Donnerstag, 22. November 2018

Intelligenz

Mit der Intelligenz ist das ja so eine Sache. Wird sie vererbt, ist sie erlernbar, welche Einflussfaktoren gibt es?

Dass es Intelligenz nicht nur bei Menschen gibt, sondern auch bei Tieren, ist sicherlich unbestritten. Und dass es da Unterschiede gibt, sicherlich auch. So richtig messen kann man das natürlich kaum, aber an der einen oder anderen Stelle fallen durchaus Unterschiede auf. Bisher ist mir das vor allem bei Hunden aufgefallen. In der Literatur schreibt man ja den einzelnen Rassen tendenziell auch unterschiedlich stark ausgeprägte Fähigkeiten zu.

Bei Katzen fällt uns das aber nun auch auf. Im ersten Jahr hatten wir ja ausschliesslich mit Henry zu tun. Er ist ein ganz lieber, gutmütiger, eher einfacher Zeitgenosse, der sich so ziemlich alles gefallen lässt und nur ganz selten zeigt, wo seine Grenze ist.

Bernie ist da anders. Das mag auch an seinem deutlich höheren Alter liegen, aber es ist spannend zu sehen, dass schon sein Blick ein ganz anderer zu sein scheint. Schaut Henry eher "belanglos" in die Runde, habe ich den Eindruck, als passiere da bei Bernie ganz viel. Neulich sass er mir auf dem Sofa gegenüber, drehte den Kopf in meine Richtung und schaute mich ganz lange und intensiv von der Seite an. Was soll ich sagen - dieser Blick ging mir durch und durch. Ich weiss nicht, was sich da alles zwischen uns Beiden abgespielt hat, es war beinahe etwas unheimlich.

Spannend allein ist ja schon, dass er sich unser Haus ganz bewusst ausgesucht zu haben scheint. Er hat im Sommer mit solchem Nachdruck sowohl vorn als auch hinten an den Türen gesessen und gejammert, dass wir irgendwann gar nicht anders konnten, als ihn herein zu lassen. Und seit diesem Abend ist er jede Nacht bei uns und schläft meist bei uns im Bett.

Mittwochs kommt am Nachmittag Rosalies Tochter vorbei und holt die Sachen ab für den wöchentlichen Umzug zum Vater. Wie man auf unserer Webcam sehen konnte, kam Bernie gestern eine Minute vor ihrer Ankfunft zum Haus und wartete schon an der Gartentür auf sie. Zufall? Vielleicht, vielleicht auch nicht ...

Schon öfter kam er direkt auf mich zu, unmittelbar nachdem ich mein Auto im Carport abgestellt hatte. Das mag man vielleicht noch nachvollziehen können: Er ist in der Nähe, hört die Geräusche und hat sich gemerkt, dass danach immer jemand da ist und sich um ihn kümmert. Gestern allerdings bin ich mit meinem Auto noch rund 200 m vom Haus entfernt gewesen. Es war schon dunkel. Ich fuhr an dem Haus vorbei, dass eigentlich Bernies Zuhause ist. Er sass dort draussen auf dem Vorplatz. Als ich ihn sitzen sah, bremste ich etwas ab und sah zu ihm hin, fuhr aber dabei weiter. Kaum hatte ich mein Auto kurz darauf im Carport abgestellt, hörte ich ihn laut mauzend auf mich zukommen. Er muss also entweder mein schwarzes Auto im Dunkeln oder mein Gesicht im dunklen Auto erkannt haben. Wie geht das? Schwarze Autos gibt es viele, und ich hatte noch eine Brille auf, die er noch nie gesehen hat. Also woran hat er erkannt, dass seine Lieblingsmenschen nach Hause kommen? Das ist ziemlich faszinierend.

Ich vermute, wir unterschätzen Tiere zum Teil ganz enorm ...

