Mittwoch, 18. September 2019

Zusammen bis in den Tod

Gestern hat Rosalie in der Zeitung zufällig eine Todesanzeige entdeckt, die so in Deutschland unmöglich wäre, aber hier in der Schweiz sicherlich auch eher selten ist.

Ein Paar, Jahrgang 1944 und 1951, hat sich entschlossen, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden.

Viel erfährt man nicht über die genauen Umstände, aber offenbar hatte der Mann Krebs, und das Paar, das seit rund 50 Jahren zusammen lebte, hat sich dafür entschieden, das Leiden zu beenden, in dem Beide diesen Weg gemeinsam gehen.

Dafür gibt es hierzulande die Vereinigung EXIT, die es ermöglicht, auf legalem Wege seinem Leben ein bewusstes Ende zu setzen.

Ich weiss nicht, ob ich in der vergleichbaren Situation den Mut hätte, so einen Schritt zu gehen. Momentan würde ich wohl doch zu sehr am Leben hängen und im umgekehrten Fall auch meiner Partnerin abraten, sich mir anzuschliessen. Es ist sicherlich ein schwieriger Weg, den Lebensgefährten nach so vielen Jahren gehen lassen zu müssen. Aber ist das eigene Leben dann gar nichts mehr wert?

Ich finde es gut, dass das hier jeder für sich entscheiden und auf Wunsch einen würdigen Tod herbeiführen kann, anstatt auf irgend eine Weise Selbstmord zu begehen. Es gibt sicherlich Situationen, vor allem bei schwerer Krankheit, in denen das Leben nicht mehr lebenswert und ohne Hoffnung auf Besserung ist. Dann kann es für einen selbst und die Angehörigen sicherlich ein tröstlicher Weg sein, den "richtigen" Zeitpunkt selbst zu bestimmen und dem Leiden ein Ende zu setzen.

Kommentare:

  1. Ob da wirklich beide mit EXIT aus dem Leben geschieden sind? Da müssen wohl beide krank gewesen sein. Gesunde Menschen werden nach meinem Wissen weder von EXIT noch von Dignitas unterstützt...
    Grundsätzlich befürworte ich jedoch diese Selbstbestimmung in der Schweiz, und zum Glück ist das neuerdings auch in Canada möglich!

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    1. Schau mal hier - die notwendigen Bedingungen sind sehr weit gefasst:
      https://exit.ch/freitodbegleitung/voraussetzungen-einer-freitodbegleitung/

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  2. Es hat wohl weniger mit Mut zum Exit zu tun.
    Wer nicht mehr weiterleben möchte, braucht keinen Mut zu diesem Schritt, es ist für ihn eine Erleichterung und fällt ihm leichter, als den Mut aufzubringen, das Leben ohne den geliebten Menschen an der Seite weiterzuleben.

    Ob es für die Angehörigen immer ein tröstlicher Weg ist, den eigenen Todeszeitpunkt selber festzulegen, bezweifel ich. Mit einem Selbstmord eines nahestehender Menschen ist immer sehr schwierig umzugehen. Auch, wenn man es verstehen kann.

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    1. Diese zumindest in unseren Breitengraden vorhandene Angst vor dem Tod - meinst Du, in solchen Situationen tritt sie in den Hintergrund? Selbstmorde sind ja oft Affekthandlungen aus Verzweiflung, aber bei Exit muss man sich bewusst darauf einlassen. Aus heutiger Sicht kann ich mir nicht vorstellen, dass der Verlust eines geliebten Menschen schwerer wiegt als der Drang zu leben. Aber wer weiss, wie das in 20 Jahren aussehen wird.

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  3. Sicherlich ist es auch eine Frage des Alters. In diesem Fall - Jahrgang 51 und 44 ... Schätzelchen ist Jahrgang 53.
    Etwas früh.
    Wer den Tod fürchtet, macht das nicht. Die meisten Selbstmorde sind, meiner Meinung nach, keine Affekthandlungen, sondern wohl überlegt. Der Begriff Lebensmüde trifft es wohl ziemlich genau. Das Leben liegt den Menschen wie ein schwerer Brocken auf der Seele. Sie können und wollen es einfach nicht mehr tragen.
    Als mein erster Mann starb, zog es mir auch den Boden unter den Füßen weg. Die Zukunft war praktisch gestorben. Ich hätte da auch wochenlang im Bett bleiben können. Aber da waren drei Kinder, da war meine Arbeit, da waren die Freunde ...
    Ältere Menschen finden nicht immer überzeugende Gründe, allein weiterleben zu wollen/sollen.

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    1. Ja, das hört man ja immer mal wieder. Und dann finde ich es gut, wenn es einen geregelten und legalen Weg gibt, um diesen Wunsch in die Tat umsetzen zu können. Wenn das Leben nicht mehr lebenswert ist, weil vielleicht der Partner verstorben ist und man selbst gesundheitlich stark angeschlagen, dann können solche Überlegungen schon eine Rolle spielen.
      Aber das sollte jetzt noch kein Thema sein, auch wenn ich morgens manchmal kurz davor bin. ;-))

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