sich besser zu fühlen? Eine Frau menstruiert, ein Mann nicht. Soweit so gut. Wenn sich ein Mann weiblich fühlt, spreche ich ihn gern als Frau an und umgekehrt. Aber alles soll ich im Grunde nur über den Status Menstruation ja/nein spezifizieren? Und müssten sich nicht eigentlich alle weiteren Geschlechter diskriminiert fühlen, wenn sie unter "divers" einfach subsumiert werden? Und was ist überhaupt mit weiblichen Wesen, die auf Grund ihres Alters nicht mehr oder noch nicht menstruieren - muss ich darauf auch noch Rücksicht nehmen? Fragen über Fragen.

Hier ein sehr "interessanter" Artikel pro:


Und hier einer contra - von einer Frau geschrieben:




Kommentare:

  1. Wahrscheinlich lebe ich hinterm Mond, aber ich habe noch nie gehört, daß jetzt von "menstruierenden Menschen" gesprochen wird. Außer im Kabarett, aber da heißen sie "Menschen mit Menstruationshintergrund".

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    1. Gib mal "menstruierende person" bei Google ein - Du wirst staunen. Joanne K. Rowling bekam kürzlich einen Shitstorm zu spüren, weil sie dagegen opponierte. Vielleicht bin ich ja komplett altmodisch oder lebe auch hinter dem Mond, aber ich schliesse mich da gern FRAU Rowling an.

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  2. Hmm und was ist mit den Frauen, die nicht mehr menstruieren? Ist dann deren "Geschlechtsspezifikation" = nmm = "nicht mehr menstruierend"? Wie werden sie dann angesprochen, wenn sie gerade im Übergang sind nm="noch menstruierend"? Watt ein Quark!

    Ja, ich kann verstehen, dass sich jemand der Trans oder keiner Rolle zugehörig fühlt nicht als Mann/Frau ansprechen lassen möchte, aber irgendwo hört es für mich auf und bei dem Zustand der Hormonfunktion einer Frau benannt zu werden ist für mich komplett neben der Spur.

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    1. Das sehe ich auch so und dachte, als ich das erste Mal davon las, an eine Satire zum ausufernden Genderismus. Aber offenbar meint man es damit wirklich ernst. Ob wohl demnächst auf Geburtsurkunden und Ausweisen nur noch ein Kreuz zu setzen ist hinter dem Punkt "Menstruierfähig:"?

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  3. In dem Artikel, auf den sich der spöttische Kommentar von J.K. Rowling bezog, ging es um das Thema Menstruation, wie Antje Schrupp in ihrem Kommentar zu dem zweiten Beitrag anmerkt: http://bzw.soundsites.net/2020/06/ich-bin-keine-menstruierende-person/#comment-553887

    In diesem Zusammenhang erscheint es mir durchaus sinnvoll und korrekt, diesen Begriff zu benutzen, denn es gibt nun einmal Menschen, die menstruieren und sich selbst nicht als Frauen definieren. (Davon abgesehen, dass es auch Frauen gibt, die nicht - mehr - menstruieren.) Insofern kommt es immer ganz darauf an, was genau man bezeichnen möchte. Diese Differenzierung war Mrs. Rowling aber leider nicht der Mühe wert.

    Herzliche Grüße,
    Schattentänzerin

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    1. Liebe Schattentänzerin, Du hast schon Recht - natürlich kommt es auf die Betrachtungsweise an und man kann man das rein biologisch unterteilen. Das mag hier und da und im entsprechenden Zusammenhang natürlich auch Sinn machen. In dem von mir erwähnten Artikel geht es jedoch offenbar darum, den Begriff "Frau" gar nicht mehr zu benutzen, sondern im Grunde fast nur noch von menstruierenden Personen zu sprechen:"Wir sind nicht perfekt und auch in unserer Kommunikation taucht sicherlich “Frau” auf, wenn dort eigentlich “menstruierender Mensch” oder “menstruierende Person” stehen sollte. Hier wollen wir besser werden!"
      Und ganz ehrlich - das geht mir zu weit und klingt, zumindest in meinen Ohren, sogar herabwürdigend. Aber die Zeit wird zeigen, ob sich Frauen mit dieser biologisch korrekten Bezeichnung anfreunden möchten oder am Ende nicht doch lieber Frauen sind (wenn sie sich als solche fühlen).

