Mittwoch, 14. Februar 2018

Immer schön jammern

Der Druck im Kessel steigt immer weiter. Was sich Chef und Kollegen leisten, ist eine Zumutung. Der eine hat diese Woche Urlaub und erdreistete sich am Freitag, mir mal eben diverse Mails weiter zu leiten: Untergegangen, vergessen, nicht geschafft ... Mein Chef sah es, schüttelte den Kopf ... und nahm es hin. Mir blieb nichts weiter, als den ganzen Müll abzuarbeiten.

Gestern Mittag bat dieser tolle Chef den verbliebenen Kollegen und mich, jemand möge sich am nächsten Vormittag mit einem Arzt in Verbindung setzen, um ein paar Dinge an seinem Notebook zu korrigieren. Ich schrieb dann später meinem Kollegen per Mail, ob er das übernehmen könne, weil ich an dem Morgen einen Termin hätte und nicht wisse, wie lange das dauert. Keine zwei Minuten später klingelte mein Telefon. Der Kollege antwortete, er hätte sooo viele offene Tickets und wisse nicht, ob er DAS schaffen würde. Ich sagte, okay, dann überlegen wir uns das am nächsten Morgen.

Eine Stunde später, ich war schon auf dem Heimweg, kam ein Mail von meinem Chef. Der Kollege hätte doch sooo viel zu tun, und darum würde er nun mich bitten, die Sache zu übernehmen.

Wie bitte? Der darf jammern und wird belohnt, und bei mir wird nicht mal gefragt, ob ich das zeitlich hinbekomme? Der telefoniert ständig privat und ist auf FB am Chatten, und ich soll dafür seine Arbeit mitmachen?

Es bewahrheitet sich leider mal wieder: Wer pflichtbewusst ist, nicht jammert, seine Arbeit schafft, und das noch ohne Mängel, ist am Ende der Dumme. Ich darf heute wegen Abwesenheit vier Telefone "betreuen", sämtliche Mails des Teams bearbeiten, nebenbei auch noch irgendwie meine Aufgaben erledigen, und nun auch noch die Arbeit der anwesenden Kollegen übernehmen? Irgendwie hab ich wohl die Welt nicht verstanden.

Gut, dass es auch noch die schönen Seiten des Lebens gibt, wie das aktuelle Post von meinem Schatz. :)

Kommentare:

  1. Das erklärt, warum die sich einen Preußen ins Team geholt haben.Ich bekäme in einem solchen Fall vermutlich Mordgelüste...

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    1. Ganz so schlimm ist es zwar noch nicht, aber es geht in diese Richtung. Wenn ich morgens immer weniger gern ins Büro gehe, ist das kein gutes Zeichen.
      Ich vermute, es ist meinem Chef schon klar, dass er hier zwei Pfeifen im Team hat, aber es kann nicht sein, dass ich jetzt derjenige bin, der das auszubaden hat. Dafür ist das Gehalt definitiv zu gering (und ich fürchte, die beiden "Kollegen" bekommen sogar mehr als ich).

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  2. Vielleicht mal (weil Sie die Arbeit der beiden Nichtsnutze teilweise miterledigen müssen)ein höheres Gehalt fordern? Oder wäre das zu riskant?

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    1. Leider ist das bei einem öffentlichen Träger nicht so einfach. Und hier in der Schweiz gibt es auch keine regelmässigen Erhöhungen nach Tarifverhandlungen wie in Deutschland.
      Bei uns gibt es jährlich eine Lohnsumme, die für das ganze Haus zu verteilen ist. Von oben nach unten entscheiden dann die Chefs, ob und wer davon etwas abbekommt. Im April ist es wieder so weit, man darf also gespannt sein ...
      Ausserdem sind hier noch Funktionen vakant, die Chef meinem Kollegen gerade gestrichen hat. Auch die müssten theoretisch neu verteilt werden und bringen auch mehr Gehalt mit sich. Das alles warte ich jetzt mal ab. Und dann habe ich jederzeit noch die Option, ein Zwischenzeugnis zu verlangen und meinen tollen Chef damit mal vorzuwarnen, dass ich nicht bereit bin, hier weiterhin unter den selben Bedingungen für drei zu arbeiten.

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  3. Toi, toi, toi! Ich drücke mal die Daumen.

