Mittwoch, 14. März 2018

Wo führt das noch hin?

Diese ganze Scheidungsgeschichte steht unter einem denkbar schlechten Stern. Oder ist sie gar verflucht? Nun zieht sich der Prozess schon über Jahre hin, im Laufe der Zeit sind meterweise Ordner angefallen. So ganz zufrieden war Rosalie mit ihrem Anwalt zwar noch nie, aber er ist zumindest ein alter Fuchs, weiss, wie der Hase läuft und kennt auch den gegnerischen Anwalt und dessen Strategien gut.

Und nun ruft die Kanzlei an und teilt mit, dass ihr Anwalt lebensbedrohlich erkrankt sei und auf unbestimmte Zeit ausfalle. Was sich vor Wochen schon mal ankündigte, ist nun bittere Gewissheit.

Was passiert jetzt? Erst einmal wird bei Gericht eine Fristerstreckung beantragt. Die Kanzlei hat nun einen neuen, ganz jungen Anwalt beauftragt, sich nächste Woche "einzulesen". Das wird viele Tage dauern bei den Papierbergen, und als Erstes fragt man sich, wer das bezahlen soll? Allein das Einarbeiten dürfte Tausende von Franken kosten, die wohl kaum die Klientin bezahlen wird - das wäre ein Skandal. Und wenn der junge Mann dann mal soweit sein sollte und zumindest oberflächlich Einblick in das laufende Verfahren hat, habe ich grosse Sorge, wie sich das auf die Qualität der Rechtsvertretung auswirken wird. Mal ganz davon abgesehen, dass sich Klientin und Anwalt erst einmal kennen lernen sollten und müssen. Was, wenn die Chemie so gar nicht stimmt? Was, wenn sich Rosalie nicht gut vertreten fühlt? Ihr Ex benimmt sich gerade wieder, als sei er schon auf der Siegerstrasse, zahlt nicht und ist auch noch dummfrech in seinen Mails. Soll er am Ende damit durchkommen, weil Rosalies Kanzlei aus Personalgründen versagt hat?

Es kann einem angst und bange werden und man möchte wahlweise heulen oder schreien vor Wut. Wir werden jetzt von der Kanzlei verlangen, dass es zunächst ein persönliches Gespräch mit dem nun ausgewählten Anwalt gibt. Schliesslich handelt es sich um ein teures, langwieriges und sehr intensives Verfahren, in das schon eine Menge Geld geflossen ist. Da möchte man als Klient schon wissen, mit wem man es zu tun hat, ob man auf der selben Wellenlänge liegt und die gleichen Ziele verfolgt. Der junge Mann ist gerade mal 32 Jahre alt, hat vor rund fünf Jahren sein Staatsexamen abgelegt und ist seit Anfang des Jahres bei der Kanzlei. Vermutlich hat er in seinem kurzen Anwaltsleben noch nie eine Scheidung durchgeführt, ganz sicher aber keine so komplexe und schwierige.

Rosalie war gestern Abend verständlicherweise mit den Nerven fertig und hätte auch am liebsten den Wien-Ausflug ausfallen lassen. Allerdings würde das nichts am Status quo ändern, und in den nächsten Tagen bis Sonntag können wir auch nichts weiter tun. Also warum nicht mal eine kurze Luftveränderung versuchen und vielleicht auf andere Gedanken kommen?


Kommentare:

  1. Mein Gott... Sie sind ja beide wirklich vom Pech verfolgt! Das erinnert fatal an das Buch Hiob. Aber da ging wohl alles zum Schluß gut aus, oder? Mein Mitgefühl für Sie und Rosalie mit ganz viel Daumendrücken für ein gutes Ende.

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    1. Herzlichen Dank! Man könnte langsam wirklich meinen, es läge ein Fluch über uns.
      Rosalie ist mittlerweile juristisch schon so fit, dass sie Vieles allein machen kann. Aber zum Einen hat man ohne eigenen Anwalt vor Gericht kaum eine Chance, und zum Anderen braucht es für die teilweise fiesen Winkelzüge von Advokaten viel Erfahrung und Sachverstand. Den kann Rosalie natürlich nicht in dem Masse haben, aber ich fürchte, auch dieses junge Bürschlein, das noch feucht hinter den Ohren ist, besitzt davon viel zu wenig.
      Ich gehe davon aus, dass Rosalie ihn demnächst kennenlernen wird. Dann sehen wir weiter. Bis dahin muss sie erst einmal selbst beim Amt die ausstehenden Alimente einklagen. Das sollte eigentlich auch ihr Anwalt machen, aber daraus wird ja nun nichts. Und wenn sie es jetzt nicht tut, lacht sich ihr Ex ein weiteres Mal ins Fäustchen und kommt ungeschoren davon, weil es keine Gegenwehr gibt. Das darf nicht passieren.

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