Freitag, 27. Juli 2018

Die lieben Kollegen (37) - Krise

Ich hab in meinem Arbeitsleben mehrmals die Situation erlebt, ungeplant in Positionen zu geraten, in denen ich diverse Funktionen und Aufgaben hatte, für die ich gar nicht eingestellt und auch nicht danach bezahlt wurde. Oft dauerte es Jahre, bis sich das ausglich, manchmal gelang es nie.

Was will mich das Leben lernen lassen? Derzeit entwickelt es sich wieder in die selbe Richtung. Nicht nur, dass meine Team-Mitglieder immer öfter mich fragen, was und wie sie was tun sollen, auch in dem aktuellen Projekt werde ich gerade in eine Lage gebracht, die mit meinen Aufgaben lt. Arbeitsvertrag nur bedingt zu tun hat.

Verlief die erste Etappe des Projekt-Abschlusses besser als gedacht, bricht bei der zweiten Etappe nun alles zusammen. Gestern bat mich daher die Klinikmanagerin, die Lage bei der Führungsetage zu eskalieren. Eigentlich Aufgabe eines Chefs, der aber bekanntlich durch Abwesenheit glänzt und keinen Stellvertreter hat. Also hab ich mich hingesetzt und den Bereichsleiter angerufen. Später dann noch Mails an die Chefetage geschrieben, die Lage geschildert, die Klinik beruhigt, Termine gemacht. Montagvormittag Krisensitzung mit den Chefs - und mir.

Und dann muss ich mir heute Morgen noch anhören, dass mein "Team" nicht mal in der Lage ist, bis 17 Uhr im Büro zu sein, obwohl das unsere vorgegebenen Bürozeiten sind. Soll ich das nun auch noch selbst regeln? Nein, darum kann sich der Chef kümmern. Eigentlich. Ich höre ihn schon sagen: "Das müsst Ihr unter Euch ausmachen ...."

Kommentare:

  1. Wenn er den Spruch bringt:
    Ja, Chef. Haben wir die letzten x Jahre. Hat nicht funktioniert.
    Bitte triff in unserer aller Interesse eine Entscheidung.
    (Oder bezahl mich dafür, das ich Deinen Job mache.)

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  2. Ich kenne mich jetzt im ÖD nicht wirklich aus, aber in meinem Berufsleben war es bisher immer so, das solche Gelegenheiten Gold wert waren. Man konnte sich einen Namen machen, bekannt werden usw. Und das führte dann idR auch zu entsprechender Anerkennung, sowohl in Form von Boni als auch in Form von Worten. Und dann auch in Form von Aufstieg sprich mehr Verantwortung, nächste Entwicklungsstufe, und auch mehr Gehalt.

    Insofern wundere ich mich ein wenig, wieso du das nur so negativ siehst. Das Dein Chef offensichtlich die Pfeife des Jahrhunderst ist, könnte doch Dich voranbringen?

    Wie ist denn Dein Kontakt zur Ebene darüber? Kommt von dort Support und Wertschätzung und Förderung?

    PS Ich kann seltsamerweise nicht mehr direkt mt meinem Blogger-Profil kommentieren, die Auswahlliste für das Profil bleibt leer. Seltsam.

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    1. Liegt das vielleicht am Browser?
      Ja, im Grunde hast Du Recht, ich hab das ja auch mehrmals durch. Es dauert lange, vor allem im ÖD, man braucht viel Geduld, irgendwann zahlt es sich mal aus. Ich merke schon, dass die "Umgebung" mein Engagement wahr nimmt (allerdings nicht mein Chef-Chef, der ist ein Geizkragen und würde am liebsten noch weniger zahlen), aber bis sich eine Gelegenheit bietet, kann es Jahre dauern. Und die können lang sein. Von finanziellen Dingen mal ganz abgesehen, da besteht hier im Spital so gut wie keine Hoffnung auf Besserung. Das liegt an dem sehr speziellen System der Vergütung, bei dem der direkte Chef entscheidet, wer wie viel erhält von dem Topf, der ihm zugeteilt wird (falls er überhaupt einen bekommt). Wenn ich mich umhöre, haben alle seit mindestens drei Jahren keinerlei Erhöhung mehr bekommen. Bliebe nur, sich weg zu bewerben, was einerseits schade wäre, da ich hier nach 1,5 Jahren gerade richtig angekommen bin, aber andererseits vielleicht die einzige Möglichkeit böte, sich zu verbessern.

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    2. Das ist ja ein tolles System. WTF?? Damit bist Du ja völlig abhängig vom Goodwill Deines Chefs?? Oder wird wenigstens in Führungsrunden darüber diskutiert und abgewogen?

      Mit dem Hintergrund-Wissen kann ich Dich voll verstehen. Da würde ich ob der so verlockenden Aussichten auch eher beim Dienst nach Vorschrift bleiben :-( Echt schade, wie man das Potential von jemand engagiertem wie Dir völlig verschenkt. Aber kann sich die Schweiz das im IT-Umfeld noch erlauben? Ist da nicht auch mitlerweile die Nachfrage nach ITlern/innen sehr gross?

