Montag, 11. Dezember 2017

Zum letzten Mal

Wir waren nie besonders "dicke", auch wenn wir uns mehr als zwanzig Jahre kannten. Er war der Mann einer guten Freundin meiner Ex und wir trafen uns immer zu viert. Nach der Trennung waren sie sehr loyal, und aus dem Vierertreffen wurde dann 2x2. Und so sahen wir uns fortan etwa alle acht Wochen, gingen gemeinsam essen, bastelten an seiner IT-Hardware daheim oder grillten in seinem Garten.

Er öffnete sich dann ein wenig, als seine Frau ihn vor etwa einem halben Jahr verliess. So erfuhr ich auch, dass sie vor drei Jahren schon mal eine grosse Krise hatten, aber sich wohl mehr oder weniger wieder zusammen gerauft hatten. Diesmal schien es endgültig zu sein, und so langsam begann er, sich an den Gedanken zu gewöhnen, nach vorn zu schauen und neue Pläne zu schmieden.

Worüber ich nichts wusste, war sein Gesundheitszustand. Ja, er trank sehr gern Bier, aber dass die Leber schon gelitten hatte, war mit nicht bekannt.

Noch Ende Oktober trafen wir uns bei meinem letzten Berlin-Besuch und gingen wir gewöhnlich zusammen essen. Er wirkte ganz normal, optimistisch und nicht krank. Dann fuhr er mich zum Bus, und dort sassen wir noch einmal eine Viertelstunde und redeten, so als ob er mich nicht gehen lassen wollte. Als ich schliesslich ausstieg, wendete er mit dem Auto, winkte kurz und weg war er. Wer hätte geahnt, dass er drei Tage später ins Krankenhaus eingeliefert werden und dort sterben würde ...

Nun fliege ich also nachher nach Berlin, um mich morgen von ihm zu verabschieden. Blöderweise hat mein Flieger auch noch zwei Stunden Verspätung, sodass mein ganzer Plan durcheinander kommt. Aber was soll's. Es ist mir wichtig, persönlich dabei zu sein, auch wenn wir nie besonders dicke waren.

Kommentare:

  1. Hallo Herr B.
    Wer hat nicht auch schon eine solche Erfahrung gemacht? Wir wissen eben nie, wann die Stunde des entgültigen Abschieds kommt. Das ist gut und schlecht. Je nach Sichtweise. Leider ziehen viele Menschen daraus keine Lehre und verschwenden Lebenszeit von sich selber und anderen.
    Mich schreckt das plötzliche Ableben nicht unbedingt, nur das zu frühe (ich möchte eigentlich noch gerne meine Enkelkinder aufwachsen sehen, aber andererseits nie als ein Pflegefall wie Schwiegereltern enden).
    Es gibt wohl keinen passenden Zeitpunkt.
    Liebe Grüße :-)

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    1. Das ist natürlich immer so im Leben. Für mich war es nur das erste Mal, bei dem jemand aus etwa meiner Altersgruppe verstorben ist. Bisher waren es stets Eltern und Grosseltern. Insofern war es eine besondere Erfahrung - mit der von Dir geschriebenen Erkenntnis: Lebe Dein Leben jetzt!

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