Kommentare:

  1. Der Meinung bin ich auch. Als langjährige Hunde- und Katzenbesitzerin könnte ich unglaubliche Geschichten erzählen.
    Charlotte

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    1. Ich war schon immer ein Katzenfan, musste mich aber wegen der Allergie lange zurückhalten. Daher sind meine Erfahrungen auch noch nicht so umfangreich, aber schon jetzt zum Teil sehr beeindruckend. Ich persönlich habe bisher immer Hunden mehr Intelligenz zugetraut, aber das liegt wohl vor allem daran, dass sie besser gehorchen als Katzen und ich damit immer eine gewisse Intelligenz verbinde. Das ist aber eben längst nicht die ganze Wahrheit. :-)

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  2. Nachtrag zu Bernies langem Blick:
    Geben Sie mal "Drohstarren" bei Wikipedia ein.
    Charlotte

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    1. Ja, ich kenne diesen Begriff, aber ich denke, das hatte mit Imponieren nichts zu tun und war auch absolut nicht bedrohlich. Es war eher eine Art intensiver Kontaktaufnahme auf irgend einer Ebene, so, als wollte er mir sagen, dass wir irgendwie verbunden sind und er mich sehr lange und sehr gut kennt. Klingt schräg, ich weiss. Aber es war sehr eindrücklich.
      Er sucht momentan auch sehr oft meine Nähe, liegt an oder auf mir im Bett oder direkt neben mir auf dem Sofa. Womöglich sind wir ja seelenverwandt?

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  3. Bernie hat das Motorgeräusch gehört und erkannt. Jedes Auto kling leicht anders und die Feliden haben ein sehr gutes Gehör. Außerdem haben sie ein gutes Zeitgefühl und wissen, wann wer normalerweise kommt. Wir wohnen in einer Mietwohnung im 1. Stock und meine beiden sind immer zur Wohnungstür gelaufen, sobald mein Mann auf der Straße ums Eck gebogen ist. Die haben die Schritte gehört und erkannt und sind losgestartet.

    caterina

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    1. Ganz egal, welcher der Sinne es letztlich war - erstaunlich ist es allemal, was die Natur so zu bieten hat. :-)
      Mit dem Zeitgefühl ist es auch spannend: Die Freundin von Henry kommt morgens fast immer auf die Minute um halb sieben zu uns. Mit ganz wenigen Ausnahmen kann man die Uhr danach stellen. Abends klappt es zurzeit gerade nicht so "gut", aber heute Morgen war sie wieder pünktlich an der Tür und durfte dann eine Runde durchs Haus laufen und Rosalie im Bad überraschen. :-)

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  4. Ich finde immer, Hunde (und wohl auch Katzen) haben ja viel Zeit, um sich auf uns und ihre Umgebung konzentrieren zu können. So wundern mich keine dieser Reaktionen. Die wissen schon, was sie wollen und verfolgen ihre Ziele mit unglaublicher Hartnäckigkeit. (Eigentlich sind alle liebenswerte Egoisten?!)

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    1. Besonders Bernie scheint ein sehr eifersüchtiger Kerl zu sein, wenn es darum geht, sein Revier zu verteidigen. Gestern hat er mich sogar gebissen, nachdem ich vorher eine andere Katze gestreichelt habe ...

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  5. Also ganz klar, bei dem langen Blick hat er Maß genommen. In seinem Köpfchen spielten sich folgenes Gedankengänge ab: "Mmh, wenn er mal nicht mehr so nett ist, passt er dann irgendwie in meinen Napf? Sind das schon Falten an den Augenwinkeln, dann ist das Fleisch ja schon etwas zäh."

    Und natürlich kennen Katzen den Klang des Autos, der Schritte und und und. Sie haben ein sehr gutes Gehör. Hunde übrigends auch. Meine Chefin kann an der Reaktion ihres Hundes erkennen, das ich mit dem Fahrrad auf den Hof gefahren bin.

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    1. Du meinst, er hat mich zum Fressen gern? Kann gut sein. :-)
      Er kennt das Auto bisher eigentlich nur, wenn es steht, insofern sind Fahrgeräusche sicherlich noch einmal anders. Aber ich traue es den Tieren schon zu, dass sie auch das erkennen können - Auto schwarz, fährt langsam, Geräusch bekannt, Typ schaut mich an: Das muss Herrchen sein. :-))

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