Mittwoch, 24. Januar 2018

Neulich im OP

Gestern hatte ich die Aufgabe, zwei junge Männer durch den OP-Bereich zu begleiten. Also haben wir uns hübsch gemacht, blaue Einweg-Klamotten samt Gummischuhen und Häubchen angelegt (was bei einem der Männer dank langer Rasterzöpfe gar nicht so einfach war), und liefen los. Unterwegs meinte ich, sie könnten ja mal durch die Fenster schauen und einen Blick auf die laufenden OPs werfen.

Dabei dachte ich an mit Tüchern abgedeckte Patienten, um die eine Schar von Ärzten und Schwestern stehen würde. Ganz beiläufig schaute ich dabei durch ein Fenster und wieder geradeaus, bevor ich mir überlegte, was ich da gerade gesehen hatte. Ganz unwillkürlich musste ich noch einmal hinsehen, um mich zu vergewissern: Da lag ein vermutlich älterer Mann, von der Brust abwärts komplett nackt und mit einer gelblichen Tinktur einbalsamiert. Weit und breit war niemand sonst in dem Raum zu sehen.

Das Ganze wirkte surreal, wie aus einem SF- oder Gruselfilm. Die beiden Jungs schauten auch sichtlich irritiert, wagten es aber wohl nicht, etwas zu sagen, und so liefen wir kommentarlos weiter.

Ich bin ja schon öfter durch diese Bereiche gelaufen. In der Regel sieht man nicht viel, es sei denn, das "Geschehen" wird mit Video auf einen Monitor übertragen, den man dann auch von draussen anschauen kann. Damit wirkt das Treiben dort dann aber weniger "echt", man hat das Gefühl, einem Film zuzuschauen. Aber hier, so ganz direkt und hautnah, das war schon seltsam. Ich wusste nicht einmal genau zu beurteilen, ob die Person noch lebte ...

Eines weiss ich jedenfalls genau: Medizin wäre kein Job für mich, da ich nicht einmal zusehen kann, wenn mir jemand eine Nadel durch die Haut sticht.

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