Mittwoch, 6. Dezember 2017

Gute Besserung

Gestern erhielt ich per WA vier sehr hoffnungsvolle Fotos. Auf den Bildern strahlte mein Papa übers ganze Gesicht, während er vor seinem Auto bzw. im Supermarkt stand. Nach mehr als sechs Wochen, die seit seinem letzten Sturz vergangen sind, war er endlich mal wieder auf eigenen Beinen vor der Tür, konnte frische Luft atmen, andere Menschen sehen und auf andere Gedanken kommen.

Diese Erleichterung sah man ihm förmlich an und er brachte sie auch danach am Telefon zum Ausdruck. Es muss extrem frustrierend sein, wenn man sich über so lange Zeit nur mit Rollator und viel Mühe in seiner winzigen 55 m2-Wohnung aufhalten kann.

Das grösste Hindernis auf dem Weg nach draussen war und ist die Treppe. Seine Frau redet schon seit rund zehn Jahren auf ihn ein, dass es an der Zeit wäre für einen Umzug, aber ich glaube, mein Papa lässt sich nach fast 50 Jahren in dieser Wohnung höchstens heraus tragen. Umziehen wird er freiwillig wohl nicht mehr.

Ich hoffe sehr, dass dieser Ausflug nicht nur ein kurzes Aufbäumen war. Der nächste Sturz ist vermutlich nur eine Frage der Zeit. Und obwohl er bisher grosses Glück hatte, bleibt meine Sorge, dass es doch mal schlimmer ausgehen könnte.

Immerhin brauche ich dann nächste Woche, wenn ich dort bin, keinen Grosseinkauf zu machen und wir haben etwas mehr Zeit zum Quatschen. Ich bin froh, dass die Frequenz meiner Besuche derzeit recht hoch ist (auch wenn der Anlass diesmal traurig ist), denn man kann halt nie wissen, wie lange das noch möglich ist. Solange er noch einigermassen mobil ist, wünsche ich ihm noch viele schöne Jahre, doch sollte er irgendwann einmal gar nicht mehr laufen und sein geliebtes Auto nicht mehr für einen Ausflug nutzen können, dann wird sein Lebenswille vermutlich versiegen und dann wird es für ihn eine Qual. Davor graut es mir.


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