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    1. Für diesen Ausspruch soll man sich ja nicht bedanken, das bringt Unglück. Aber ja ... Daumen drücken nehme ich gern an. Spannend ist, dass das Arbeiten diese Woche, wo einer der beiden Kollegen nicht da ist, deutlich angenehmer und effizienter ist. Ich analsysiere noch, warum das so ist. :)

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  4. Oh weia - immer weniger gerne ins Büro gehen, das ist nicht gut! Das ist ein fataler Anfang einer Entwicklung, die sich in der Regel nur noch schwer stoppen lässt, zumal dann, wenn sich an der Situation nichts ändert. Und genau danach sieht es bei den beiden Nichtsnutzen aus. Läuft doch prima für sie... effizienter noch dazu... Womöglich wird die Arbeit sogar noch 150% gemacht (und das sogar für vermutet weniger Entlohnung). Nein, ich will hier kein Öl ins Feuer gießen, bin auch nicht sarkastisch. Ich weiß nur zu gut, wovon die Rede ist und wohin solch ein Pflichtbewußtsein führen kann. Ich habe es versäumt, rechtzeitig die Bremse zu ziehen. Als nichts mehr ging, durfte ich mir noch anhören, warum ich denn nichts gesagt hätte. Außerdem müsse man doch keine 150% leisten, 80% würden doch auch reichen. An diese 80% (vermutlich sogar weniger) scheinen sich Ihre Kollegen jetzt schon zu halten - auf Ihre Kosten.
    Passen Sie auf sich auf!

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    1. Das werde ich tun, schon meiner Gesundheit zuliebe. Momentan vergeht kein Tag, an dem ich nicht den abwesenden Kollegen etwas "nachräumen", sprich Vergessenes aufarbeiten muss. Das nagt an einem und macht einen irgendwann krank. Soweit soll und darf es nicht kommen! Falls ich mich demnächst in einem Post sehr verbittert anhöre, dann bitte nochmals daran erinnern. :)

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  5. Was passiert denn, wenn man ihnen nichts "nachräumt"? Die Verantwortung für die Aufgabenerledigung ist doch klar, oder etwa nicht? Gibt es eine schriftliche Festlegung, dass Sie Unerledigtes der Kollegen übernehmen müssen? Nur damit klar ist: Es ist völlig in Ordnung, wenn man für Kollegen mal etwas übernimmt. Aber hier ist der Fall doch ganz anders gelagert.
    Und ja, ich werde Sie dran erinnern. Für mich haben die Postings der letzten Zeit eh schon einen alarmierenden Unterton, der Ihnen vielleicht noch gar nicht so bewußt ist...

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    1. Mein Problem ist, dass ich Unerledigtes nicht liegen lassen kann. Einerseits wird es auch erwartet, Andererseits fällt es immer aufs ganze Team zurück, wenn etwas nicht funktioniert. Und das finde ich extrem ärgerlich, denn es reisst schnell ein, was man sich mühsam aufgebaut hat. Zuletzt wurde ich zudem vom Chef direkt gebeten, Dinge zu übernehmen, die Andere vergessen haben. Da hilft am Ende wohl nur, auch mal zu jammern, dass man so viel zu tun habe.
      Dabei stimmten mir noch alle zu im letzten Meeting, als ich meinte, man müsste eben auch mal die A... backen zusammen kneifen und einfach mal machen statt zu lamentieren. Geholfen hat es bisher offenbar nicht.
      Ich merke, dass ich im Vergleich zu früher mehr Mühe habe, mich morgens zu motivieren. Das ist nicht gut.

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  6. Ja, das kenne ich mit den unerledigten Dingen. Aber alles hat seine Grenzen (und ja, ich kenne auch solche Chefs wie den Ihren...). Mit dem Wissen und den Erkenntnissen von damals würde mir heute so vieles nicht mehr passieren. Ist aber jetzt auch egal, Rentenantrag ist gestellt...
    Ihre letzten beiden Sätze sollten Sie nicht aus den Augen verlieren!

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    1. Es ist einfach schade, dass die Motivation, die ich vor einem Jahr hatte, nun immer mehr verschwindet und dem Wunsch weicht, sich doch noch einmal zu verändern. Mit bald 52 wird das aber immer schwieriger. Vielleicht bleibt dann nichts, als bewusst ein paar Gänge zurück zu schalten. Schon meiner Gesundheit zuliebe.
      Ich hab schliesslich noch einige Jahre vor mir.

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