Freitag, 5. April 2019

Die lieben Kollegen (58) - Frust

Nein, diesmal geht es nicht um mich. Ich hab hier derzeit alles im Griff und schaue gespannt, was sich in den nächsten Tagen und Wochen tut. Gefrustet ist meine Bürokollegin. Ich hab fachlich mit ihr wenig zu tun, aber wir haben den selben Chef.

Sie ist sicherlich keine ganz einfache Person, manchmal launisch, manchmal genervt. Aber sie vertritt ihre Meinung und hält damit nicht hinter dem Berg. Und genau DAS nimmt man ihr übel. Sie ist in der unschönen Position, verantwortlich für ein Programm zu sein, dass von Ärzten genutzt wird. Und diese Götter in Weiss haben oft ihre ganz eigenen Ansichten und Wünsche.

Nicht immer gehen diese Wünsche konform mit dem, was im Haus machbar oder gefordert ist. Wenn Zweifel da sind, benennt die Kollegin diese auch offen und widerspricht der Ansicht der Ärzte. Das Problem: Die gehen dann zu unserem gemeinsamen Chef, und der winkt das Ganze einfach durch.

Nun kann der das Kraft seines Amtes zwar tun, aber seine Kollegin dann wie ein dummes Schulmädchen dastehen zu lassen und sie noch als Querulantin darzustellen, ist ziemlich unsensibel und gehört sich nicht für einen Chef. Noch dazu kreidet er ihr das an und hat ihr daher in der letzten Beurteilung viele Minuspunkte gegeben, sodass sie diese nur unter Protest unterschrieben hat.

Sie möchte daher in jedem Fall hier weg, und da kommt die Reorg wie gerufen. Sie hat zwei Stellen gefunden, auf die sie sich bewerben möchte (andere als meine), und da ihre Muttersprache Französisch ist, habe ich ihr gestern angeboten, das Motivationsschreiben ein wenig zu überarbeiten und von Fehlern zu befreien.

Darüber hat sie sich sehr gefreut, und ich hab es gern gemacht - gehört schon während meiner gesamten beruflichen Laufbahn zu meinen "Kernkompetenzen". :-)

Die nächsten Wochen werden interessant. Es könnte sein, dass das ganze Team sehr schnell auseinanderfällt. Oder niemand von uns bekommt seine Lieblingsstelle und wir bleiben alle hier, bis man uns irgendwo anders unterbringt. Alles ist möglich ...

Kommentare:

  1. Spannend, spannend! Vor allem, wohin es deinen Chef verschlägt. Entweder sind da endlich gescheite Leute am Werk - und es wird chefmässig besser, oder die altbekannten Seilschaften - dann würde dein Chef irgendwo mittendrin weiterwursteln. Viel Glück auch deiner Kollegin!

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    1. Ich gebe das gern weiter, zumindest mental. :-)
      Tja, mein Chef ist absolut kein Chef-Typ. Das kann man ihm nicht verübeln, aber die Frage bleibt, wie er diesen Posten bekommen hat.
      Ich weiss nicht, ob und welche Beziehungen notwendig sind, um an die nun ausgeschriebenen Stellen zu kommen. Es wäre bitter, wenn der ganze Bewerbungsprozess nur Theater sein sollte. Aber ich hoffe, wir alle hier haben zumindest eine reelle Chance. Wohin es dann meinen Chef verschlagen wird, dessen Funktion künftig nicht mehr gebraucht wird, kann ich gar nicht abschätzen. Aber er wird schon sein Plätzchen finden.

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    2. Entweder ist es eine elegante Art, ihn "loszuwerden", oder er steigt noch ein Treppchen höher. Da wird sich zeigen, was hinter der ganzen Re-Org steht.

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    3. Ich hab gestern Nachmittag über eine Stunde mit meinem Chef gesprochen, und er wirkte deutlich besorgter als ich, was mich durchaus verwundert hat. Ob er erkennt, dass seine Stelle und seine Person im Hause schwer zu vermitteln sein werden?

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