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    3. Das Interesse mag da sein, aber ich bin zu alt. Arbeitgeber müssen mit steigendem Alter der Mitarbeiter mehr in die Altersvorsorge investieren als für junge Menschen. Das ist natürlich nicht attraktiv.
      Ich weiss nicht, wie das genau läuft. Von einer Kommission wird eine Lohnsumme vereinbart, die im gesamten Spital verteilt werden kann. Dann bekommt jede Klinik etwas ab, und dort entscheiden dann die Chefs (ich weiss nicht genau, auf welcher Ebene), welches Team wie viel erhält und wer in den Teams profitiert. Wie gesagt - hier ist schon lange nichts mehr angekommen. Gut, es geht in der Regel wohl sowieso nur wenige Franken, aber es hat auch was mit Anerkennung zu tun. Doch wenn ich meinen Chef sehe, der wohl Angt vor dem eigenen Team hat, dann ist da wenig zu erwarten.

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    4. Wer am lautesten ruft, kriegt manchmal am meisten. Dein Chef hat das nur noch nicht gemerkt, oder ist eben nicht fähig, sich für sein Team einzusetzen... so ein Waschlappen!

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  3. Ich schlage vor, notgedrungen die Aufgaben übernehmen, aber (z.B. auch bei der Krisensitzung am Montag) klar, deutlich und kurz (und vor allem in sachlich-neutralem Ton) sagen, wo die eigenen Kompetenz-Grenzen sind und wie weit man die schon überschritten hat, um das Werkel nicht zum Stoppen zu bringen. Und wenn einen der innerliche Grant zu übermannen droht, an Henry Swisscat denken und mit einem leichten Lächeln weitermachen. Hilft Wunder.
    caterina

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    1. :-) Ja, der kleine Kerl wirkt wirklich Wunder!
      Ich denke, ich hab ein ganz gutes Gespür dafür, wie weit ich gehen und was ich sagen kann. Laut Einladung sollte auch der Chef-Chef dabei sein. An ihm komme ich natürlich nicht vorbei, aber ich werde deutlich machen, in welcher Situation ich mich befinde. Allerdings fürchte ich, dass er kein Ohr dafür hat. Bei ihm geht es ohnehin nur ums Sparen und er steht auf der Seite des Managements. Er war es ja auch, der sich wegen 90 Sekunden aufgeregt hat, die ich morgens sparen könnte, wenn ich eine andere Stempeluhr nehmen würde. Von dort ist also keine Unterstützung zu erwarten.

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  4. Es wird sicher keine unmittelbare Unterstützung geben. Aber für's Protokoll und die lange Sicht ist es wichtig! Und wenn's um's Sparen geht, kostet ein Mitarbeiter, der sich nicht vor Arbeit scheut und davor, Verantwortung zu übernehmen, wenn Not am Mann ist, weniger, als einer, der sich drückt und faulenzt.

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    1. Das stimmt, leider denkt der Chef nicht langfristig, im Gegenteil: Er beklagt sich über jede Überstunde, weil das ja eigentlich Geld ist, was er vor sich her schiebt in der Buchhaltung. Ob die Stunden notwendig waren zu dem Zeitpunkt und dann lieber später, wenn es Sinn macht, abgebaut werden, wird gar nicht hinterfragt.
      Ich ziehe aber trotzdem meinen Nutzen daraus. Solche "Aktionen" machen einen bekannt, lassen neue Kontakte entstehen und hinterlassen im besten Falle eine positive Erinnerung. Das spürt man, wenn man später mit den Beteiligten wieder zusammen trifft oder sie auch nur auf dem Flur trifft, und man bekommt das Gefühl, das Richtige getan zu haben. Das baut zumindest mental auf, und davon kann ich zehren. Und vielleicht erinnert sich irgendwann mal jemand daran, wenn es "wichtig" wird ... :-)

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  5. Meinen Vorschreiberinnen kann ich nur zustimmen. Krisen sind auch Chancen! Wie du vielleicht weisst, habe ich vor meiner Auswanderung zwölf Jahre in einer Gesundheitsinstitution gearbeitet, allerdings in einem anderen Kanton. Wir in der Administration mussten budget-mässig jahrelang hintenanstehen, weil das Geld in die Pflege floss. Aber plötzlich merkte das Management, dass ohne Administration gar nichts richtig lief und das Blatt wendete sich. Allerdings hatten wir keine Pfeifen im mittleren Kader, wir waren ein echt gutes Team! Fazit: Halte noch ein wenig durch, es könnte sich lohnen für dich!

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    1. Aber ja, das habe ich auch vor. :-) Wie schon geschrieben, habe ich das in meinem Berufsleben schon etliche Male erlebt, und meist war dann irgendwann der Punkt erreicht, an dem ich "belohnt" wurde fürs Durchhalten.
      Immerhin hat der Chef-Chef, der vorhin hier war, mein "Wording" in den Eskalations-Mails gelobt. Wenn das nichts ist! ;-)

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