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    2. Lieber Herr B.,

      aber die Seite, die du oben verlinkt hast (und aus der du zitierst), beschäftigt sich doch auch mit dem Thema Menstruation. Es ist eine Website für Menstruationsunterwäsche. Dass die Hersteller nicht nur Frauen ansprechen wollen, sondern z.B. auch Trans*männer (die eben vielleicht auch menstruieren), finde ich jetzt so verwerflich nicht. Es handelt sich keinesfalls um einen Aufruf, den Begriff "Frau" aus dem Sprachschatz zu tilgen.

      Liebe Grüße,
      Schattentänzerin

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    3. Weisst Du, was mich daran stört, ist das Extreme. Ich denke, wir sind uns einig, dass es eine Minderheit betrifft, die sich nicht als Frau fühlt. Und das dafür der Begriff Frau gleich ganz getilgt werden soll, zumindest auf dieser Seite, finde ich übertrieben. Kann man nicht wenigstens die Begriffe abwechselnd benutzen? Werden nicht Frauen dadurch sonst auch diskriminiert?
      Liebe Grüsse
      Herr B.

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    4. Natürlich könnte man jedes Mal schreiben "Frauen und andere Menschen, die menstruieren". Aber wäre das wirklich besser? Für mich ist "Menschen, die menstruieren" eine Art Oberkategorie, die sowohl eine Subgruppe der Frauen - ich selbst gehöre zum Beispiel nicht mehr dazu - als auch eine Subgruppe Trans- oder non-binärer Personen umfasst. Die Begriffe "Frauen" und "Menschen, die menstruieren" sind schlicht und einfach nicht deckungsgleich. Es gibt sowohl Frauen, die nicht menstruieren, als auch Menschen, die in der Kategorie "Frau" nicht heimisch sind, aber sehr wohl menstruieren. Was ist extrem daran, diese Tatsache auch sprachlich sichtbar zu machen? Es ist ungewohnt, das gebe ich zu. Aber ich fühle mich dadurch als Frau keineswegs diskriminiert. Warum auch?

      Mir persönlich gefällt der Begriff "Menschen, die menstruieren", eben weil man erst mal drüber stolpert, innehält, sich denkt "Nanu?" und dann vielleicht sogar auf die Idee kommt, dass wir alle - ob wir nun menstruieren oder nicht - am Ende in allererster Linie Menschen sind.

      Mein Frausein definiert sich jedenfalls nicht über die Fähigkeit zu menstruieren. Ich persönlich finde es eher angenehm, keine Monatsblutung mehr zu haben, obwohl ich nie Probleme mit meiner Menstruation hatte. Ich gehöre sehr gerne zu den "Menschen, die nicht menstruieren". Und ich bin gerne eine Frau und fühle mich auch zutiefst weiblich. Das schließt sich für mich überhaupt nicht aus.

      Wenn mich etwas diskriminiert, dann ist es die Tatsache, dass die Begriffe "Mensch" und "Mann" lange Zeit nahezu als deckungsgleich galten (und es etymologisch auch mehr oder weniger sind). Aber das ist eine ganz andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. :-)

      Liebe Grüße,
      Schattentänzerin

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    5. Ich lasse das als schönes Schlusswort gern mal so stehen. :-) Danke für Deine Antworten, es ist - auch wenn ich anderer Meinung bin - durchaus oder um so mehr wohltuend, ohne Hysterie und Schimpfwörter verschiedene Meinungen gegenüberstellen zu können. Gutes Benehmen im Netz ist leider nicht (mehr) selbstverständlich.

      Liebe Grüsse
      Herr B.

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