Freitag, 8. März 2019

Mir graut

Vor einigen Wochen habe ich schon mal meine Bedenken geäussert, als ich erfuhr, dass mein Papa sich ein nagelneues Auto bestellt hat - mit fast 79 Jahren.

Nun hat er mir gestern ein Bild geschickt von dem neuen Wagen. Und ich bin ein weiteres Mal erschrocken. Wenn ich mir vorstelle, wie er mit seinem Rollator und unsicheren Schrittes zum Auto läuft, mit Mühe und Not und viel Geduld einsteigt, während seine Frau den Rollator im Auto verstaut, und dann mit diesem Geschoss wegfährt - das kann man nur für einen schlechten Scherz halten ...

Jede Menge neuer Technik, ein riesiges Display, das wunderbar ablenkt, ein Frontspoiler fast bis zum Boden. Wie lange geht das gut, bis der erste Schaden entsteht??

Hier in der Schweiz muss man im Alter alle zwei Jahren die Fahrtüchtigkeit unter Beweis stellen. Ich finde das absolut richtig, auch wenn es mich damit auch eines Tages erwischen wird. Aber man gefährdet sich halt nicht nur selbst, sondern stellt auch ein erhöhtes Risiko für seine Umwelt dar. Und das kann man selbst nun mal nicht objektiv einschätzen. Mein Opa fuhr damals mit 85 nur noch auf der Mittellinie, bis er nach einem Fast-Unfall endlich den Führerschein zurück gab. Mein Papa hat erst vor ein paar Wochen eine Beule in das alte Auto gefahren, weil er einen Pfeiler übersah. Was kommt als nächstes, weil er vielleicht gerade auf das tolle Display geschaut hat??

Und hier ist das gute Stück, das nächsten Mittwoch auf die Strasse entlassen wird (zum Teil noch mit Folie abgeklebt):






Kommentare:

  1. Was ist das für einer, sieht aus wie ein Golf tdi oder sowas?

    Ich wäre auch sehr für solche regelmäßigen Nachweise der Fahrtüchtigkeit ab einem bestimmten Alter hier in D.

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    1. Mein Papa fährt momentan einen Golf Plus, dies hier ist der Nachfolger, der jetzt Sportsvan heisst (klingt halt jünger ...). Er hat aber genau wie der Vorgänger einen höheren Einstieg. Ansonsten würde mein Vater gar nicht mehr ins Auto kommen.

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  2. Uiuiui. Hoffentlich trifft dann nur Spoiler auf Gartenzaun, oder so...

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    1. Das hoffe ich sehr. Kunststoff kann man schnell mal reparieren ...

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  3. Jeder kann mal einen Pfeiler übersehen. Das passiert auch vielen Jüngeren. Das ist kein Kriterium. Was sagt denn seine Frau dazu?
    Das es schwer für ihn mit dem Einsteigen ist, sagt nichts über seine Fähigkeiten als Fahrer aus. Meine Freundin hat auch noch Auto gefahren (mit MS) als sie schon einen Rollstuhl brauchte. Sie war allerdings deutlich jünger.
    Seine Mobilität aufgeben ist nicht so einfach, wie du dir das vorstellst. In 25 Jahren sprechen wir uns (mit etwas Glück) wieder ;-)
    Grüßli

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    1. Ich hab ja bereits geschrieben, dass ich das mit dem Aufgeben der Mobilität durchaus verstehe und vermutlich irgendwann auch vor dem Problem stehe. Doch jetzt das ABER: Es ist nicht nur der Pfeiler. Neulich hat er sich gerade erst einen Reifen platt gefahren, weil er einen Randstreifen falsch eingeschätzt hat. Mir selbst hat er erzählt, dass er neulich ein Auto überholt hat und dabei beinahe den Gegenverkehr übersehen hat. Papa hat kein Gefühl mehr im linken Bein und im rechten nur noch vermindert, da seine Muskulatur kaum noch vorhanden ist. Er hat Schwierigkeiten beim Greifen mit beiden Händen, lässt daher ständig Dinge fallen und sieht schlecht, trägt aber keine Brille. Immerhin hat er sich letztes Jahr überreden lassen, Hörgeräte zu tragen, da er auch sehr schlecht hört. Und mit knapp 80 ist nun mal auch das Reaktionsvermögen eingeschränkt, daher bleibe ich dabei - ich halte einen neuen Wagen mit 150 PS in dieser Situation für nicht vernünftig. Ob gut oder schlecht - er fährt nur noch die Strecken, die er kennt, und in der Stadt in der Regel gar nicht mehr. Seine Frau hält ich zurück und stimmte zu, weil sie der Meinung ist, er solle sich im tristen Alltag noch einmal eine Freude machen.

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  4. Das hört sich schon ganz anders an, wenn er gesundheitlich schon so stark eingeschränkt ist.
    Und nichts sehen ist sehr bedenklich ... da ist es egal, wieviel PS der Wagen hat.
    Wenn du ihn nicht überzeugen kannst, solltest du mit seinem Arzt sprechen und deine Bedenken dort vorbringen.
    Vielleicht hat er eine Idee oder einen größeren Einfluss auf deinen Vater.
    Grüßli :-)

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    1. Wenn er das Fahren schon nicht aufgeben mag (was sicher eine sehr schwere Entscheidung ist), hätte ich es vernünftigt gefunden, wenn er sein jetziges Auto, das gerade mal 24000 km auf der Uhr hat, noch bis zum "Schluss" weiter gefahren hätte. Das Auto kennt er aus dem Effeff, und die eine oder andere Beule tut nicht so weh wie bei einem Neuwagen.
      Ich bin zu weit weg, um direkt einzugreifen, und hoffe da einfach auf seine Frau, wenn sie merkt, dass es wirklich nicht mehr geht.

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